Erste Group: Gesunkenes Nettoergebnis spiegelt vorausschauende Risikorückstellungen wider

Bernd Spalt, CEO Erste Group
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Die Corona-Krise belastet das Halbjahresergebnis der Erste Group. Der Nettogewinn ging zurück und es mussten mehr Risikorückstellungen gebildet werden. Auch die Ausschüttung der Dividende wird ausgesetzt.

Bernd Spalt, CEO der Erste Group Bank AG, eröffnet seine Bilanz im Rahmen einer Pressekonferenz zu den Ergebnissen des erstes Halbjahres 2020 folgendermaßen: „Ich möchte allen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Österreich und der CEE‐Region für die herausragende Arbeit danken, die sie unter den schwierigen Umständen der letzten Monate geleistet haben.“ Spalter weiter: „Als eines der führenden Finanzinstitute in der Region hat die Erste Group einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Volkswirtschaften in CEE in Gang zu halten. Unter anderem haben wir als Transmissionskanal für über 16 Milliarden Euro an staatlichen Maßnahmen agiert, fast alle unsere Filialen waren über die Krise geöffnet, während unsere digitale Plattform George Höchstwerte in der Nutzung verzeichnet hat. Unser Einsatz hat den Menschen und Unternehmen in der Region geholfen, ihre finanziellen Anliegen zu bewältigen.“

Rückgang des Nettogewinns

Die Entwicklung der Risikokosten hat das Ergebnis der Erste Group in der ersten Jahreshälfte 2020 am stärksten beeinflusst: „Trotz einer weiterhin historisch niedrigen NPL‐Quote von 2,4 Prozent haben wir vorausschauend geplant, um eine zu erwartende Verschlechterung der Kreditqualität bereits zu diesem Zeitpunkt so weit wie möglich zu berücksichtigen. Wir haben in den ersten sechs Monaten des Jahres Vorsorgen in Höhe von 675 Millionen Euro gebildet. Das führte dazu, dass unser Nettogewinn für die Periode auf 294 Millionen Euro zurückging.“ Und: „Das Einlagenwachstum war mit mehr als fünf Prozent erneut stark und spiegelt das Vertrauen wider, das Kundinnen und Kunden in uns setzen. Das Kreditvolumen stieg um mehr als zwei Prozent, begünstigt durch staatliche Maßnahmen wie Kreditmoratorien und garantierte Kredite. Das deutlichste Zeichen unserer starken Verfassung: eine Kapitalisierung auf Rekordniveau, erkennbar an unserer CET1‐Quote von 14,2 Prozent. Ein Wert, der weit über der regulatorischen Mindestanforderung liegt.“

Ausblick auf das Gesamtjahr 2020

Und wie geht’s aus der Sicht von CEO Spalt weiter? Im Umfeld der weitreichenden wirtschaftlichen und sozialen Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus wird 2020 für Österreich und Zentral‐ und Osteuropa von einem deutlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung im Ausmaß zwischen 4 bis 9 Prozent ausgegangen, gefolgt von einer Erholung im Jahr 2021. Abhängig von den Entwicklungen an der Gesundheitsfront und den getroffenen administrativen Maßnahmenwird sie allerdings nicht linear ausfallen. Infolge der verringerten wirtschaftlichen Aktivität werden rückläufige Betriebseinnahmen erwartet. Konkret wird erwartet, dass der Zinsüberschuss 2020 aufgrund von deutlichen Zinssenkungen in Tschechien, Rumänien, Ungarn und Serbien, einem geringeren organischen Kreditwachstum, einer geänderten Portfoliozusammensetzung mit staatsgarantiertem Geschäft zu niedrigeren Margen und negativen Währungseffekten sinken wird. Der Provisionsüberschuss wird voraussichtlich vor allem unter der schwächeren Konjunktur leiden. Ein Rückgang des Handels‐ und Fair Value‐Ergebnisses war angesichts der 2019 verbuchten stark positiven Bewertungsergebnisse bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus zu erwarten. Die Betriebsausgaben sollten sich in diesem Umfeld, unterstützt durch rückläufige Reisekosten, Einsparungen aufgrund höherer Effizienz und positive Fremdwährungseffekte, im Vergleich zum Vorjahr verbessern. Der größte Ergebnistreiber 2020 werden die Risikokosten sein: Für das Gesamtjahr werden Vorsorgen im Ausmaß von 65 bis 80 Basispunkten des durchschnittlichen Bruttokundenkreditbestands erwartet. Der Vorstand der Erste Group ist bestrebt, auf Basis makroökonomischer Daten und Prognosen, der Entwicklung von Bonitätseinstufungen und der Beurteilung des Privatkundenportfolios ein Maximum an vertretbaren Risikokosten so rasch wie möglich zu verbuchen. Sofern es zu keinen Firmenwertabschreibungen kommt, sollte sich das sonstige Betriebsergebnis 2020 verbessern, nachdem es 2019 durch erhebliche Einmaleffekte belastet war. Die Steuerquote wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ansteigen, da die Profitabilität in Ländern mit niedrigen Steuersätzen voraussichtlich sinken wird. Insgesamt wird für 2020 ein deutlicher Rückgang des Nettogewinns erwartet, wobei Risikofaktoren für diese Prognose eine länger als erwartete Dauer der Covid‐19‐Krise, eine andere als erwartete Zinsentwicklung, gegen Banken gerichtete politische oder regulatorische Maßnahmen sowie geopolitische und weltwirtschaftliche Entwicklungen sind.

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