Erste Bank: Performance bleibt im dritten Quartal trotz Pandemie stabil

Haupteingang des Erste Campus
© Erste Bank/Christian Wind
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Am 2. November 2020 wurde der Erste Bank Finanzbericht für das dritte Quartal wurde veröffentlicht und die Ergebnisse sind positiv – trotz Covid-19-Pandemie. Der Ausblick für 2021 ist allerdings immer noch wage.

Stefan Dörfler, CFO der Erste Group, kommentiert die Ergebnisse folgendermaßen: „Auch im Umfeld dieser beispiellosen Krise, bleibt die Rentabilität der Erste Group solide. Für die ersten neun Monate des Jahres 2020 haben wir einen Nettogewinn von 637 Millionen Euro erwirtschaftet, wobei das dritte Quartal sehr stark war. Die Betriebserträge gingen im Jahresvergleich lediglich um zwei Prozent zurück, die Rückstellungen für Kreditausfälle beliefen sich auf 70 Basispunkte und die anhaltende Kostendisziplin führte zu geringeren Aufwendungen im Jahresvergleich. Diese Ergebnisse sprechen für die Stärke unseres Geschäftsmodells, unserer Kapitalposition und auch für die Widerstandsfähigkeit der Volkswirtschaften, in denen wir tätig sind. Die ökonomischen Aussichten für 2021 werden vom Verlauf der Covid‐19‐Pandemie ab: Unser Anspruch bleibt es in jedem Fall, unsere Kunden in der Krise zu unterstützen und für unsere Aktionäre gute Ergebnisse zu erwirtschaften.” 

Zinsüberschuss steigt, Kosten sinken

Der Zinsüberschuss stieg auf 3.589,3 Millionen Euro (+2,0 Prozent; 3.517,4 Millionen Euro). Der Provisionsüberschuss verringerte sich auf 1.448,3 Millionen Euro (-2,4 Prozent; 1.484,3 Millionen Euro). Die Rückgänge bei den Zahlungsverkehrsdienstleistungen (17 Millionen Euro davon in Zusammenhang mit der SEPA‐Zahlungsdiensterichtlinie) und im Kreditgeschäft konnten durch Anstiege bei den übrigen Provisionskategorien nicht zur Gänze kompensiert werden. Während sich das Handelsergebnis auf 9 Millionen Euro (419,3 Millionen) deutlich verringerte, verbesserte sich die Position Gewinne/Verluste aus Finanzinstrumenten, erfolgswirksam zum Fair‐Value bilanziert auf 81,4 Millionen Euro (-189,4 Millionen Euro), die Entwicklung beider Positionen war getrieben durch Bewertungseffekte aufgrund gestiegener Marktzinsschwankungen infolge der Covid‐19‐Pandemie. Die Betriebserträge reduzierten sich auf 5.285,8 Millionen Euro (-2,0 Prozent; 5.394,1 Millionen Euro). Der Verwaltungsaufwand sank auf 3.123,2 Millionen Euro (-1,2 Prozent; 3.160,8 Millionen Euro), höheren Personalaufwendungen von 1.902,2 Millionen Euro (+ 0,8 Prozent; 1.887,2 Millionen Euro) standen rückläufige Sachaufwendungen in Höhe von 819,0 Millionen Euro (-6,9 Prozent; 879,3 Millionen Euro) gegenüber. In den Sachaufwendungen wurden bereits fast gänzlich die für 2020 erwarteten Aufwendungen für Beiträge in Einlagensicherungssysteme in Höhe von 100,3 Millionen Euro (97,7 Millionen Euro) verbucht. Die Abschreibungen beliefen sich auf 402,0 Millionen Euro (394,4 Millionen Euro). Insgesamt ging das Betriebsergebnis auf 2.162,7 Millionen Euro (-3,2 Prozent; 2.233,3 Millionen Euro) zurück, die Kosten‐Ertrags‐Relation stieg auf 59,1 Prozent (58,6 Prozent).

