Blockpit-Umfrage: Jeder vierte Kryptoanleger überlegt Steuersitz zu verlegen

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Florian Wimmer, CEO und einer der fünf Gründer von Blockpit

Weitere Umfrage-Ergebnisse sind, dass nur ein Drittel der Befragten mit den Vorgaben des Finanzministeriums bezüglich der Besteuerung von Kryptoassets zufrieden ist. Weniger als die Hälfte hält die neuen Regelungen für gerecht.

Blockpit, der österreichische Experte für rechtskonforme Steuerberichte und Compliance-Lösungen für Kryptoassets, befragte seine KundInnen im DACH-Raum – allesamt Anleger in Kryptoassets – zur weiteren Entwicklung von Bitcoin und Co. Die Mehrheit der UmfrageteilnehmerInnen sieht weiterhin einen positiven Trend auf dem Kryptomarkt und plant auch im Jahr 2022 weiter in Kryptoassets zu investieren. Allerdings zeigen sich die KryptoinvestorInnen unzufrieden mit den steuerrechtlichen Rahmenbedingungen, so der Tenor der Umfrage. 

„Die zunehmende Akzeptanz in der Bevölkerung und auch der Einstieg von institutionellen Investoren zeigt, dass sich das Kryptoökosystem sowie die dazugehörige Regulierung in den letzten Jahren rasant entwickelt haben. Vor allem der Bereich Decentralized Finance oder auch der Siegeszug von NFTs bestätigen diesen positiven Trend, jedoch besteht immer noch Aufholbedarf. Besonders darin, die Steuergesetze an die möglichen technischen Potentiale anzupassen“, sagt Florian Wimmer, Geschäftsführer und Gründer von Blockpit.

Unzufriedenheit bei steuerrechtlichen Vorgaben

Laut der Umfrage von Blockpit hat bereits jede vierte befragte Person mit dem Gedanken gespielt, seinen Steuersitz zu verlegen. Nur ein Drittel der österreichischen UmfrageteilnehmerInnen (27,7 Prozent) gaben an, mit den Vorgaben des Finanzministeriums bezüglich der Besteuerung von Kryptoassets zufrieden zu sein. Weniger als die Hälfte der Befragten denkt, dass die aktuellen Regelungen verständlich (45,7 Prozent) oder nachvollziehbar (39,4 Prozent) seien und nur 27,6 Prozent sehen sie als gerecht an. Als Hauptkritikpunkt wurde von zwei Drittel (67,5 Prozent) angegeben, dass die Steuergesetze den neuen Bedürfnissen von Kryptoassets angepasst werden müssen. Dazu passend wünscht sich die Mehrheit der Kryptoanleger (69,9 Prozent) eine europaweit einheitliche Regelung: „Eine gemeinschaftliche Regelung bei den steuerrechtlichen Vorgaben für digitale Assets würde mehr Fairness und Transparenz bei der Besteuerung gewährleisten”, so Wimmer.

Die kommende Ökosoziale Steuerreform 2022 bewertet etwas mehr als die Hälfte (55,3 Prozent) dennoch als positiv, insbesondere wegen der Gleichstellung von einigen Kryptoassets mit klassischen Finanzinstrumenten. Die neue Reform tritt mit 1. März 2022 in Kraft und ermöglicht erstmals die Gegenverrechnung von Gewinnen und Verlusten mit anderen Kapitalmarkt-Assets, wie zum Beispiel Aktien. Zudem kommt fortan ein einheitlicher Steuersatz von 27,5 Prozent zur Anwendung. Eine freiwillige Optierung in die neuen Regelungen ist bereits mit 1. Januar 2022 möglich. Insgesamt halten 41,3 Prozent den Vorstoß des Finanzministeriums für lange überfällig.

Große Zuversicht und abflachende Bitcoin-Dominanz

Trotz allem Missmut über die steuerrechtlichen Vorgaben sind die Investoren positiv gestimmt, was die Entwicklung des Marktes angeht. Obwohl die weltweit bekannteste Kryptowährung Bitcoin nach dem Allzeithoch von 65.000 US-Dollar im vergangenen November (derzeit bei 37.500 US-Dollar pro Bitcoin) vor kurzem eine Korrektur erfahren musste, wollen die in Österreich, Deutschland und der Schweiz befragten TeilnehmerInnen im kommenden Jahr dennoch weiter in Kryptowährungen investieren. 97,3 Prozent antworteten mit einem klaren „Ja” nach geplanten Krypto Investments in 2022 und 86,1 Prozent erwarten einen weiteren Aufschwung des Kryptomarktes. Auch hat bereits jede fünfte befragte Person im vergangenen Jahr in NFTs investiert.

