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Arbeiterkammer: So reich ist Österreich

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Laut aktueller Arbeiterkammer-Studie ist das Vermögen in Österreich sehr ungleich verteilt. Eine Datenlücke einer vorherigen Studie der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) wird mit der aktuellen AK-Studie geschlossen.

Vermögen ist in Österreich sehr ungleich verteilt. Während viele nur kleine Ersparnisse besitzen, haben einige wenige sehr viel. Doch wieviel ist „sehr viel“? Das weiß niemand genau, weil die reichsten Haushalte bei der Erhebung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) nicht in der kleinen Stichprobe enthalten sind oder nicht teilnehmen wollen. Diese Datenlücke hat die Arbeiterkammer (AK) mit einer Studie geschlossen und die Ergebnisse auf einer neuen Homepage interaktiv aufbereitet. 

Land der Ungleichheit

Wie ist das Vermögen in Österreich verteilt? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Wissenschaft nicht nur hierzulande sehr intensiv. Allerdings steht dabei nicht immer ausreichend Forschungsmaterial zur Verfügung.  Die OeNB führt alle drei Jahre eine qualitativ hochwertige Datenerhebung im Rahmen des Household Finance and Consumption Survey (HFCS) zum Vermögen durch. Allerdings hat diese Erhebung einen wesentlichen Haken: Die sogenannten Superreichen fallen aus der Statistik, weil sie entweder gar nicht in der Stichprobe enthalten sind, Antworten verweigern oder ihr Vermögen schlichtweg unterschätzen. So entstehen Verzerrungen, die zu einer deutlichen Unterschätzung von Ungleichheit führen. Um die so entstehende Datenlücke zu schließen, hat die AK Wien bereits zum dritten Mal in Folge – dieses Mal in Kooperation mit der AK NÖ – Ökonomen beauftragt, diese Lücke zu schließen und das Vermögen der Superreichen zu erforschen. Ziel ist, ein besseres Bild der Verteilung von Vermögen in Österreich zu erhalten. Ein Team unter der Leitung von Jakob Kapeller, Professor für Sozioökonomie an der Universität Duisburg-Essen, hat im Laufe der Forschung die Berechnungsmethode sukzessive verbessert. Bei der aktuell vorliegenden Berechnung wandten Kapeller und sein Team ein neues Verfahren an: Die Vermögensspitze wurde mittels einer sogenannten Pareto-Verteilung zweiten Typs modelliert. Diese Methode ist international aktuell die wissenschaftlich anerkannteste Methode, um das Vermögen an der Spitze zu schätzen. Fazit: Vermögen ist in Österreich wesentlich ungleicher verteilt als aus den HFCS-Daten ersichtlich ist.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

  • Das reichste Prozent besitzt fast 39 Prozent des gesamten Vermögens (nach HFCS Methode 23 Prozent).
  • Die reichsten 5 Prozent besitzen 55 Prozent des gesamten Vermögens (nach HFCS Methode 43 Prozent).
  • Die reichsten 10 Prozent besitzen knapp 66 Prozent des gesamten Vermögens (nach HFCS Methode 56 Prozent).
  • Die untersten 50 Prozent besitzen nur noch 2,8 Prozent des gesamten Vermögens (nach HFCS Methode 3,6 Prozent).
  • Das österreichische Gesamtvermögen liegt bei 1.249 Milliarden Euro (nach HFCS Methode 985 Milliarden Euro)

Auf Basis der neu geschätzten Vermögen haben die Ökonomen zudem das Aufkommen von vier verschiedenen Vermögenssteuertarifen errechnet. Ohne Ausweicheffekte der Vermögenden bewegt sich das Aufkommen je nach Tarif zwischen jährlich fünf Milliarden Euro (linear) und 134 Milliarden Euro (Piketty Modell).

Krisenkosten gerecht verteilen

Weltweit werden aufgrund der Covid-19-Pandemie aktuell Diskussionen geführt, wie die stetig wachsenden Kosten der Krise gedeckt werden sollen. „Unsere Studie zeigt, dass sehr viel Vermögen bei Multimillionären und Superreichen konzentriert ist und diese endlich einen fairen Beitrag zur Finanzierung der Krisenlasten leisten müssen“, sind sich AK Präsidentin Renate Anderl und AK NÖ Präsident Markus Wieser einig. „Andere Länder zeigen vor, dass eine gerechtere Verteilung der Krisenlasten auch in Österreich möglich ist“, betonen die Auftraggeber der Studie. So hat etwa Argentinien vor Kurzem eine einmalige Abgabe für Millionäre beschlossen. Großbritannien erhielt Anfang Dezember von der Wealth Tax Commission die Empfehlung eine Vermögenssteuer einzuführen. „In Österreich entstehen gewaltige budgetäre Kosten der Covid-19-Krise im hohen zweistelligen Milliardenbereich, deren Finanzierung durch negative Zinssätze auf Staatsanleihen fundamental erleichtert wird. Doch die Krisenlasten tragen jetzt vor allem hunderttausende arbeitslose Menschen, Selbstständige, Kinder und Jugendliche. Das ist weder gerecht, noch wirtschaftlich vernünftig. Vermögen sind in Österreich extrem ungleich verteilt, daher sind Vermögensabgaben das Mittel der Wahl“, resümiert AK Chefökonom Markus Marterbauer. 

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