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‚Banken müssen der beste Dirigent sein‘

ForumF-Herausgeber Peter Neubauer, CEO PforCards GmbH, Ellis Mannoia, Programmleiter Open Banking Erste Group Bank AG, Dr. Christian Wolf, Head of Group Transformation Raiffeisen Bank International AG: „Das Bankengeschäft ist ein Beziehungsgeschäft und basiert auf dem Vertrauen der Kunden. Deshalb muss die Bank sichtbar sein ...
© Alexandra Windisch

ForumF-Herausgeber Peter Neubauer, CEO PforCards GmbH, Ellis Mannoia, Programmleiter Open Banking Erste Group Bank AG, Dr. Christian Wolf, Head of Group Transformation Raiffeisen Bank International AG: „Das Bankengeschäft ist ein Beziehungsgeschäft und basiert auf dem Vertrauen der Kunden. Deshalb muss die Bank sichtbar sein ..."

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Seminarveranstalter imh diskutierte über Open Banking unter den Rahmenbedingungen der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2: Im neuen, offenen Szenario müssen Banken Kooperationen mit FinTechs und Startups eingehen, müssen jedoch „nicht die beste Geige spielen können oder die beste Trommel schlagen. Sie müssen der beste Dirigent sein – Ein Dirigent für die Bedürfnisse der Kunden.“

Das Bild von der „traditionellen“ Bank als Dirigent in der neuen Payment‐Welt der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 malte in einem mit Herzblut, appellativ vorgetragenen Analyse Axel Liebetrau, „Futurist + Innovator“ (Selbstdefinition) und Co‐Gründer der BankingInnovationGroup BIG. Seine Analyse ist bestechend einfach naheliegend: Technologien sind der Game‐Changer, nicht die vielzitierte „GAFA“ (Google, Apple, Facebook und Amazon). Also den Blick weiten über Einzelereignisse zum Großen Ganzen, denn, ist sich der Futurist überzeugt: „Banken sind ja eigentlich richtig geile Tech‐Unternehmen!“ Sie sitzen im Zentrum des Ökosystems Kunde – ob privat oder Unternehmen – und dessen vielfältigen Bedürfnissen, von Lifestyle über Wohnen und Mobilität über Finanzen & Versicherungen bis zu Business Services. Am – Liebetrau räumt ein, „nicht ganz mit unseren europäischen Vorstellung vereinbar“ – der chinesischen Plattform xinkaishi für werdende und junge Familien (buchstäblich alles rund ums Kind) demonstriert Liebtrau, was alles denkbar (und machbar) ist, wenn sich, um im Bild zu bleiben, der Dirigent im Zentrum eines Ökosystems als „Datenstaubsauger“ positioniert. Liebetrau: Sammeln Sie alles, auch was heute beispielsweise in der Blockchain noch verschlüsselt ist. Sie werden diese Daten auswerten können und müssen, sie werden daraus ihre Visionen ableiten können!“ Und wer Visionen entwickeln will, muss ins Risiko gehen, Liebtrau nennt das „Risikotransformation“: Wenn er in den 1920er Jahren seine Kunden gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie ‚ein schnelleres Pferd‘ geantwortet, wird Auto‐ und Fliessbandpionier Henry Ford zitiert – das Ergebnis ist bekannt. Provokante Frage an die gut drei Dutzend Experten beim imh‐Seminar „Open Banking2 am 3. Dezember im Trend Austria Hotel am Wiener Rennweg: „Welche Idee würdest Du heute umsetzen, wenn du keine Angst hättest?“

Was die ZaDIG 2018 (Zahlungsdiensterichtlinie) bedeutet und warum die neue, dreistufige Kundenauthentifizierung eingeführt wurde diskutierten Dr. Georg Tuder, Anna Muri und Mag. Philipp Großfurtner von der Finanzmarktaufsicht FMA: Neue Drittanbieter als „Zahlungsauslösedienstleister“, Kontoinformationsdienstleister und schließlich Anbieter von Zahlungsdiensten gelte es in der PSD2 mit den traditionellen Banken in ein einheitliches Wettbewerbssystem zu bringen, freilich derzeit noch geprägt durch US‐amerikanische Anbieter (Stichwort GAFA) aber auch neue europäische Anbietern wie etwa N24. Tuder unterstreicht, dass die Paneuropäische Zahlungsysteminitiative („Pan European Payment System Initiative“ (kurz PEPSI) als gemeinsames einheitliches Zahlungssystem der Banken die Fragmentierung der Märkte und Systeme auf den Datenschutzlevel der Europäer darstellen könnte. Zum Stichwort Datenschutz und Authentifizierung trägt ein Teilnehmer bei: Seit Einführung der dreistufigen Authentifizierung im heurigen Herbst habe sich die Anzahl der Geschädigten durch Phishing‐Attacken vervielfacht … .

Allerdings: Paneuropäische Plattformen für Zahlungsdienste und dazugehörigen Ökosystemen wie etwa die Integration von öffentlichen Verkehrsdienstleistern Kultur‐ und Tourismusveranstaltern, gibt es bereits, die ursprünglich in Italien mit Sitz in Mailand gegründete SIA ist so ein für Banken (in Österreich für Bank Austria, PayLife, easybank, PSA Payment Services Austria, hobex Payment Systems und FirstData tätig): Allein am Beispiel der Kombination von Tickets im öffentlichen Verkehr und etwa Kultur‐ und Sportangeboten demonstrieren Mag. Christina Astore und Jean‐Philippe Joliveau, beide Sales Directors der SIA S.p.A., wie eine Plattform den Zahlungsverkehr unterschiedlicher Anbieter zusammenführen und für den Kunden via Bonus attraktiv machen kann.

In einer abschließenden Diskussionsrunde – souverän wie schon die gesamte imh-Konferenz Open Banking von Jean‐Yves Jacquelin (Erste Bank der österreichischen Sparkassen AG) moderiert – diskutierten Ellis Mannoia, Programmleiter Open Banking Erste Group Bank AG, Dr. Christian Wolf, Head of Group Transformation Raiffeisen Bank International AG und ForumF‐Herausgeber Peter Neubauer, CEO PforCards GmbH (die Landesgesellschaft des technischen Infrastrukturdienstleisters SIA) das sich abzeichnende „Open Banking Ökosystem“: Die größten Auswirkungen, berichtet Wolf, habe die open Banking‐Welt auf die Institute und ihr Selbstverständnis: „Wir stehen permanent vor strategischen Entscheidungen: Was wollen und können wir selber betreiben und welche Dienste überlassen wir digitalen Plattformen, immer unter dem Aspekt der kritischen Größe“ (für die RBI hatte zuvor Mag. Christina de Cillia das RBI Elevator Lab, gegründet 2017, als Kooperationsplattform zwischen der Bank und FinTechs vorgestellt); Mannoia berichtete für die Erste Group, dass deren Ansatz ist, „in die Customer Journey integriert zu sein“. Bei allen Aktivitäten im open Banking‐Segement stehe jedoch der „prosperity advice“ als „gelebtes Prinzip“ im Vordergrund.

Es blieb Peter Neubauer vorbehalten, vor Euphorie zu warnen: „Das Bankengeschäft ist ein Beziehungsgeschäft und basiert auf dem Vertrauen der Kunden. Deshalb muss die Bank sichtbar sein, unter diesem Aspekt beispielweise verstehe ich Kooperationen wie etwa mit Apple Pay eigentlich nicht… !“ Da ist es wieder, das Bild der Bank als Dirigent.

Den imh‐Rückblich zum Spezialtag „Open Banking” siehe bitte hier.

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