Die Motive für die Investitionen sind vielfältig. Die Investoren sehen in digitalen Assets „die Zukunft der Finanzen“, wollen sich „aus Interesse” mit der disruptiven Technologie befassen (54,5 Prozent), nutzen es zur Diversifikation des eigenen Portfolios oder sehen die Investitionen als „Schutz gegen die Inflation”. Insgesamt gehen 76,3 Prozent davon aus, dass in 2022 die sogenannten „Altcoins“ zulegen werden, wohingegen nur 34,4 Prozent an die weitere Bitcoin-Dominanz glauben (im Vorjahr: 74,5 Prozent). Neben Investitionen in den Spitzenreiter Bitcoin (55,3 Prozent), gaben die Krypto Investoren an, auch in Kryptoassets aus dem Decentralized Finance, wie in Cardano (41,0 Prozent), Solana (35,7 Prozent) oder Ethereum und darauf basierende Layer 2 Lösungen (54,3 Prozent) investieren zu wollen. Bei den klassischen Anlageformen plant die Mehrheit der UmfrageteilnehmerInnen (51,8 Prozent) Investitionen in Aktien, weit vor Investitionen in Immobilien (15,1 Prozent). Dem positiven Trend entsprechend planen 64,7 Prozent den Anteil an Kryptoassets in ihren Portfolios insgesamt zu erhöhen.

Als langfristige Investition geplant

Etwa jeder zweite befragte Investor (51,7 Prozent) investiert seit dem Jahr 2017 oder 2018 in Kryptowährungen. Der Boom des vergangenen Jahres spiegelt sich aber auch in den Daten wider. So gaben mehr als ein Drittel aller UmfrageteilnehmerInnen an, erst im vergangenen Jahr ihr erstes Investment in Kryptoassets getätigt zu haben. Die angegebenen Portfoliogrößen variieren aufgrund der zahlreichen NeueinsteigerInnen stark. Während die Kryptoportfolios von Neuinvestoren (Einstieg 2020 oder 2021) im Durchschnitt zwischen 5.000 bis 10.000 Euro groß sind, geben Frühinvestoren an, bereits über einen Gegenwert von 20.000 bis 35.000 Euro in digitalen Assets zu verfügen. Das abgefragte Investitionsverhalten lässt auf eine langfristige Strategie deuten. 53,7 Prozent gaben an, ihre Coins länger als ein Jahr in ihrem Portfolio zu behalten und 36,1 Prozent geben sich mit nur einigen wenigen Trades pro Jahr zufrieden. Insgesamt zeigt sich, dass sich der Anteil an Kryptoassets an den Gesamtinvestitionen immer gleichmäßiger verteilt. Im Schnitt investieren sie rund 20 Prozent ihres Nettoeinkommens in Finanzprodukte, wovon 46,4 Prozent in digitalen Assets angelegt werden.

Typischer Kryptobesitzer: Männlich, gebildet und um die 39 Jahre alt

Männer waren bei der Umfrage mit 93 Prozent stark überrepräsentiert und sind durchschnittlich 39 Jahre alt (Frauen: 43 Jahre). Obwohl vorrangig Universitätsabsolventen und Studierende (62,2 Prozent) in Kryptowährungen investiert sind, scheint die Möglichkeit für ein passives Einkommen nun auch bei der breiten Masse angekommen zu sein. Laut der Daten interessieren sich immer mehr Personen mit einer abgeschlossenen Ausbildung für Kryptoassets (24,3 Prozent). Auch die angegebenen Nettoeinkommen der Befragten lassen keine Schlüsse auf ein Investmentprodukt „nur für Superreiche“ schließen: nur 20 Prozent der Befragten verfügen laut der Umfrage über mehr als 65.000 Euro netto pro Jahr. Die Mehrheit der KryptobesitzerInnen verfügt im Haushalt über ein Einkommen zwischen 25.000 und 45.000 Euro netto jährlich. Insgesamt 76,5 Prozent sind angestellt und 14,2 Prozent gaben eine selbstständige Tätigkeit an.

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