Bank Austria Konjunkturindikator: Wirtschaftslage verbessert sich, Erholungstempo lässt jedoch nach

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Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator stieg im September das vierte Mal in Folge auf aktuell minus 0,9 Punkte, doch die monatliche Verbesserung lässt stark nach.

Die Konjunkturstimmung in Österreich hat sich zu Herbstbeginn weiter verbessert. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator ist im September auf minus 0,9 Punkte gestiegen. Damit hat sich der Indikator den vierten Monat in Folge erhöht, was auf ein Anhalten der wirtschaftlichen Erholung in Österreich aus dem Coronatief des Frühjahres hinweist“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Die monatliche Verbesserung des Indikators nimmt allerdings laufend ab. Die Erholung verliert bereits an Tempo. Der Rebound‐Effekt der ersten Monate nach dem Shutdown läuft aus.“  Das aktuelle Konjunkturumfeld in Österreich ist erstmals wieder nach zwei Rückschlägen in Folge von einer leichten Aufhellung der Verbraucherstimmung gekennzeichnet. Diese ist aber weiterhin deutlich von den positiven Werten vor Ausbruch der Pandemie entfernt. Das spürt insbesondere der Dienstleistungssektor, der nach dem Nachfrageeinbruch noch eine große Lücke zu schließen hat. Nach anfänglich raschen Erfolgen geht es jedoch nun aufgrund der herrschenden Verunsicherung nur noch in kleinen Schritten bergauf. Obwohl sich das Exportumfeld im September erneut verbessert hat, gestützt auf die positive Entwicklung in Asien, wo die Pandemie mittlerweile im Griff zu sein scheint, kämpft die heimische Industrie unverändert mit großen Herausforderungen. Grund ist die nur zögerlich steigenden Nachfrage im Inland und in den von erneut steigenden Infektionszahlen gezeichneten europäischen und amerikanischen Absatzmärkten.  Die Stimmung in der heimischen Industrie hat sich im September daher nicht mehr weiter verbessert und hinkt insgesamt hinter der Entwicklung in den anderen Wirtschaftssektoren etwas hinterher. „Bislang ist nur am Bau der Optimismus vom Jahreswechsel zurückgekehrt, da die Auftragsbücher gut gefüllt sind. Die Stimmung im Dienstleistungssektor und in der heimischen Industrie verbessert sich nach der raschen Erholung in den ersten Monaten nach dem Shutdown zu Beginn des Herbsts hingegen nur noch langsam“, meint Bruckbauer. 

Starker Rebound der österreichischen Wirtschaft im dritten Quartal 

Infolge der Pandemie und der notwendigen Eindämmungsmaßnahmen ist die österreichische Wirtschaftsleistung zur Jahresmitte real auf rund 85 Prozent des Ausgangsniveaus gesunken. Mit der schrittweisen Öffnung der Wirtschaft hat in den vergangenen drei Monaten ein starker Aufholprozess eingesetzt. Ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau konnten sowohl die Industrie als auch der Einzelhandel und der Tourismus über den Sommer hohe Zuwächse verzeichnen.  „Nach dem raschen und scharfen Einbruch im ersten Halbjahr hat die österreichische Wirtschaft in weiterer Folge zu einer klassischen V‑förmigen Konjunkturerholung angesetzt. Aus dem Shutdown heraus konnte über den Sommer voraussichtlich sogar ein zweistelliger BIP‐Anstieg im Vergleich zum Vorquartal erreicht werden. Trotz des starken Rebounds war die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal dennoch um mehr als fünf Prozent niedriger als vor einem Jahr“, meint Bruckbauer. 

Aufholprozess verlangsamt sich

Die jüngsten Wirtschaftsdaten und der aktuelle UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator machen deutlich, dass der Rebound‐Effekt ausläuft. Das Wachstumstempo hat in Österreich bereits Ende des dritten Quartals nachgelassen. Mit den gestiegenen Infektionszahlen, die erneute wirtschaftliche Beschränkungen erwarten lassen, wenn auch ein Shutdown in dem Ausmaß des Frühjahres nicht mehr folgen dürfte, sind die Rahmenbedingungen für den andauernden Aufholprozess zum Schließen der entstandenen Outputlücke noch schwieriger geworden. „In den kommenden Monaten wird das Erholungstempo deutlich an Schwung verlieren. Der private Konsum wird angesichts der bestehenden Unsicherheit und der angespannten Lage am Arbeitsmarkt nur noch geringe Zuwächse erreichen und auch die Investitionsdynamik wird sich in diesem Umfeld verlangsamen, zumal die Exportaussichten durch das verstärkte Aufleben der Pandemie vorerst verhalten bleiben. Wir erwarten einen Rückgang des BIP im Gesamtjahr 2020 von über sechs Prozent“, so UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.  In der ersten Jahreshälfte 2021 wird die wirtschaftliche Dynamik aufgrund der Pandemie weiter sehr eng begrenzt bleiben. Auch wenn es gelingt die Pandemie bis zur Jahresmitte erfolgreich zu bekämpfen, wird die Wirtschaft weltweit von einer hohen Unsicherheit geprägt bleiben, die das Erholungstempo beschränkt. Insbesondere die Investitionstätigkeit dürfte bei nur vorsichtiger Nachfrage der Konsumenten und dem schwierigen Umfeld im Unternehmenssektor mit fortschreitender Dauer der Pandemie sehr zurückhaltend bleiben.  „Neben der weiterhin expansiven Geldpolitik durch die EZB sollten in der zweiten Jahreshälfte 2021 erste positive Wachstumseffekte durch das Aufbauprogramm Next Generation der Europäischen Union spürbar werden. Eine Verstärkung der fiskalpolitischen Anstrengungen wird jedoch auch in Österreich notwendig sein, um die Wirtschaftsleistung an das Vorkrisenniveau heranzuführen. Wir gehen derzeit von einem formal starken Wirtschaftswachstum von bis zu 5 Prozent aus, das jedoch nicht ausreicht, um die Outputlücke bis Ende 2021 schließen zu können“, so Pudschedl. 

