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© Gorjan Gajanin

Prof. Dagmar M. Schuller

Gastkommentar von Prof. Dagmar M. Schuller: „Wert der Intelligenz: Die Zukunft des Denkens – Mensch und KI im Dialog“

Die KI-Expertin Dagmar M. Schuller lehrt als Professorin für Wirtschaftsinformatik & Digital Entrepreneurship an der Hochschule Landshut. Bei der Verleihung des FMVÖ-Recommender-Awards am 15. Mai hält sie eine Keynote. Im Gastkommentar liefert sie Einblicke.

An Künstlicher Intelligenz (KI) scheiden sich oft die Geister: Einerseits setzt man sie gleich mit maschinellen, formel-basierten und entscheidungsgetriebenen Rechenoperationen und statistischen Bewertungen – also etwas Neutralem, etwas Nüchternem, andererseits ist da dieser Mythos um die sich ständig selbst-optimierende, nicht mehr kontrollierbare, also durchaus „menschelnde“ KI, die im schlimmsten Fall – wie der Mensch selbst auch – ganz eigenständig nach der Weltherrschaft strebt, oft auch inspiriert von der Fantasie Hollywoods.

Dabei vergisst man oft, dass der Begriff Intelligenz zwar eine übergeordnete Allgemeindefinition in dem Sinne hat, dass damit die kognitive Leistungsfähigkeit beschrieben wird, Probleme aus verschiedenen Bereichen zu lösen, aber die Einordnung, was „Intelligenz“ bedeutet, durchaus subjektiv betrachtet und bewertet wird.

Durchaus ähnlich verhält es sich mit der KI. Um ein KI-System beurteilen zu können, sollte man jeweils drei zentrale Fragen beantworten können:

a) Was für eine Art von Algorithmus liegt vor?

b) Wie wurde dieser trainiert bzw. wie hat dieser gelernt? und

c) Auf Basis welcher Daten ist der Algorithmus trainiert worden?

Erst dann kann man feststellen und evaluieren, wie mit dem Ergebnis, welches das KI-System liefert, umgegangen werden kann. Dazu gehört insbesondere auch die Einordnung des Ergebnisses mit entsprechenden Kennzahlen. Oftmals wird ausschließlich von der Erkennungsleistung eines KI-Systems gesprochen – je höher die Zahl, desto vermeintlich eindrucksvoller das Ergebnis. Allerdings gehört zur Beurteilung selbst viel mehr, beispielsweise die Relation zur Bewertung des Ergebnisses, die Ground Truth, die Robustheit des Modells, auch unter weniger günstigen Bedingungen zuverlässig zu funktionieren, die Fairness des Modells, etc.

Was Fairness anbelangt, hat die KI bisher einen schlechteren Ruf, als sie verdient. KI-Systeme werden gerne generell als „benachteiligend“ oder „diskriminierend“ bewertet. Dabei muss man jedoch die oben genannten Einordnungskriterien beachten und insbesondere die Datengrundlage bewerten. Wenn die Daten, mit denen die KI trainiert wurde, nicht ausgewogen und qualitativ gut sind, entstehen häufig sogenannte Bias. Diese Verzerrungen sind durchaus nicht maschinell, sondern menschlich und treten überall im alltäglichen Leben auf, somit auch häufig in den Datengrundlagen von KI-Systemen. Sie sind meist implizit und basieren auf kulturellen Prägungen, Erfahrungen, temporalen Gegebenheiten (beispielsweise historischen Daten), Messfehlern, uvm. Gerade aber mit dem Verständnis über die Existenz solcher Verzerrungen hat man die Chance, diese auszugleichen und im Ergebnis eine deutlich fairere Entscheidungsgrundlage zu liefern.

Das gilt auch für den Dialog zwischen Mensch und Maschine, am häufigsten aktuell im Bereich von Chatbots auf Basis generativer KI. Aber sind diese Bots auch wirklich „intelligent“ und verstehen sie im Dialog, was der Mensch wirklich will? Da sind wir wieder bei dem eingangs diskutierten Begriff der Intelligenz, vor allem der sozialen und emotionalen Intelligenz, die derlei Chatbots aktuell (noch) nicht vollumfänglich liefern. Die Art und Weise, wie man tonal antwortet, wie man artikuliert und gestikuliert, dabei lacht, weint, seufzt – das Menschliche eben. In Hollywood zeigen Maschinen manchmal auch Gefühle. Aber kann das echt sein? Hier gibt es zwei gute Nachrichten: Die Maschine kann kein „Bauchgefühl“, „schlechtes Gewissen“ oder eine eigene oft angedichtete „Bösartigkeit“ entwickeln, allerdings kann man der KI beibringen, einen Menschen zu verstehen, wie ein anderer Mensch ihn oder sie verstehen würde und dementsprechend insbesondere im Dialog eine menschenzentrierte, deutlich verbesserte Art und Weise der Kommunikation erarbeiten. Und dies kann in unterschiedlichen Lebenslagen – sei es in der Mensch-zu-Mensch Kommunikation, im Gesundheitswesen, im Pflegebereich, in der Smart City der Zukunft, in der Steuerung von Maschinen, in der Mobilität, und in vielen anderen Bereichen – zu einer verbesserten Lebensqualität führen.

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