Gute Chancen für neue Player

In Zeiten der wirtschaftlichen und politischen Unsicherheit tendieren WählerInnen wie KonsumentInnen schon mal zu Newcomern, die (vermeintlich) neue, frische und andere Lösungen anbieten.

Eine vom Meinungsforschungsinstitut Unique Research für das Wochenmagazin „profil“ durchgeführte Studie offenbart, dass in Österreich aktuell neue politische Bewegungen gute Chancen haben: 32 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher halten den bei der Wahl um das Amt des Bundespräsidenten angetretenen Bierpartei-Chef Dominik Wlazny alias Marco Pogo für wählbar. Und „Kronen Zeitung”-Kolumnist Tassilo Wallentin, der sich mit Rückenwind des Kleinformats dazu anschickte, Alexander Van der Bellen nachzufolgen, stufen immerhin 20 Prozent als wählbar ein. 

Ja, die beiden politischen Newcomer haben bei der eigentlichen Wahl des Staatsoberhaupts nicht 32 respektive 20 Prozent, sondern nur 8,3 respektive 8,1 Prozent erreicht, aber der Terminus „wählbar” ist eben nicht gleichbedeutend damit, dass man dem Kandidaten im Ernstfall tatsächlich seine Stimme gibt, sondern, dass man sich zumindest vorstellen kann, diesen zu wählen. Trotzdem: Dass sich 32 Prozent der ÖsterreicherInnen zumindest nicht ausschließen, neben dem Namen des Gründers der Bierpartei bei einer Wahl – etwa der kommenden Nationalratswahl – ihr Kreuzerl zu setzen, ist schon beachtlich. Und vor allem zeigt es, dass das Wahlvolk (und da vor allem das jüngere) einer attraktiven Verpackung, gepaart mit annehmbaren Inhalten, relativ schnell Vertrauen schenkt. Und genau darum geht es im politischen Geschäft, aber auch im Finanz-Business: um Vertrauen, um Wählbarkeit, um die sogenannte Likeability und die Verankerung einer Marke oder einer Person im Relevant-Set.

Hätte Dominik Wlazny alias Marco Pogo in Zeiten der weltpolitischen Stabilität, des wirtschaftlichen Aufschwungs und geordneter Verhältnisse in der österreichischen Innenpolitik geringere Wählbarkeitswerte? Davon ist ausgehen. In Zeiten, wo die Preise steigen, die realen Einkommen sinken, innenpolitisch kein Stein auf dem anderen bleibt und die geopolitischen Zukunftsszenarien bedrohlich sind, lässt man sich auch von alternativen Angeboten überzeugen und ist offener für Neues, als in Zeiten, in denen alles im Lot ist. Man wagt durchaus einmal ein Experiment und kann sich vorstellen, seine demokratiepolitisch schärfste Waffe, nämlich seine Stimme, im Rahmen einer Wahl einem vergleichsweise unbeschriebenen Blatt zu geben.

Vor ziemlich genau einem Jahr wurde bei der ForumF Konferenz in Wien die Gallup-Studie „Innovationen bei Finanzdienstleistungen” präsentiert, und in deren Rahmen wurde den 1.000 befragten ÖsterreicherInnen auch die Frage gestellt: „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie in Zukunft innovative Finanzprodukte und Finanzdienstleistungen von Technologie-Unternehmen – von Google über Facebook und Apple bis Netflix – in Betracht ziehen?”. 17 Prozent sagten damals, dass sie sich vorstellen können, Finanzprodukte und Finanzdienstleistungen von Google oder Amazon in Anspruch zu nehmen. 14 Prozent der ÖsterreicherInnen erachteten vor einem Jahr WhatsApp als durchaus wählbaren Finanzdienstleister. Und auch Apple (13 Prozent), YouTube (13 Prozent) und Netflix (12 Prozent) schnitten bei der nämlichen Fragestellung beachtlich ab. Auch hier gilt: Da die Zukunftsängste der Menschen binnen Jahresfrist nicht weniger geworden sind, ist die Bereitschaft, im eigenen Geldleben neue Wege zu beschreiten, wohl weiter gestiegen. Jetzt ist die Zeit für neue, attraktive, innovative UND vertrauenswürdige Anbieter gekommen – und zwar in der Politik, wie auch im Banken- und Versicherungsgeschäft. Die Arrivierten sollten also auf der Hut sein.

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