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Christian Berger, Finnoconsult: „2020 hatte laut Finnoscore das Online-Onboarding den größten Stellenwert für Banken.“

© Finnoconsult

Christian Berger, Founder und CEO von Finnoconsult

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Im Interview mit ForumF erklärt Christian Berger das von Finnoconsult gegründete unabhängige Bankenvergleichstool Finnoscore, gibt Einblicke in die Ergebnisse des vergangenen Jahres und wie es aktuell um das digitale Angebot der Banken in Österreich steht.

ForumF: Herr Berger, Finnoconsult gibt es bereits seit 2015. Wie kam es zu der Idee von Finnoconsult bzw. der Gründung?

Christian Berger: Das Gründungsteam unserer Firma war für einige Jahre in Großbanken tätig (UniCredit und Erste Group) und dort mit dem Schwerpunkt auf digitalen Entwicklungen, unter anderem waren wir auch an der Entwicklung von myGeorge maßgeblich beteiligt. Mit den gesammelten Erfahrungen haben wir uns dann 2015 selbständig gemacht, um vielen weiteren Banken bei den Herausforderungen der digitalen Transformation helfen zu können.

ForumF: Welchen Benefit bringt Finnoconsult und für wen?

Berger: Wir sind insbesondere dann gefragt, wenn es darum geht, wirklich innovative und differenzierende Lösungen zu schaffen, mit dem Ziel Marktanteile zurück zu gewinnen oder neu zu erobern – wir konzentrieren uns mit unseren Unterstützungsleistungen vor allem auf etablierte Banken und Versicherungen, welche durch FinTechs und InsureTechs zunehmend unter Druck kommen.

ForumF: Als Beratungsunternehmen entwickelte Finnoconsult das unabhängige Bankenvergleichstool Finnoscore. Können Sie dessen Funktion bzw. Nutzen in wenigen Worten erklären?

Berger: Der Finnoscore ist eine völlig objektive Bewertung der digitalen Leistungsfähigkeit von über 200 Banken in Europa und Nordamerika. Völlig objektiv deswegen, weil wir keine Manager oder Experten fragen müssen, sondern weil wir jede Bank anhand von öffentlich verfügbare Informationen und mittels 300 Bewertungskriterien beurteilen. Wir investieren hier pro Bank ca. 15 Stunden Research-Aufwand pro Jahr und können damit jeder Bank eine ad hoc Standortbestimmung sowie detaillierte Insights zu den Best Practices von 200 anderen Banken liefern.

ForumF: Was sind ihrer Meinung nach die zentralen Ergebnisse und erkennbaren Trends des Finnoscore 2020? 

Berger: Die Analyse für 2020 hat unter anderem ergeben, dass diesmal die Weiterentwicklung des Online-Onboardings eine sehr hohe Priorität für Banken hatte. Treibender Faktor dürfte hier vor allem die Corona-Pandemie gewesen sein, denn Kontaktbeschränkungen und Lockdowns führten dazu, dass die Kunden vermehrt die digitalen Services der Banken nutzten. Bei der Untersuchung hat sich auch gezeigt, dass andere digitale Inhalte vernachlässigt wurden. So sei etwa die Homepage nur bei 24 Prozent der Banken auf Neukundengewinnung ausgelegt, obwohl sehr viele Banken kommunizieren, dass sie in der Kundenakquisition stärker werden wollen. Zudem verpassen viele Banken die Chance, digitale Innovationen für ihre Kunden prominenter sichtbar zu machen – oftmals trotz Investitionen in diesem Bereich. Nur rund 17 Prozent der untersuchten Kreditinstitute weisen hier eine zufriedenstellende Transparenz und aktive Kommunikation der Neuerungen dem Kunden gegenüber auf.

ForumF: Der von Ihnen entwickelte Finnoscore analysiert digitale Services und Produkte der Banken sehr detailliert. Wie viele Kategorien haben Sie dafür vorgesehen und wie sehen diese Kategorien konkret aus?

Berger: Wir gliedern unsere Bewertungen in zwölf unterschiedliche Kategorien und versuchen hier einen möglichst holistischen Blick auf die digitale Leistungsfähigkeit von Banken zu liefern, vom Online Marketing über den Online-Produktabschluss bis zum täglichen Handling im Mobile und Online Banking.

ForumF: Wie viele Banken analysieren Sie mittels dem Finnoscore und aus wie vielen Ländern?

Berger: Aktuell haben wir 213 Banken aus 26 Ländern in unserem Analyseset, im Jahr 2021 kommen hier noch ca. 60 Versicherungen in Europa mit einer ähnlichen Methodik dazu, damit wir das gleiche Benchmarking-Service auch Versicherungsunternehmen anbieten können.

ForumF: Wer sind ihrer Meinung nach die Top-Performer dieser zwölf Kategorien und welche Länder haben laut Finnoscore die Nase vorne im Bankenvergleich?

Berger: Die Top 3 im Gesamtranking waren im diesjährigen Ranking die polnische PKO, die slowakische Slovenska Sporitelna sowie die Starling Bank aus UK – bei diesen Banken zeigt sich im Vergleich zu den Mitbewerbern ein sehr ausgeglichenes und sehr performantes Profil, von diesen Banken können sich viele andere einiges an Best Practices abschauen.

ForumF: Wie sind Österreichs Banken im Vergleich zu anderen EU-Ländern, aber auch weltweit laut Finnoscore aufgestellt?

Berger: Man muss offen sagen, dass die österreichischen Banken hier im internationalen Vergleich im Mittelfeld liegen. Es gibt zwar einige Banken in Österreich, die auch international in einigen Kategorien durchaus mithalten können, bei vielen Banken hierzulande gibt es aber in vielen Kategorien deutlichen Aufholbedarf.

ForumF: Gibt es ein Bankeninstitut in Österreich, das besonders heraussticht?

Berger: Die Raiffeisengruppe hat in den vergangenen Jahren einiges richtig gemacht, man hat den Vorsprung, welchen sich die Erste Bank mit George bis 2015 erarbeitet hatte, mittlerweile egalisiert. Dies nicht nur weil man im Online und Mobile Banking de facto ein sehr idente Lösung anbietet, sondern vor allem auch, weil man in anderen Bereichen wie beispielsweise Online Marketing mittlerweile die Nase vorne hat.

ForumF: Welches Ergebnis im aktuellen Finnoscore überraschte Sie persönlich am meisten?

Berger: Ergebnisse überraschen uns nach fünf Jahren der Analyse-Durchführung kaum mehr, wir kennen die Institute alle sehr gut und kennen deren Leistungsfähigkeit. Überraschend finde ich eher die Reaktionen – während Top Performer sich sehr intensiv mit ihren Ratings auseinandersetzen, weil sie sich weiter verbessern wollen, reagieren die Low Performer – insbesondere auch in Österreich – sehr verhalten. Hier hat man den Eindruck, als ob es manchen Bankvorständen egal ist, dass sie sukzessive den Anschluss verlieren.

Den vollständigen Report zum Nachlesen finden Sie hier.

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