OeNB‐Analyse: Mehr Wertpapierbesitzer als manche glauben

Dr. Johannes Turner, Direktor der Hauptabteilung Statistik der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB): „Die Österreicherinnen und Österreicher legen Wertpapiergeschäfte bevorzugt in die Hände institutioneller Anleger.“
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Dr. Johannes Turner, Direktor der Hauptabteilung Statistik der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB): „Die Österreicherinnen und Österreicher legen Wertpapiergeschäfte bevorzugt in die Hände institutioneller Anleger.“

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Ist es um die Veranlagung in Wertpapiere bei den heimischen Sparern doch nicht so schlecht bestellt wie oft behauptet? Private Haushalte waren 2017 mit einem Drittel ihres Geldvermögens in Wertpapieren veranlagt. Darin enthalten ist neben direkten, selbst getätigten Wertpapierinvestitionen auch die indirekte Veranlagung mittels Investmentfonds, Versicherungen sowie Pensions- und Mitarbeitervorsorgekassen. Eine Analyse der Nationalbank.

Mehr als 70 Prozent dieses Wertpapiervermögens entfällt infolge des internationalen Anlagefokus dieser institutionellen Investoren auf ausländische Wertpapiere. Der Anteil festverzinslicher Titel beträgt zwei Drittel des gesamten Wertpapiervermögens. Einlagen – überwiegend mit täglicher Fälligkeit – bleiben jedoch weiterhin die mit Abstand wichtigste Anlageform privater Haushalte.

„Die Österreicherinnen und Österreicher legen Wertpapiergeschäfte bevorzugt in die Hände institutioneller Anleger“, erläuterte kürzlich Dr. Johannes Turner, Direktor der Hauptabteilung Statistik der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) das Anlageverhalten privater Haushalte.

Mittels eigener Veranlagung wurden Ende 2017 nur 60 Milliarden Euro oder 9 Prozent des gesamten Geldvermögens in Form von Aktien und Anleihen gehalten. „Der Blick durch die Portfolios institutioneller Anleger wie Investmentfonds, Versicherungen sowie Pensions‐ und Mitarbeitervorsorgekassen zeigt jedoch, dass dem Wertpapierbesitz der privaten Haushalte über diesen indirekten Weg weitere 154 Milliarden Euro oder 24 Prozent des Geldvermögens zuzurechnen sind“, betont Turner.

Wesentlichen Anteil an diesem Vermögen haben Lebensversicherungs‐ und Pensionsvorsorgeprodukte. Unter Berücksichtigung des indirekten Wertpapierbesitzes steigt die Bedeutung von Anleihen deutlich. Mit 139 Milliarden Euro erreicht sie einen Anteil von zwei Drittel am gesamten Wertpapiervermögen, das sich Ende 2017 auf 214 Milliarden Euro belief. Das direkt veranlagte Wertpapiervermögen entfällt hingegen nur etwa zur Hälfte (32 Milliarden Euro) auf verzinsliche Papiere. Gleichzeitig verlagert sich der Regionalschwerpunkt deutlich ins Ausland: Die Österreicher veranlagen auf direktem Weg nur rund ein Drittel in ausländische Wertpapiere. Institutionelle Investoren sind infolge größerer Anlagevolumina sowie der häufig strikten Diversifizierungsvorgaben jedoch vermehrt auf internationale Anlagemöglichkeiten angewiesen. Insgesamt steigt der Auslandsanteil im Wertpapierbesitz der privaten Haushalte daher auf über 70 Prozent.

Im Jahr 2017 sank die Sparquote auf 6,8 Prozent (2016: 7,8 Prozent), da das Konsumwachstum mit 3,2 Prozent das nominelle Einkommenswachstum von 2,1 Prozent überstieg. Aktuellste Daten zum Finanzverhalten der Haushalte zeigen, dass die direkte Wertpapierveranlagung zugunsten indirekter Investments weiterhin zurückgefahren wird. Die Verkäufe aus verzinslichen Wertpapieren und Aktien betrugen 2017 rund 3 Milliarden Euro. Insbesondere österreichische Bankanleihen, die 2017 im Ausmaß von 1,7 Milliarden Euro getilgt wurden, verloren zugunsten von Investmentzertifikaten (Nettokäufe von 3,7 Milliarden Euro) an Bedeutung. Diese Entwicklung hielt auch im ersten Halbjahr 2018 an und dürfte dem gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld geschuldet sein, das weder attraktive Kuponzahlungen noch nennenswerte Kursgewinne verspricht. Gleichzeitig haben Banken die Emission von Anleihen deutlich reduziert.

Ende Juni 2018 erreichte das Geldvermögen der österreichischen Haushalte einen neuen Rekordstand von 663 Milliarden Euro. Das hohe Ausmaß an täglich fälligen Einlagen (148 Milliarden Euro) belegt die anhaltend hohe Präferenz für liquide und sichere Anlagen. In den letzten drei Jahren flossen durchschnittlich vier von fünf Euro in Einlagen und Bargeld, wobei täglich fällige Produkte zulasten von jenen mit Bindungsfristen bevorzugt wurden. Letztere erreichten Ende Juni 2018 aber immer noch ein Volumen von 104 Milliarden Euro.

Siehe auch Download des 17‐seitigen OeNB Handout mit dem (wohl unfreiwillig) wunderbar mehrdeutigen Titel „Wo lassen Österreicher veranlagen?”.

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