„Öffentliche Finanzen 2020“: Öffentliches Defizit bei 8,9 Prozent

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Statistiken zu den „Öffentlichen Finanzen“ informieren über die Einnahmen und Ausgaben, Personalstände und Bilanzdaten der öffentlich-rechtlichen Körperschaften. Im Jahr 2020 verzeichnete Österreich das höchste Defizit seit Aufzeichnung: 33,2 Milliarden Euro.

Die Zahlen der „Öffentlichen Finanzen 2020“ von Statistik Austria sind veröffentlicht: Im Jahr 2020 betrug das öffentliche Defizit 8,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bzw. 33,2 Milliarden Euro und war damit das höchste Defizit seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1954. Ende 2019 wurde noch ein Überschuss von 2,4 Milliarden Euro bzw. von 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung erzielt. Wie aus vorläufigen Ergebnissen von Statistik Austria weiter hervorgeht, stiegen die Staatsausgaben im Vergleich zu 2019 um 12,6 Prozent bzw. 24,4 Milliarden Euro, die Staatseinnahmen verringerten sich um 5,8 Prozent bzw. 11,3 Milliarden Euro. Der öffentliche Schuldenstand erhöhte sich in absoluten Zahlen um 34,8 Milliarden Euro und betrug am Jahresende 315,2 Milliarden Euro. Die Schuldenquote – das Verhältnis der Staatsschulden zum BIP – stieg auf 83,9 Prozent (Ende 2019: 70,5 Prozent des BIP bzw. 280,3 Milliarden Euro). 

„Die Corona‐Krise hat Österreich vom Konsolidierungspfad gedrängt. Der Einbruch der Wirtschaftsleistung aufgrund der Pandemie und die Maßnahmen zur Eindämmung haben die öffentlichen Einnahmen deutlich gesenkt und die Staatsausgaben massiv anwachsen lassen. Österreich musste im Jahr 2020 mit ‑8,9 Prozent ein Defizit in historischem Ausmaß verbuchen. Die Staatschuldenquote stieg – nach einem Rückgang um 14,4 Prozentpunkte in den Jahren 2015 bis 2019 – im Corona‐Jahr 2020 um 13,4 Punkte auf 83,9 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der Anstieg fiel damit deutlich kräftiger aus als im Jahr der Wirtschafts‐ und Finanzkrise 2009, als die Schuldenquote um 11,2 Punkte zulegte”, so Statistik‐Austria‐Generaldirektor Tobias Thomas. 

Staatsausgaben 2020 aufgrund der Corona‐Maßnahmen stark angestiegen 

Die Staatsausgaben stiegen im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um 12,6 Prozent oder 24,4 Milliarden Euro auf insgesamt 217,4 Milliarden Euro. Die deutlichste Steigerung ist bei den Subventionen zu beobachten (+14,1 Milliarden Euro bzw. +240,7 Prozent). Dies ist vor allem auf die staatlichen Corona‐Hilfspakete zurückzuführen (Kurzarbeit, Fixkostenzuschuss, Umsatzersatz etc.). 43,0 Prozent der Ausgaben des Staates entfielen auf Sozialausgaben, die gegenüber 2019 eine Steigerung von 7,5 Prozent auswiesen. Die nächstgrößeren Positionen waren mit einigem Abstand der Personalaufwand mit rund 20 Prozent (+2,1 Prozent bzw. +0,9 Milliarden Euro) und der Sachaufwand mit rund 12 Prozent (+3,4 Prozent bzw. +0,9 Milliarden Euro). Die Investitionen zeigten 2020 einen Anstieg auf 12,9 Milliarden Euro. Die Zinsausgaben waren auch 2020 stark rückläufig (-10,0 Prozent bzw. ‑0,6 Milliarden Euro). 

Staatseinnahmen 2020 deutlich gesunken 

Die Staatseinnahmen 2020 betrugen insgesamt 184,2 Milliarden Euro und sanken im Vergleich zum Vorjahr um 11,3 Milliarden Euro (-5,8 Prozent). Der stärkste Rückgang ist mit 9,8 Milliarden Euro bei den Steuern und Sozialbeiträgen zu beobachten, die 2020 161,0 Milliarden Euro ausmachen. Die Produktions‐ und Importabgaben (inklusive Mehrwertsteuer) verringerten sich um 6,4 Prozent bzw. 3,5 Milliarden Euro. Die Einnahmen aus Einkommen‐ und Vermögensteuern zeigten einen Rückgang von 11,3 Prozent bzw. 6,2 Milliarden Euro. Dieser ist vor allem auf geringere Einnahmen aus der Körperschaftsteuer (-2,8 Milliarden Euro), aus der veranlagten Einkommensteuer (-1,8 Milliarden Euro) und aus der Lohnsteuer (-1,0 Milliarden Euro) zurückzuführen. 

Defizit in allen Teilsektoren des Staates 

Im Jahr 2020 verzeichneten alle vier Teilsektoren des Staates ein Defizit. Die Bundesebene (Gebietskörperschaft, Bundeskammern und sonstige Bundeseinheiten) erzielte mit 29,3 Milliarden Euro ein Defizit (2019: Überschuss von 1,8 Milliarden Euro). Auf der Landesebene ist ein Defizit von 1,9 Milliarden Euro zu beobachten (2019: Überschuss von 543 Millionen Euro). Die Gemeindeebene einschließlich Wien verzeichnete ein Defizit von 1,7 Milliarden Euro (2019: Defizit von 93 Millionen Euro). Ein Defizit von 228 Millionen Euro ist beim Sektor Sozialversicherung zu beobachten (2019: Überschuss von 197 Millionen Euro). 

Schuldenquote auf 83,9 Prozent des BIPs gestiegen 

Ende 2020 betrug der öffentliche Schuldenstand 315,2 Milliarden Euro oder 83,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit lag die Staatsverschuldung um 34,8 Milliarden Euro über dem Vorjahreswert, das entspricht einer Erhöhung der Schuldenquote – dem Verhältnis der Staatsschulden zum BIP – um 13,4 Prozentpunkte. Von der Art der Verschuldung entfielen im Jahr 2020 1,7 Milliarden Euro auf Einlagen, 266,5 Milliarden Euro auf Anleihen und 46,9 Milliarden Euro auf Kredite. Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zum öffentlichen Defizit und zum öffentlichen Schuldenstand sowie zu den Einnahmen und Ausgaben des Staates finden Sie hier.

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