Arbeitsmarkt im Winter vor großen Herausforderungen

Mit der Verlangsamung der Konjunkturerholung wird sich auch der Verbesserungstrend am österreichischen Arbeitsmarkt einbremsen. Der Rückgang der Arbeitslosenquote vom Höhepunkt im April mit saisonbereinigten 12,5 Prozent auf knapp unter zehn Prozent im September erfolgte relativ zügig. In den kommenden Monaten werden die Herausforderungen am Arbeitsmarkt jedoch steigen und die Arbeitslosenquote nur noch langsam sinken.  Während sich die Lage in der Bauwirtschaft bei günstigen Wetterbedingungen annähernd normalisieren könnte, werden andere Wirtschaftsbereiche die Belastungen durch die anhaltende Pandemie weiterhin stark spüren. In der heimischen Industrie liegt die Arbeitslosigkeit noch um rund 30 Prozent über dem Vorjahr, obwohl diese Sparte das Kurzarbeitsmodell besonders intensiv nutzt. So sind rund 160.000 Personen bzw. fast jeder Dritte der Industriebeschäftigten, für die ursprünglich Kurzarbeit beantragt wurde, noch nicht wieder voll beschäftigt. Ohne einem spürbaren Anstieg der Nachfrage insbesondere aus dem Ausland werden die weiteren Fortschritte gering ausfallen. Im Dienstleistungssektor ist vor allem die Sparte Beherbergung und Gastronomie stark betroffen. Die Arbeitslosigkeit liegt hier mehr als 40 Prozent über dem Vorjahr und fast 40.000 Personen befinden sich noch in Kurzarbeit. Mit einer angesichts eines ausländischen Gästeanteils von rund 80 Prozent sehr unsicheren Wintersaison vor der Tür kann vorerst von keiner weiteren Entspannung ausgegangen werden. „Nach einer Arbeitslosenquote von rund zehn Prozent im Jahresdurchschnitt 2020 erwarten wir eine moderate Verringerung auf 8,8 Prozent im Jahr 2021. Wir gehen davon aus, dass die Belastungen durch die Pandemie und deren wirtschaftliche Folgen den österreichischen Arbeitsmarkt noch lange Zeit beeinträchtigen werden. Es wird wohl sehr lange dauern, auch über das Jahr 2022 hinaus, bis die Arbeitslosenquote wieder das Vorkrisenniveau erreichen wird“, meint Pudschedl. 

Höhere Inflation in Österreich könnte zur Wachstumsbremse werden 

Während die Inflation im Euroraum bedingt durch die schwache Nachfrage und den niedrigen Ölpreis in den vergangenen Monaten sogar in den negativen Bereich gerutscht ist, sorgte in Österreich die Überwälzung von Kosten unter anderem für Hygienemaßnahmen sowie die Nicht‐Weitergabe von steuerlichen Vorteilen für eine deutlich höhere Inflation. In den ersten neun Monaten betrug die Teuerung im Euroraum durchschnittlich nur 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, in Österreich dagegen 1,5 Prozent. Das Inflationsdifferential ist fast ausschließlich auf die Entwicklung der Dienstleistungspreise zurückzuführen und zeigt sich besonders stark in den Sparten Wohnen aufgrund von höheren Miet‐ und Strompreisanstiegen, Freizeit und Kultur sowie der Beherbergung und Gastronomie. „2020 erwarten wir eine durchschnittliche Inflation in Österreich von 1,4 Prozent, die damit um mehr als einen Prozentpunkt über der Teuerung im Euroraum von 0,3 Prozent liegen wird. Damit wird die Inflation in Österreich das 12. Jahr in Folge über dem europäischen Wert liegen. Seit 2008 hat sich das Inflationsdifferential auf insgesamt 6,5 Prozentpunkte aufsummiert. Dieser relative Kaufkraftverlust hat in den vergangenen Jahren die Entwicklung des privaten Konsums in Österreich gedämpft und birgt die Gefahr, dass die heimische Wirtschaft bei der Erholung aus der Coronakrise in Europa ins Hintertreffen geraten könnte“, so Bruckbauer abschließend. 

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