G’scheit und arm

Jahrelang gab es ein Gezetere um Finanzbildung. Nun ist klar, dass ein Schulfach „Finanzen“ im Herbst kommen wird. Dieser Schritt fand medial, sowie in den sozialen Netzwerken Anerkennung und Zuspruch. Aber wird das wirklich was?

Finanzbildung ist wichtig, keine Frage. Ein Schritt in irgendeine Richtung bei dem Thema ist schon einmal gut, da Bewegung in die Sache kommt. Ob der aktuelle Weg aber der richtige ist, ist für mich zumindest fragwürdig. Wir Österreicherinnen und Österreicher sollten es eigentlich wissen, dass nicht einfach etwas umgesetzt wird. Nein, zuallererst „schauen wir uns das einmal an“. Themen werden auf die Prozessebene gehievt, eventuell gibt es eine Taskforce, eine Arbeitsgruppe oder – wie im Fall des Schulfachs „Finanzen“ – einen Pilotversuch. Der sieht folgendermaßen aus: Das neue Schulfach wird vier (VIER!) Jahre an 30 teilnehmenden Schulen ausprobiert (die sich obendrein selbst bewerben). Zum Vergleich: Insgesamt gibt es in Österreich aktuell 487 allgemein höher bildende Schulen. Und der nächste große Wurf ist auch bereits fix, denn das Fach „Geographie und Wirtschaftskunde“ wird ab dem Schuljahr 2023/24 „Geografie und wirtschaftliche Bildung“ heißen, inklusive einer Überarbeitung des Lehrplans.

In beiden Fällen wird spannend, welche Inhalte vermittelt werden sollen. Ideologisch gefärbte „Wirtschaftsbildung“? Oder wird sich auf das Auswendiglernen und die Wiedergabe von Begriffen, wie „Fonds“ oder „Hebelprodukte“ beschränkt? Vielleicht geht es auch darum, die Basics eines erfolgreichen (oder nicht unerfolgreichen) Wirtschaftslebens zu vermitteln? Also wie Geld am besten vermehrt wird und wie für das Alter vorgesorgt wird. Spätestens dann kommt der Lehrplan aber in Erklärungsnot, denn wer Geld vermehren will, braucht einen Überschuss am Ende des Monats. Und bei der aktuellen wirtschaftlichen Lage, steigender Inflation und einer auseinandergehenden Schere zwischen Arm und Reich, ist das bei immer weniger Menschen der Fall. Die Schülerinnen und Schüler sind dann zumindest gescheit, bleiben aber trotzdem arm.

Wie das Fach und die Inhalte letztendlich aussehen werden, wird die Zeit weisen. Einen Blick in die Zukunft erlaubt aber bereits das Pflichtfach „Digitale Grundbildung“, das im Herbst startet. Das dafür vorgesehene Lehrbuch bietet in der aktuellen Version eine umfangreiche Sammlung mit Fehlern (Futurezone hat berichtet).

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