Risikovorsorgen spiegeln Grad der Wirtschaftskrise wider

Das Ergebnis aus Wertminderungen von Finanzinstrumenten belief sich aufgrund von Nettodotierungen auf ‑870,1 Millionen Euro bzw. auf 70 Basispunkte des durchschnittlichen Bruttokundenkreditbestands (Nettoauflösungen 42,9 Millionen Euro bzw. ‑4 Basispunkte). Dotierungen von Wertberichtigungen sowohl für Kredite und Darlehen als auch für Kreditzusagen und Finanzgarantien erhöhten sich in allen Kernmärkten. Der deutliche Anstieg der Dotierungen von Wertberichtigungen ist vor allem auf die Berücksichtigung der Verschlechterung der makroökonomischen Aussichten aufgrund von Corona zurückzuführen. Positiv wirkten sich dagegen hohe Eingänge aus abgeschriebenen Forderungen in Rumänien aus. Die Non‐Performing‐Loan‐Quote (NPL) bezogen auf Bruttokundenkredite verbesserte sich auf 2,4 Prozent (2,5 Prozent). Die NPL‐Deckungsquote stieg auf 95,5 Prozent (77,1 Prozent).

Gestiegene Risikokosten belasten Nettoergebnis

Der sonstige betriebliche Erfolg verbesserte sich auf ‑213,6 Millionen Euro (-397,2 Millionen Euro). Die im sonstigen betrieblichen Erfolg erfassten Aufwendungen für jährliche Beitragszahlungen in Abwicklungsfonds stiegen – insbesondere in Österreich – auf 93,7 Millionen Euro (75,3 Millionen Euro). Der Anstieg der Banken‐ und Transaktionssteuern auf 100,3 Millionen Euro (90,9 Millionen Euro) ist vor allem auf die im ersten Halbjahr letztmalig verbuchte Bankenabgabe in der Slowakei von 33,8 Millionen Euro (24,2 Millionen Euro) zurückzuführen. 14,4 Millionen Euro (12,6 Millionen Euro) entfielen auf die ungarische Bankensteuer für das gesamte Geschäftsjahr. In der Vergleichsperiode waren im sonstigen betrieblichen Erfolg Aufwendungen für die Bildung einer Rückstellung in Höhe von 150,8 Millionen Euro für erwartete Verluste infolge einer höchstgerichtlichen Entscheidung betreffend die Geschäftstätigkeit einer rumänischen Tochtergesellschaft enthalten.

Die Steuern vom Einkommen sanken auf 264,2 Millionen Euro (350,9 Millionen Euro). Das den Minderheiten zuzurechnende Periodenergebnis verringerte sich infolge deutlich geringerer Ergebnisbeiträge der Sparkassen auf 177,1 Millionen Euro (322,7 Millionen Euro). Das den Eigentümern des Mutterunternehmens zuzurechnende Periodenergebnis belief sich auf 637,1 Millionen Euro (-47,9 Prozent; 1.223,0 Millionen Euro).

Starke Kapitalausstattung in der Krise

Das um Additional Tier‐Kapital (AT1‐Kapital) bereinigte gesamte Eigenkapital erhöhte sich auf 19,5 Milliarden Euro (19,0 Milliarden Euro). Nach Vornahme der in der Eigenkapitalverordnung (CRR) festgelegten Abzugsposten und Filter stieg das Harte Kernkapital (CET1, final) auf 16,4 Milliarden Euro (16,3 Milliarden Euro), die gesamten regulatorischen Eigenmittel (final) stiegen auf 22,4 Milliarden Euro (22,0 Milliarden Euro). Bei der Berechnung wurde der Halbjahreszwischengewinn berücksichtigt, nicht jedoch jener des dritten Quartals. Das Gesamtrisiko (die risikogewichteten Aktiva), das Kredit‑, Markt‐ und operationelles Risiko inkludiert (CRR final), ging auf 116,1 Milliarden Euro (118,6 Milliarden Euro) zurück. Die Harte Kernkapitalquote (CET1, final) stieg auf 14,1 Prozent (13,7 Prozent), die Gesamtkapitalquote auf 19,3 Prozent (18,5 Prozent).

