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FMA‐Bericht 2020: COVID‐19‐Krise verschärft die Herausforderungen durch das Niedrigzinsumfeld

Eduard Müller und Helmut Ettl, FMA-Vorstände
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Eduard Müller und Helmut Ettl, FMA-Vorstände

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Die Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) veröffentlichte am 18. Dezember den „Bericht der FMA 2020 zur Lage der österreichischen Versicherungswirtschaft“. Ergebnis: Niedrige Zinsen führen zu höheren Verbindlichkeiten.

„Das Niedrigzinsumfeld ist nach wie vor die wohl größte Herausforderung für die österreichische Versicherungswirtschaft,“ bringt der Vorstand der Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA), Helmut Ettl und Eduard Müller, den heute veröffentlichten „Bericht der FMA 2020 zur Lage der österreichischen Versicherungswirtschaft“ auf den Punkt: „Die niedrigen Zinsen führen zu höheren Verbindlichkeiten, drücken auf die Solvabilitätsquoten und haben Ertragsrückgänge bei Anleihen zur Folge.“ Durch die Covid‐19‐Krise werde die noch 2019 erhoffte Zinswende für einige Jahre vertagt, was insbesondere die Lebensversicherungen weiter unter Druck bringt, da deren Margen bereits unter einem Prozent liegen. Zudem habe die Covid‐19‐Pandemie die Volatilität – also die Schwankungsbreite, ‑wahrscheinlichkeit und ‑intensität – an den Aktienmärkten im Vergleich zu Vor‐Covid‐19 fast verdoppelt. Die Kapitalausstattung der österreichischen Versicherungswirtschaft, gemessen an der Solvenzkapitalanforderung SCR, ist zwar von 259 Prozent im Jahr 2018, auf 238 Prozent 2019 und 214 Prozent Mitte 2020 gesunken, sie ist damit aber immer noch mehr als doppelt so hoch wie erforderlich.

Jagd nach Rendite: herausforderndes Niedrigzinsumfeld

Wie schwierig es ist, im aktuellen Zinsumfeld angemessene Renditen auf Veranlagungen zu erzielen, zeigt allein schon eine Kennzahl: Im Oktober 2020 wurde weltweit bereits ein Anleihevolumen von 16.300 Milliarden Euro mit Negativverzinsung gehandelt. In diesem Umfeld verfolgen die einzelnen Versicherungsunternehmen bei der Jagd nach Rendite sehr unterschiedliche Veranlagungsstrategien. So veranlagen etwa vier Versicherungsunternehmen mehr als zwei Drittel ihres Gesamtvermögens in Investmentfonds, zwei andere wiederum haben mehr als ein Drittel des Vermögens in Immobilien investiert (im Gesamtmarkt liegt diese Quote im Median lediglich bei rund 3 Prozent). Weiters ist ein Trend in Richtung langfristiger Finanzinstrumente zu beobachten, da diese höher verzinst sind. Dies birgt aber bei einer Zinswende die Gefahr von Kurswertverlusten. Mitte 2020 hatten die Versicherungsunternehmen 25,1 Prozent ihrer Vermögenswerte in Unternehmensanleihen, 22,2 Prozent in Staatsanleihen, 19,6 Prozent in Investmentfonds, 16,7 Prozent in Beteiligungen und den Rest in Immobilien, Darlehen, Barmittel und Aktien veranlagt. Durchgerechnet sind rund 60 Prozent in Anleihen veranlagt. Es ist aber kein „Home‐Bias“ zugunsten österreichischer Staatsanleihen zu beobachten: lediglich 5 Prozent oder 5,8 Milliarden Euro sind so investiert. Signifikant ist aber, dass die Versicherer in der Vermögensverwaltung zunehmend auf die Expertise externer Asset Manager vertrauen, die nach 13 Prozent des gesamten verwalteten Vermögens 2016 im Juni 2020 bereits 20 Prozent managten.

Risikoexponierte Veranlagungen

Im vorliegenden Bericht verweist die FMA auch auf ihre Analysen, wie exponiert die Vermögenswerte der Versicherungsunternehmen gegenüber bestimmten aktuellen Risikokategorien sind: So sind 6 Prozent oder 8 Milliarden Euro der Vermögenswerte in durch Covid‐19 besonders gefährdeten Wirtschaftszweigen veranlagt; etwa 20 Prozent der Vermögenswerte stecken in Veranlagungen, die durch die Transition in eine klimaneutrale Wirtschaft potentiell betroffen sind.

Fortschreitende Marktkonzentration

Seit 2011 ist die Zahl der Versicherungsunternehmen von 106 auf 83 (2019) zurückgegangen; wobei der Rückgang in der Rechtsform der Aktiengesellschaft von 46 auf 29 am größten war, bei den kleinen Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit nahm die Zahl um sechs ab, von 53 auf 47. Nach Sparten betrachtet ging die Zahl der reinen Lebensversicherer in diesem Zeitraum von sieben auf sechs zurück, die der reinen Schadensversicherer von 21 auf 13 und die der Kompositversicherungen von 24 auf 16. Mitte 2020 verwalteten allein die drei größten österreichischen Versicherungsgruppen zusammen 65 Prozent aller Assets der österreichischen Versicherungswirtschaft in Höhe von rund 126 Milliarden Euro.

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