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Digital First: Das Privatkundenbanking erfindet sich neu

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Alexander Pratz, Partner bei Strategy& Deutschland

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Europäische Privatkundenbanken kämpfen mit bis zu 40 Prozent Gewinnverlust. Rückgang des durchschnittlichen Umsatzes von 4 Prozent im Vorjahresvergleich. Gewinn pro Kunde: Schweiz mit 444 Euro an der Spitze, Österreich mit 208 Euro im Mittelfeld.

Das Pandemiejahr 2020 hinterlässt bei europäischen Privatkundenbanken deutliche Spuren. Weniger internationale Transaktionen und Kreditkartenzahlungen sowie ein geringeres Volumen bei der Konsumentenfinanzierung führten 2020 zu einem durchschnittlichen Umsatzrückgang von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im gleichen Zeitraum verzeichneten europäische Geldinstitute auch eine erhebliche Abnahme des operativen Gewinns. Bei einem Viertel der untersuchten Privatkundenbanken brach dieser 2020 um 40 Prozent im Vorjahresvergleich ein. Im Gesamtdurchschnitt fiel der Profit um 8 Prozent von 210 (2019) auf 193 Euro pro Kunde. Mit 444 Euro Gewinn pro Kunde ist die Schweiz 2020 im europäischen Vergleich unangefochtener Spitzenreiter. Österreichische Banken befinden sich mit 208 Euro dagegen nur im Mittelfeld, wie der aktuelle „Retail Banking Monitor 2021“ von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, zeigt. In die Analyse wurden rund 50 Privatkundenbanken und Bankengruppen in Europa einbezogen – sowie Nordamerika und Australien als Vergleichsgrößen – mit insgesamt 690 Millionen Kunden sowie geschätzten Privatkundeneinlagen und Kreditvolumina in Höhe von 18 Billionen Euro.

Die wirtschaftlichen Folgen der Covid‐19‐Pandemie haben den bestehenden Kostendruck noch einmal verschärft und führen zu immer weitreichenderen Sparmaßnahmen: Angesichts fallender Umsätze senkten Privatkundenbanken in Europa mit Ausnahme von Österreich, Belgien und der Schweiz die operativen Kosten pro Kunde im Jahr 2020 um etwa 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Deutsche Banken weisen hingegen eine überwiegend unveränderte Kostenstruktur auf. Aktuell zeigen weitgehend eingeleitete Kostenprogramme noch keine wesentlich positiven Auswirkungen auf die Bilanzen. Im Gegenteil: Da fallende Einnahmen nicht durch eine Kostenreduktion kompensiert werden konnten, stieg das Aufwand‐Ertrags‐Verhältnis (cost‐to‐income ratio, CIR) für drei Viertel der untersuchten Banken. Besonders Institute in Österreich, Deutschland, Belgien, Frankreich und Italien kämpften 2020 mit einem hohen Aufwand‐Ertrags‐Verhältnis.

Radikaler Rückbau des Filialnetzes

Zukünftig werden europäische Privatkundenbanken ihre Kostensenkungen nicht nur fortsetzen, sondern möglicherweise sogar beschleunigen müssen. Die Transformation der Branche wird vor allem im Filialnetz sichtbar. Von 2016 bis 2019 verringerten sich die Geschäftsstellen um je 4 Prozent pro Jahr, von 2019 auf 2020 um weitere 5 Prozent. Lockdowns in ganz Europa zeigten, dass die Betriebsmodelle der Banken mit deutlich reduzierten physischen Vertriebskanälen realisierbar sind. Weitere Schließungen von Niederlassungen stehen daher im Raum – bis zu 40 Prozent des aktuellen Filialnetzes könnten bis 2023 verschwinden. Gleichzeitig sind aber auch digitale Investitionen geplant, um die Kosten durch Automatisierung zu senken und gleichzeitig das Kundenerlebnis zu verbessern.

„Im Bankmodell der Zukunft wird die Kundenansprache umgekehrt: Anstatt durch die besten Standorte möglichst viele Kunden in die Filialen zu locken, werden zukünftig durch gezieltes Online‐Marketing Kundenkontakte gewonnen. Diese müssen dann mithilfe einer dezentralen Kundenansprache konsequent in Verkaufsabschlüsse umgewandelt werden – wie es bereits Baufinanzierungsvermittler erfolgreich tun“, kommentiert Andreas Pratz, Partner bei Strategy& und Autor der Studie.

Covid‐19‐Pandemie: Neue Möglichkeiten für Umsatzausbau

Bedingt durch die Folgen der Covid‐19‐Pandemie ergeben sich für europäische Retailbanken jedoch auch neue Möglichkeiten für den Umsatzausbau. Ein Rückgang der Konsumausgaben während der Pandemie ließ 2020 die Einlagen um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen. Für Geldinstitute wird es daher immer wichtiger, diese Einlagen zu monetarisieren. Haupthebel der Privatkundenbanken sind dabei die Weitergabe von Negativzinsen sowie der Ausbau von Investitionsmöglichkeiten für Kunden.

„Im Ringen um Marktanteile und Kundenvolumina werden sich die Geschäftsmodelle von Filial‐ und Direktbanken zunehmend ähnlicher. Traditionelle Banken sollten ihre Filialen als zentrale Anlaufstelle in ein digitalisiertes Vertriebsmodell einbetten, um nicht vom Wettbewerb der Direkt‐ und Neobanken abgehängt zu werden. Diese sind hingegen gefragt, ihr Angebot an profitablen und individualisierten Dienstleistungen weiter auszubauen, anstatt nur auf grenzenloses Kundenwachstum zu setzen“, schließt Hendrik Bremer, Partner bei Strategy& Österreich.

Die vollständigen Ergebnisse des „Retail Banking Monitor 2021“ finden Sie unter: https://www.strategyand.pwc.com/at/retail-banking-monitor-2021.html

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