Die Bilanzsumme stieg auf 272,0 Milliarden Euro (245,7 Milliarden Euro). Auf der Aktivseite erhöhten sich Kassenbestand und Guthaben insbesondere in Österreich auf 27,8 Milliarden Euro (10,7 Milliarden Euro), Kredite an Banken auf 25,7 Milliarden Euro (23,1 Milliarden Euro). Die Kundenkredite stiegen auf 164,5 Milliarden Euro (+2,6 Prozent; 160,3 Milliarden Euro). Passivseitig gab es einen deutlichen Zuwachs bei den Einlagen von Kreditinstituten auf 26,4 Milliarden Euro (13,1 Milliarden Euro), bedingt durch ein höheres Refinanzierungsvolumen bei der Europäischen Zentral Bank. Die Kundeneinlagen stiegen erneut – insbesondere in Tschechien und in Österreich – auf 184,8 Milliarden Euro (+6,3 Prozent; 173,8 Milliarden Euro). Das Kredit‐Einlagen‐Verhältnis lag bei 89,0 Prozent (92,2 Prozent).

Ausblick

2020 steht weltweit im Zeichen der Covid‐19‐Pandemie. Die weitreichenden wirtschaftlichen und sozialen Einschränkungen zur Eindämmung des Corona‐Virus haben zu signifikanten wirtschaftlichen Verwerfungen geführt. Der makroökonomische Abschwung ist eine direkte Folge des von Regierungen weltweit in unterschiedlichem Ausmaß verfügten Herunterfahrens des öffentlichen Lebens. Um die teilweise dramatischen negativen Auswirkungen abzufedern, wurden in allen Staaten beträchtliche Hilfspakete beschlossen. Sie reichen von Schuldenmoratorien für Bankkredite, Garantien und Überbrückungsfinanzierungen, Kurzarbeitsprogrammen, Steuerstundungen bis zu Direktzahlungen. Zentralbanken senkten Zinsen, stellten Liquidität in noch nie da gewesenem Ausmaß zur Verfügung und beschlossen den Kauf von Staats‐ und Unternehmensanleihen. Bankregulatoren senkten Kapitalanforderungen und empfahlen, Rechnungslegungsgrundsätze pragmatisch auszulegen sowie Dividendenauszahlungen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. In diesem Umfeld wird 2020 für Österreich und Zentral‐ und Osteuropa von einem deutlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung im Ausmaß zwischen 4 und 9 Prozent ausgegangen, gefolgt von einer Erholung im Jahr 2021. Abhängig von den Entwicklungen an der Gesundheitsfront und den getroffenen administrativen Maßnahmen wird sie allerdings nicht linear ausfallen. Infolge der verringerten wirtschaftlichen Aktivität werden rückläufige Betriebseinnahmen erwartet. Konkret wird angenommen, dass der Zinsüberschuss 2020 aufgrund von deutlichen Zinssenkungen in Tschechien, einem geringeren organischen Kreditwachstum und negativen Währungseffekten stabil bleiben wird. Der Provisionsüberschuss wird voraussichtlich vor allem unter der schwächeren Konjunktur leiden. Ein Rückgang des Handels‐ und Fair Value‐Ergebnisses war angesichts der 2019 verbuchten stark positiven Bewertungsergebnisse bereits vor dem Ausbruch des Corona‐Virus zu erwarten. Die Betriebsausgaben sollten sich in diesem Umfeld, unterstützt durch rückläufige Reisekosten, Einsparungen aufgrund höherer Effizienz und positive Fremdwährungseffekte, im Vergleich zum Vorjahr verbessern. Der größte Ergebnistreiber 2020 werden die Risikokosten sein: Für das Gesamtjahr werden Vorsorgen im Ausmaß von 65 bis 80 Basispunkten des durchschnittlichen Bruttokundenkreditbestands erwartet. 

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