KÖSt und KESt senken sowie IPOs fördern!

© ForumF/Gerhard Bögner
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Industriellenvereinigung und Aktienforum formulieren einen „Auftrag an die nächste Bundesregierung, die Rahmenbedingungen zu verbessern“: Zur Belebung des Kapitalmarkts sollen KÖSt & KESt gesenkt, IPOs erleichtert, Eigenkapitalbildung gefördert und die „Financial Literacy“ erhöht werden.

Anlass des Appells von IV-Generalsekretär Christoph Neumayer und Robert Ottel, Präsident des Aktienforums, ist die Präsentation der seit 2005 im zweijährigen Rhythmus erstellten Studie „Volkswirtschaftliche Bedeutung börsenotierter Unternehmen für den Standort Österreich“. Studienautor Herwig Schneider, Industriewissenschaftliches Institut iwi: „Direkt und indirekt sichern die derzeit 75 an der Wiener Börse notierten Unternehmen mit rund 164.000 Beschäftigten direkt, indirekt und induziert (qua Konsum der Arbeitnehmer) mehr als 430.000 Arbeitsplätze im Land und stehen für eine Wertschöpfung von 31,6 Milliarden Euro“ Somit bedinge „ein Beschäftigungsverhältnis in einem börsenotierten Unternehmen in Österreich beinahe 3 Arbeitsplätze“ (siehe Grafik). Die Wiener Börse, unterstreichen Schneider und Ottel, sei für Aktionäre „sehr interessant und habe in letzter Zeit wichtige und richtige Initiativen gesetzt“, etwa indem neue Marktsegmente erschlossen wurden. Aber: Vom Höchststand im Studienzeitraum im Jahr 2006 mit 127 gelisteten Unternehmen sei die Anzahl mit nunmehr 75 Unternehmen im Jahr 2018 weit entfernt.

Neumayer und Ottel begreifen diesen Tiefstand als „Auftrag an die nächste Bundesregierung, die Rahmenbedingungen zu verbessern“ – denn „Ein attraktiver, moderner Kapitalmarkt ist kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, das den Menschen, Unternehmen und Anlegern Nutzen bringt. Jetzt muss es darum gehen, dass die nächste Bundesregierung für den Kapitalmarkt weiter proaktiv handelt!“ Der vormalige Finanzminister Hartwig Löger habe in seinen 17 Monaten Amtszeit mit Roadshows zum „Branding des Börseplatz Wien“ positiv beigetragen; in seiner Periode sei auch die Belebung des 3. Marktes an der Wiener Börse und damit der Zugang zu Unternehmenskrediten erfolgt.

Steuerreform umsetzen

Neumayer erinnert an die von der türkis‐blauen Koalition vereinbarte Steuerreform – „die ist budgetär bereits eingepreist und soll ehestmöglich umgesetzt werden“. Vor allem angesichts der von der IV erwarteten Abkühlung des BIP‐Wachstums auf 1,5 % im heurigen Jahr und 1–1,25 % im Jahr 2020 (Neumayer: „Wir sind da etwas zurückhaltender als IHS & WIFO“).

Zentrales Anliegen von Neumayer und Ottel:

  • Erstens: Senkung der Körperschaftssteuer KÖSt, derzeit 25 Prozent. „Durch eine KÖSt‐Senkung würden auch Löhne und Gehälter – also die Beschäftigten – profitieren“, erklärt Neumayer. Und nennt auch eine Benchmark: In Schweden werde ab dem Jahr 2021 20,6 % KÖSt erhoben – „und das bei einer Regierungsbeteiligung der Grünen“ hat Neumayer den Nachwahl‐Verhandlungsmarathon und eine mögliche Koalitionsvariante im Blick.
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  • Zweitens: Die Reduktion der Kapitalertragsteuer (KESt) von derzeit 27,5 auf einheitlich 25 Prozent. „Die einseitige Anhebung der KESt auf Dividendenzahlungen im Jahr 2016 war in der Niedrigzinsphase ein fatales Signal an Privatanleger auf dem heimischen Kapitalmarkt.“. Die Senkung der KESt wäre, so Ottel, „ein klares politisches Bekenntnis zum Kapitalmarkt und wichtig und notwendig!“ Im Sinne einer „proaktiven Kapitalmarktpolitik“ solle „steuerlich zwischen kurzfristiger Spekulation und langfristiger Investition, etwa zur Altersvorsorge“, unterschieden werden. „Als Anti‐Spekulationsmaßnahme sollte die KESt‐Steuerfreistellung bei einer Behaltefrist von über einem Jahr wieder eingeführt werden“ fordert Ottel.
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  • Schließlich sollten IPO – Initial Public Offering vulgo Börsegang – von Unternehmen unterstützt werden. Eine „Lockerung der Rahmenbedingungen und steuerliche Unterstützung“ für Börseneulinge schwebt in diesem Zusammenhang Ottel vor.

Financial Literacy

Es gibt, moniert Ottel, „in Österreich leider keine Tradition für Risikokapital und die Tatsache, dass auch kleinere Unternehmen Börsegänge“ brauchten. Da seien Motivation und Wissensvermittlung über das Funktionieren des Kapitalmarktes notwendig, Stichwort „Financial Literacy“. Eine IV‐Umfrage vor zwei Jahren, ergänzt Neumayer, habe zwar ergeben, dass drei Viertel der Befragten mehr Finanzbildung haben wollen – aber 80 Prozent freimütig bekennen „da kenn ich mich nicht aus“. Initiativen zur Finanzbildung wie beispielsweise von Erste Bank oder Raiffeisen würden, so Neumayer, unterstützt – „aber wir brauchen auch Initiativen an den Schulen“. Neumayer und Ottel schlagen die Erweiterung der PISA‐Studien auf den Bereich „Financial Literacy“ vor (derzeit nicht vorgesehen).

(Das OECD PISA‐Tool steht zur Ansicht hier. Wer zur „Financial Literacy“-Abfrage sich ein Bild machen möchte – ab Seite 121 im PISA‐PDF hier).

Die aktuelle IV/iwi/Aktienforum Studie „Volkswirtschaftliche Bedeutung der 75 börsenotierten Unternehmen für den Standort kann unter [email protected] angefordert werden.

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