Gallup‐Umfrage: Corona‐Krise verschiebt Werte beim Konsumverhalten

Dr. Mag. Andrea Fronaschütz
© Gallup
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Jeder zweite Befragte befürchtet langfristige wirtschaftliche Nachteile. Arbeitslosigkeit, Preisentwicklung, Leistbares Wohnen, Gesundheit haben Priorität – Nachhaltigkeit und Regionalität sind die neuen Leitbilder beim Einkauf.

Mit der Corona‐Krise haben sich die Prioritäten der österreichischen Bevölkerung verschoben. Luxus, Verschwendung und Shopping gelten als Begriffe der Vergangenheit. Arbeitslosigkeit, Preisstabilität, Leistbares Wohnen, Gesundheit und Pflege sind die neuen Hauptthemen, die Österreichs Bevölkerung 2020 bewegen – das zeigt eine aktuelle Erhebung des Österreichischen Gallup Instituts. „Ausgelöst durch die Corona‐Krise, zeichnet sich ein Wandel im Privatleben, in der Gesundheitsvorsorge, im Beruf, in der Ausbildung und natürlich auch beim Konsum ab”, so Andrea Fronaschütz, Geschäftsführerin des Österreichischen Gallup Instituts.

Wesentlicher Auslöser dieser Entwicklung ist die veränderte wirtschaftliche Situation: Jeder zweite Österreicher (49 Prozent) befürchtet laut Umfrage infolge der Krise langfristige wirtschaftliche Nachteile für sich. Die Angst wirkt umso stärker, je geringer oder unsicherer das Einkommen ist. „Die Corona‐Krise ist dabei, das Wertesystem unserer Gesellschaft grundlegend zu verändern. Über 70 Prozent der Österreicher benennen Arbeitslosigkeit und Gesundheit als die Themen, die in der Krise am stärksten an Bedeutung gewonnen haben. Mehr als 50 Prozent sehen Regionalität im Aufwind und setzen dies auch in ihrem Einkaufsverhalten um. Fast ebenso viele stellen sich die Frage nach leistbarem Wohnen und machen sich Sorgen wegen ausufernder Staatsschulden. Die Digitalisierung erkennen quer durch die Generationen fast 40 Prozent der Österreicher als bestimmenden Trend unserer Gesellschaft”, so Fronaschütz.

Krise trifft Niedrigverdiener und Arbeitslose besonders

Im Mittelfeld liegen mit über 30 Prozent die Themen Grenzschutz, Energieversorgung, Steuer‐ und Bildungsreform sowie Klimaschutz, Pensionsreform und Kriminalitätsbekämpfung. Ganz am Ende der persönlichen Prioritätenskala stehen Themen aus Zeiten der Hochkonjunktur: 22 Prozent sehen Konsumentenrechte als zeitgeistig im Aufwind, 16 Prozent die Förderung von Kunst und Kultur. Ganz am Ende der Werteskala stehen für die Bevölkerung Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung, denen lediglich zehn Prozent der Befragten wachsende Bedeutung zumessen. Die Österreicher setzen ihre neuen Wertvorstellungen auch beim Reisen und vor allem beim Einkauf um. „Bewußter, maßvoller und nachhaltiger Konsum heißt das neue Leitbild. Acht von zehn Konsumenten beabsichtigen, stärker auf regionale Herkunft der gekauften Produkte zu achten. Für zwei Drittel spielen Nachhaltigkeit und Qualität eine größere Rolle, neun von zehn wollen hingegen auf den Kauf von Prestige‐ und Luxusmarken verzichten”, erklärt Fronaschütz und betont den starken Trend zu preisbewußtem Einkauf: „Die Krise trifft Niedrigverdiener sowie Personen, die von Gehaltseinbußen oder gar Arbeitslosigkeitbetroffen sind, am stärksten. Für diese Bevölkerungsgruppe wird jetzt beim Einkauf der Preis zum Hauptkriterium.”

Gallup zieht Parallelen zur Finanzkrise 2008

„Die Corona‐Krise hat die größere Zäsur im Konsumentenverhalten ausgelöst als die Finanzkrise. Jetzt wird nämlich die Globalisierung als Wirtschaftsmodell in Frage gestellt, die Mobilität rückt in den Hintergrund. In unseren Umfragen im Jahr 2009 zählten sowohl Globalisierung als auch Mobilität noch zu den Zukunftsthemen”, führt Fronaschütz weiter aus.

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