Lukas Enzerdorfer‐Konrad, Bitpanda: „Wir stehen immer für smarte Regulierung.“

Lukas Enzersdorfer-Konrad, Bitpanda COO
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Lukas Enzersdorfer-Konrad, Bitpanda COO

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Lukas Enzersdorfer-Konrad ist Chief Operating Officer bei Bitpanda, einer führenden Investmentplattform mit Sitz in Wien. Im Interview mit ForumF erläuterte Enzersdorfer-Konrad, was die Krypto-Restriktionen für den Bitpanda-Launch in der Türkei bedeuteten.

ForumF: Mitte April hat die türkische Regierung zum Rundumschlag gegen Kryptowährungen ausgeholt und Zahlungen mit Bitcoin und Co untersagt. Bitpanda ist erst vor einigen Monaten in der Türkei gestartet – wie überraschend kam das Verbot?

Lukas Enzerdorfer‐Konrad: Die Türkei ist einer der dynamischsten Kryptomärkte weltweit. Bitpanda ist Ende 2020 in diesen wachstumsstarken Markt eingetreten und hat bereits erhebliches Wachstum sowie gesteigerte Relevanz verzeichnen können. Die Regulierung der Kryptoindustrie wurde in der Türkei mit Spannung erwartet und Bitpanda unterstützte genau wie andere große Marktteilnehmer auch die Entwicklung eines Regulierungsrahmens, der weiteres Wachstum des Marktes ermöglichen sollte. Die damalige Ankündigung der türkischen Zentralbank stellt insofern keine Überraschung dar, da sowohl die Zentralbank als auch andere Behörden erst kürzlich Erklärungen zur Notwendigkeit einer derartigen Regulierung der Kryptoindustrie in der Türkei abgegeben haben.

ForumF: Was bedeutet das Verbot konkret für Ihre Aktivitäten in der Türkei?

Enzerdorfer‐Konrad: Der Handel mit Kryptowährungen wurde verboten und am einfachsten erklärt sich die Verordnung so: Sie besagt, dass Krypto‐Assets nicht für die Bereitstellung von „Zahlungsdiensten“ verwendet werden dürfen. Des Weiteren verbietet sie die Vermittlung von Geldtransfers zu oder von Plattformen, welche Handels‑, Verwahrungs‑, Transfer‐ oder Emissionsdienste für Krypto‐Assets durch „Zahlungsinstitute“ in der Türkei ermöglichen. Es wurde jedoch keine Regelung getroffen, welche direkt Zahlungsdienste oder Plattformen betrifft, die im Allgemeinen den Handel mit Krypto‐Assets verbietet, und innerhalb dieses Geltungsbereichs ist es den relevanten Plattformen nicht untersagt, den Handel mit Krypto‐Assets zu vermitteln. User in der Türkei können nach wie vor Banküberweisungen für ihre Ein‐ und Auszahlungsprozesse bei Krypto‐Börsen und Brokern verwenden. Bitpanda hat enge Partnerschaften mit einigen der führenden Banken in der Türkei und setzt seine Geschäftstätigkeit wie gewohnt fort. Ein‐ und Auszahlungen von Banküberweisungen bleiben auf unserer Plattform weiterhin möglich.

ForumF: Aktuell wird nur von einem Verbot von direkten und indirekten Zahlungen gesprochen. Seit einiger Zeit ist in der Eurozone die Bitpanda Visa Card verfügbar, die das Bezahlen mit Kryptowährungen erlaubt. Erwartet NutzerInnen der Karte beim nächsten Urlaub in der Türkei eine böse Überraschung an der Kasse?

Enzerdorfer‐Konrad: Hier haben User absolut nichts zu befürchten. Wir bieten eine in Euro nominierte Visa‐Debitkarte an. Dies bedeutet, dass wir zum Zeitpunkt der Zahlung, die Assets der User für Euro verkaufen und Euro letztendlich zur Finanzierung der Zahlung verwendet wird. Kurz gesagt, alle Kartenzahlungen werden in Euro abgewickelt und funktionieren genauso wie jede andere Visa‐Debitkarte.

ForumF: Unabhängig davon, ob Verbote sinnvoll und technisch möglich sind: Einerseits wird die Liste mit regulierenden Ländern und prominenten Kritiker stetig länger. Andererseits entwickeln immer mehr Regierungen eigene Digitalwährungen und institutionelle Investoren, aber auch Unternehmen entdecken Kryptowährungen für sich. Was wird die nächste Zeit bringen, autoritäre Verbote, smarte Regulierung oder freier Markt?

Enzerdorfer‐Konrad: Grundsätzlich steht Bitpanda immer für smarte Regulierung. Es war uns immer schon sehr wichtig, eng mit den Aufsichtsbehörden zusammenzuarbeiten und uns so positionieren, dass sowohl Sicherheit als auch persönliche Verantwortung gewährleistet sind. Bei Bitpanda investieren wir kontinuierlich in unsere Technologie‐ und Regulierungsprozesse, um unseren Usern den sichersten, schnellsten und transparentesten Service zu bieten. Als reguliertes Finanzinstitut in zahlreichen Ländern Europas sind wir stets gerne dazu bereit, unsere regulatorischen Erfahrungen und unser Fachwissen mit den Behörden in jedem Markt, in dem wir tätig sind, zu teilen. Die Adoption eines regulatorischen Rahmens kann dazu beitragen, die weltweit führende Position der Türkei zu festigen und allen Kunden ein sichereres Umfeld für Investitionen jener Asset‐Klassen zu bieten. Wir bei Bitpanda glauben fest daran, dass jeder regulatorische Rahmen das Engagement und Interesse der Regierungen zeigt, den Weg für innovative Finanztechnologieunternehmen zu ebnen. FinTechs betreffend, wären wir hier natürlich dankbar, wenn die Regierung mehr in Richtung „intelligente Regulierung“ gehen würde, die jederzeit geändert werden kann und Innovation sowie persönliche Freiheiten ermöglicht. Die heutige Geschwindigkeit der Digitalisierung im Vergleich zu unserer Gesetzgebung macht ein Gesetz praktisch veraltet, sobald der Gesetzgeber es beschließt. Dies gilt insbesondere für neue Technologien wie Blockchain/Crypto‐Assets.

ForumF: Nach Kryptowährungen und Edelmetallen steht bei Bitpanda auch der Handel mit (Teil-)Aktien am Programm. Was steckt dahinter?

Enzerdorfer‐Konrad: Wir haben bereits Bitpanda Stocks erfolgreich in der Eurozone gelauncht. Auch im Jahr 2020 fühlte sich Investieren bei den meisten Anbietern noch an wie im Jahr 2010. Viel Papierkram, veraltete Infrastruktur und unübersichtliche Benutzeroberflächen sind nur einige der Gründe, warum sich vor allem junge Menschen oft nicht für das Thema interessieren. Das war ein wesentlicher Antrieb für uns, das neue Produkt zu launchen.

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