Oesterreichische Nationalbank erwartet für 2020 Rückgang der Inflation auf 0,8 Prozent

Geschäft Shopping Einkaufen
© Pixabay
Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Niedriger Ölpreis und Nachfrageausfall dämpfen die Inflation, keine Preissteigerungen durch Corona-Krise im Online-Handel. Das sind die aktuellen Ergebnisse des vierteljährlich erscheinenden Berichts "Inflation aktuell" der Oesterreichischen Nationalbank.

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) erwartet in ihrer aktuellen Inflationsprognose für Österreich im Jahr 2020 einen Rückgang der am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessenen Inflationsrate auf 0,8 Prozent, gefolgt von einem leichten Anstieg auf 0,9 Prozent im Jahr 2021 sowie auf 1,5 Prozent im Jahr 2022. Der Rückgang im laufenden Jahr, der bereits im März eingesetzt hat, ist vor allem auf den außergewöhnlich starken Ölpreisverfall im heurigen Frühjahr zurückzuführen und wird zudem durch den Nachfrageausfall infolge der COVID‐19‐Pandemie verstärkt. Diese inflationsdämpfenden Effekte werden erst im nächsten Jahr auslaufen bzw. schwächer werden und die Inflation langsam wieder steigen lassen. Auf Basis von Preisdaten aus dem Online‐Handel untersucht die OeNB, wie sich die Preise von Nahrungsmitteln und anderen Gebrauchsgütern, die in den Webshops von fünf großen österreichischen Handelsketten angeboten werden, während der COVID‐19‐Pandemie entwickelt haben. Aus dieser Untersuchung geht hervor, dass die Online‐Preise von Nahrungsmitteln in den Monaten April und Mai 2020 im Durchschnitt geringfügig gesunken, jene von Bekleidung und Schuhen mitverursacht durch saisonale Faktoren (Ausverkauf) etwas stärker gesunken sind. Insgesamt lassen sich auf Basis der im Internet erhobenen Preisdaten keine auffälligen Preissteigerungen während der COVID‐19‐Krise, wie fallweise in den Medien berichtet wurde, feststellen.

HVPI‐Inflationsrate seit Februar 2020 markant gesunken

Die österreichische HVPI‐Inflationsrate ist seit Februar 2020 von 2,2 Prozent markant auf 0,6 Prozent im Mai zurückgegangen. Dafür ist in erster Linie der massive Ölpreisrückgang der letzten Monate verantwortlich. Zusätzlich dürfte sich insbesondere bei dem starken Rückgang im Mai auch die aufgrund der COVID‐19‐Krise eingebrochene gesamtwirtschaftliche Nachfrage dämpfend auf die Inflationsrate ausgewirkt haben. Die ohne Energie und Nahrungsmittel berechnete Kerninflationsrate lag noch bis April bei über 2 Prozent, ging aber im Mai ebenfalls markant auf 1,5 Prozent zurück.

Messprobleme aufgrund von COVID‐19 beeinträchtigen Zuverlässigkeit der Inflationszahlen

Die Entwicklung der letzten Monate, insbesondere im April und Mai 2020, ist allerdings unter dem Vorbehalt einer erschwerten Inflationsmessung in der Zeit der „Containment“ Maßnahmen zu sehen. Aufgrund der von Mitte März bis in den Mai hinein verordneten Geschäftsschließungen sowie Mobilitätsbeschränkungen war die Preiserhebung für viele im Warenkorb enthaltenen Produkte und Dienstleistungen erschwert oder sogar unmöglich. Aus diesem Grund mussten die vor Ort nicht erhebbaren Preise entweder auf alternativem Weg (etwa im Internet oder auf Basis von Scannerdaten von Supermärkten) erhoben oder durch Schätzungen ersetzt werden. Somit sind die jüngsten Inflationszahlen mit vergleichsweise hoher Unsicherheit behaftet und mit Vorsicht zu interpretieren.

