Prä‐Corona: 2019 bescherte Österreichs Leistungsbilanz historisch drittbestes Ergebnis

Handel
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Die Leistungsbilanz kletterte 2019 auf den historisch drittbesten Wert, der Boom fand jedoch heuer krisenbedingt ein jähes Ende.

Bis zum Beginn der Coronakrise durchlief die österreichische Außenwirtschaft eine ausgesprochene Erfolgsphase. Welche Auswirkungen hierzulande der Ausbruch von Covid‐19 auf die Wirtschaft hat, kann mangels gesicherter Daten (noch) nicht bewertet werden. Fest steht: Das Jahr 2019 bescherte der Leistungsbilanz nach vorläufigen Daten mit 10,5 Milliarden Euro den dritthöchsten jemals verzeichneten Überschuss. Nur vor der Finanzkrisen in den Boomjahren 2007/2008 konnte mit 10,8 bzw. 13,2 Milliarden Euro ein noch höherer Überschuss erzielt werden.

Schnelle Reise nach unten

Neben dem Güterhandel wurde die positive Bilanz vor allem von der strukturell wichtigsten Einnahmequelle getragen: dem Tourismus. Damit ist heuer definitiv Schluss, so rechnet die Welttourismusorganisation (UNWTO) mit einem Rückgang des internationalen Tourismus von 60 bis 80 Prozent. Daten der Statistik Austria verzeichnen im März 2020 bereits einen Einbruch internationaler Ankünfte um 70 Prozent.

Der auf LKW‐Fahrleistungen basierende Exportindikator der OeNB signalisiert auch im wichtigen Güterhandel seit Mitte März 2020 einen Rückgang. Im April gingen die Ausfuhren um rund ein Viertel (27 Prozent) gegenüber dem Vorjahresmonat zurück. Ein etwas geringerer Rückgang zeichnet sich aktuell im Mai ab.

Leistungsbilanz 2019 im Detail

Die Mitgliedsstaaten der EU zählten natürlicherweise zum wichtigsten Absatzmarkt für österreichische Güter. Insgesamt 68 Prozent wurden in die Europäische Union exportiert, 51 Prozent der Ausfuhren gingen in den Euroraum. Bei den Importen zeigt sich mit 74 Prozent (EU) und 58 Prozent (Euroraum) ein ähnliches Bild. Wichtigster Handelspartner ist unangefochten die Bundesrepublik, Deutschland steht für 42,7 Milliarden Exportvolumen oder 28 Prozent aller Güterexporte Österreichs. In der regionalen Saldo‐Betrachtung ist weiterhin der Beitrag der USA der höchste, welcher mit 7,7 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr fast unverändert geblieben ist.

Nach dem historisch drittbesten Ergebnis im Jahr 2019 setzt die Leistungsbilanz der österreichischen Außenwirtschaft krisenbedingt zu einer Talfahrt an.
Nach dem historisch drittbesten Ergebnis im Jahr 2019 setzt die Leistungsbilanz der österreichischen Außenwirtschaft krisenbedingt zu einer Talfahrt an. © OeNB

Ein Rekordergebnis brachte das Jahr 2019 auch im Kapitalverkehr mit dem Ausland. Die Nettovermögensposition Österreichs kletterte auf den historischen Höchststand von 38,4 Milliarden Euro, ein krasser Unterschied zu den 14,2 Milliarden Euro im Vorjahr. Auch die österreichischen Direktinvestitionen im Ausland erreichten mit 209 Milliarden Euro eine neue Rekordmarke ebenso wie mit 183 Milliarden Euro die Investitionen ausländischer Investoren in Österreich. Seit mehreren Jahren stammen relativ stabil rund drei Viertel aller Direktinvestitionen in Österreich aus Europa. Im vergangenen Jahr wurde jedoch Asien mit 11,7 Prozent erstmals zur wichtigsten außereuropäischen Quellregion.

Nachdem 2018 per saldo mehr Wertpapiere abgestoßen wurden, zeichnete sich 2019 das grenzüberschreitende Wertpapiergeschäft durch aktive wie passive Nettozukäufe der österreichischen Anleger aus. Diese hatten mit einem Plus von 5 Milliarden Euro vor allem Hunger auf Investmentzertifikat, ausländische Investoren interessierten sich mit einem Plus von 10 Milliarden Euro hauptsächlich für österreichische Bankanleihen.

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