Chancenreich Österreich: Ideenlos in die Zukunft

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Bis zum Jahr 2040 soll sich Österreich in die Top-10 der Wirtschaftsstandorte „hinaufwurschteln“. Wie das konkret funktionieren soll, bleibt ein großes Rätsel. Bis auf die Verkündung des Startschusses der Nachdenkpause wird nicht viel übrig bleiben.

Unter dem Motto „Chancenreich Österreich“ hat die Bundesregierung am Dienstag die Standortstrategie 2040 angekündigt. Insgesamt sieben Kernthemen stehen dabei im Fokus: Die Digitalisierung der industriellen Produktion, Technologieführerschaft in einzelnen Bereichen der Industrie, der Ausbau von digitalen und Service‐Geschäftsmodellen, die Energie‐ und Mobilitätswende, Green Tech & Green Materials, Life Science & Biotech sowie Lebensqualität, Kreativität und Kunst. So soll Österreich vom Hidden Champion in die Champions League geführt werden.

Eigentlich keine schlechte Idee. Das Problem ist nur, dass diese Kernthemen nicht erst seit der Ankündigung echte Zukunftsthemen sind. Wer sich aber im Jahr 2021 von Pressekonferenz zu Eröffnungstermin hetzt und dabei dreimal laut „Digitalisierung“ schreit, hat grundsätzlich etwas falsch verstanden. Statt konkreten Maßnahmen mit Vision (die ja auch schon bei der Projekteinreichung für den EU‐Wiederaufbaufonds fehlen) wird erst einmal nachgedacht und evaluiert. Erste Zwischenergebnisse sollen dann im Herbst beim Forum Alpbach präsentiert werden. Dann jährt sich auch zum achten Mal der Sager von Ex‐Wirtschaftskammerpräsident Leitl, dass der Wirtschaftsstandort Österreich „abgesandelt“ sei.

Wie soll bis 2040 Österreich führend bei der Energie‐ und Mobilitätswende sein, wenn der Ausstieg aus Gas, Kohle und Öl erst bis dann erfolgen soll? Das Kaufhaus Österreich eignet sich auch nicht als gutes Beispiel für Digitalisierung und Service‐Geschäftsmodelle. Glücklicherweise steht „das digitalste Speckwerk der Welt“ in Tirol. Nichts gegen Fleisch‐ und Wurstfabrikanten, aber ist das wirklich das geeignetste Role Model in Sachen Digitalisierung? Und Fragen Sie einmal Kulturschaffende und Kreativköpfe in ihrer aktuellen Lage, was sie von „Chancenreich Österreich“ halten.

Die Regierung wäre gut beraten, sich auf das Jetzt zu konzentrieren anstelle auf das Jahr 2040. Die zahlreichen Hidden Champions der heimischen Wirtschaft haben es auch bisher ohne gut gemeint Sager und Zutun geschafft. Alle anderen haben halt Pech gehabt, weil außer einer mutlosen Ankündigung wird nicht viel bleiben. Die Ankündigungschampions werden dann schon längst aus der aktiven Politik ausgeschieden und mit einem Posten versorgt sein. Und die Wirtschaft? Die wird – wie die vergangenen 20 Jahre – vor sich hindümpeln und von längst vergangenen Erfolgen zehren.

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