OeNB erwartet für 2020 Inflationsrate von 0,8 Prozent

In ihrer jüngsten Inflationsprognose erwartet die OeNB einen Rückgang der HVPI‐Jahresinflationsrate im Jahr 2020 auf 0,8 Prozent (nach 1,5 Prozent im Vorjahr). Für die Folgejahre wird ein Anstieg auf 0,9 Prozent (2021) und auf 1,5 Prozent (2022) erwartet. Der Rückgang im heurigen Jahr ist hauptsächlich auf den seit März beobachteten außergewöhnlich starken Ölpreisverfall zurückzuführen. Zudem bewirkt die COVID‐19‐Pandemie einen massiven Nachfrageausfall, der sich vor allem auf die Inflationsraten von Dienstleistungen und Industriegütern ohne Energie dämpfend auswirken wird. Ab dem Jahr 2021 sollte der Ölpreiseffekt auslaufen und der inflationsdämpfende Nachfrageeffekt infolge der COVID‐19‐Pandemie schwächer werden. Mit 1,5 Prozent liegt die HVPI‐Inflationsrate 2022 aber weiterhin unter dem Durchschnittswert der letzten Jahre, da die Produktionsfaktoren über den gesamten Prognosehorizont unterausgelastet bleiben. Die ohne Energie und Nahrungsmittel berechnete Kerninflationsrate wird gemäß OeNB‐Prognose im Jahresdurchschnitt 2020 aufgrund der noch relativ hohen Werte in den ersten vier Monaten des Jahres 1,4 Prozent betragen und 2021 auf 0,6 Prozent zurückgehen. Im Jahr 2022 wird dann wieder mit einem Anstieg der Kerninflation auf 1,3 Prozent gerechnet.

OeNB‐Szenarien zeigen: weitere Inflationsentwicklung maßgeblich vom Verlauf der COVID‐19‐Krise beeinflusst

Um der hohen Unsicherheit der Inflationsprognose vor dem Hintergrund der Pandemie Rechnung zu tragen, hat die OeNB zusätzlich zur Inflationsprognose auch ein optimistisches sowie ein pessimistisches Prognoseszenario berechnet. Das optimistische Szenario nimmt an, dass die COVID‐19‐Pandemie in Österreich vergleichsweise rasch eingedämmt werden kann und die wirtschaftliche Erholung im laufenden Jahr an Schwung gewinnt, während das pessimistische Szenario von einer zweiten Infektionswelle im Herbst 2020 und einer Verschärfung des wirtschaftlichen Abschwungs ausgeht. Gemäß dem optimistischen Szenario sinkt die Jahresinflationsrate 2020 im Vergleich zur Juniprognose etwas weniger stark, nämlich auf 1,1 Prozent, gefolgt von einem Anstieg auf 1,2 Prozent und auf 1,7 Prozent in den Jahren 2021 und 2022. Im pessimistischen Szenario hingegen erwartet die OeNB für 2020 eine Jahresinflation von 0,7 Prozent, gefolgt von einem weiteren Rückgang auf 0,2 Prozent im Jahr 2021 und einem Anstieg auf 1,3 Prozent im Jahr 2022.

Online‐Preise von Nahrungsmitteln gehen im April und Mai 2020 leicht zurück

Auf Basis von Preisen aus dem Online‐Handel von fünf großen österreichischen Handelsketten untersucht die OeNB im Schwerpunkthema dieser Ausgabe von „Inflation aktuell“, ob sich die Preise von Nahrungsmitteln und anderen Gebrauchsgütern während der COVID‐19‐Krise auffällig verändert haben, wie fallweise in den Medien berichtet wurde. Aus dieser Untersuchung geht hervor, dass Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke in den Monaten April und Mai 2020 im Durchschnitt einen geringfügigen Preisrückgang von –0,3 Prozent bzw. –0,4 Prozent aufwiesen, während die Preise von alkoholischen Getränken durchschnittlich um 0,5 Prozent gestiegen sind. Die Preise von Bekleidungsartikeln und Schuhen sind von Anfang April bis Ende Mai im Durchschnitt um etwa 6 Prozent gesunken, allerdings dürften dafür saisonale Faktoren mitverantwortlich sein. Somit lassen sich basierend auf den von der OeNB erhobenen Online‐Preisdaten keine auffälligen Preissteigerungen bei den untersuchten Produkten im April und Mai 2020 feststellen.

„Inflation aktuell“ ist ein vierteljährlich erscheinender Bericht der Oesterreichischen Nationalbank zur Inflation in Österreich. Darin wird die Inflationsentwicklung der letzten Monate analysiert, die Inflationsprognose der OeNB vorgestellt sowie auf aktuelle Schwerpunktthemen eingegangen. Hier geht’s zum aktuellen Bericht.

Wöchentlich die wichtigsten News

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an und erhalten Sie jeden Donnerstag die aktuellsten News aus der österreichischen Finanzmarketingszene direkt in Ihrem Posteingang.