Bain‐Analyse: Volumen der globalen Neuemissionen im 1. Halbjahr 2020 deutlich höher als in der Finanzkrise 2008/2009

Börse
© Pixabay
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Die aktuelle Bain-Analyse nimmt weltweites Emissionsgeschehen unter die Lupe. Eine weitere Belebung des Emissionsgeschäfts wird im zweiten Halbjahr 2020 erwartet.

Im 1. Halbjahr 2020 hat sich das weltweite IPO‐Volumen auf 71 Milliarden US‐Dollar belaufen. Noch Ende März dieses Jahres, dem Beginn des coronabedingten Lockdowns in vielen Ländern, hätte wohl kaum ein Marktteilnehmer eine solche Summe erwartet. Denn in der Rezession nach der globalen Finanzkrise 2008/2009 war das Geschäft mit Neuemissionen fast vollständig zum Erliegen gekommen. So hatten Unternehmen im zweiten Halbjahr 2008 weltweit lediglich elf Milliarden US‐Dollar erlöst, in der ersten Jahreshälfte 2009 waren es etwa 14 Milliarden US‐Dollar gewesen, dies geht aus einer aktuellen Analyse von Bain & Company hervor. „Die Neuemittenten profitieren von der unerwartet raschen Erholung der Kapitalmärkte nach dem Corona‐Crash”, erklärt Mike Kühnel, Partner bei der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company, das derzeit vergleichsweise robuste IPO‐Geschäft. „Zudem konnten viele Unternehmen mit einer intakten Wachstumsstory bei Investoren punkten, die in der Nullzinsära attraktive Anlagemöglichkeiten suchen.” Das IPO‐Geschehen konzentrierte sich im ersten Halbjahr 2020 auf den asiatisch‐pazifischen Raum sowie auf die USA. Auf Europa entfielen nur knapp 10 Prozent des Volumens. Dabei war der Kaffeekonzern JDE Peet’s mit seinem Börsengang im Mai 2020 im Wert von rund 2,9 Milliarden US‐Dollar das einzige europäische Unternehmen, dem der Sprung in die weltweite Top Ten gelang. Bei den Branchen dominierten weltweit in den ersten sechs Monaten dieses Jahres Finanzdienstleister (23 Prozent des gesamten IPO‐Volumens), die Gesundheitsbranche (20 Prozent) und Industriefirmen (19 Prozent).

Europäische Börsenkandidaten in den Startlöchern

Aus Sicht von Kühnel wird ein breiter Branchenmix auch bei Neuemissionen im zweiten Halbjahr 2020 zu beobachten sein: „Ändert sich das derzeitige Kapitalmarktklima nicht, wird sich insbesondere das IPO‐Geschäft in Europa beleben.” Entscheidend sei, dass die Börsenkandidaten über krisenfeste Geschäftsmodelle und ambitionierte Wachstumsziele verfügten. Unabhängig davon sieht der Bain‐Partner einen Trend hin zur Diversifizierung der Finanzierung, nicht zuletzt mit Blick auf die restriktivere Kreditvergabe von Banken während einer Rezession. „Die Corona‐Krise schärft das Bewusstsein vieler Unternehmen, sich bei der Finanzierung breiter aufzustellen”, so Kühnel. In den vergangenen Jahren hatte vor allem die Renditeschwäche vieler Neuemissionen die Aufnahme von Eigenkapital über die Börsen erschwert. Laut einer Analyse im Rahmen der aktuellen Bain‐Studie „Reversing the Winner’s Curse of the IPO” erzielten Neuemittenten in den ersten fünf Börsenjahren weltweit zuletzt eine durchschnittliche Aktienrendite von gerade einmal 0,4 Prozent. Ihre Peergroup kam im gleichen Zeitraum im Schnitt auf 8,4 Prozent. Zudem entwickelten sich im Analysezeitraum zwei von drei Börsenneulingen schwächer als ihre Peergroup – und das unabhängig von der Region, der Branche oder den bisherigen Eigentümern. Regional betrachtet schafften Anleger nur in China und in der Schweiz mit IPOs genauso hohe Renditen wie mit etablierten Werten. Die Bain‐Studie zeigt zudem auf, was renditestarke Neuemittenten nach einem IPO grundsätzlich besser machen als andere. Im Fokus stehen drei Erfolgsfaktoren: Eine klare Vision, die Orientierung an den Bedürfnissen der Aktionäre und eine Überzeugende Equity Story.

Neue Optionen rund um den Börsengang

Lohnenswert ist es laut Kapitalmarktspezialist Kühnel zudem, sich mit dem veränderten Emissionsgeschehen zu beschäftigen. „Digitale Kommunikationsformen setzen sich jetzt selbst in den Investor Relations durch”, stellt Kühnel fest. Dies zeige die wachsende Zahl von Online‐Roadshows und virtuellen Kapitalmarktkonferenzen infolge des Lockdowns. „Digitale Kanäle haben erhebliche Effizienzvorteile”, so Kühnel weiter. „Auf diese werden wohl weder Investoren noch Unternehmen nach der Corona‐Krise verzichten wollen.” Gerade kleinere Firmen könnten auf diese Weise deutlich mehr Kapitalgeber erreichen als bisher. Darüber hinaus begünstige der direkte Investorenkontakt Direct Listings. Der Bain‐Partner betont: „Je besser IPO‐Kandidaten die neuen Optionen am Kapitalmarkt verstehen, desto eher gelingt ihnen der Börsengang.”

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