Private Altersvorsorge auf der Intensivstation

Martin Kwauka, Initiator des FJF Finanzjournalistenforum: „Der Staat spart sich Milliarden durch Minuszinsen. Warum gibt der Finanzminister keinen Euro davon zur Förderung von Vorsorge und Anlage zurück?"
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Martin Kwauka, Initiator des FJF Finanzjournalistenforum: „Der Staat spart sich Milliarden durch Minuszinsen. Warum gibt der Finanzminister keinen Euro davon zur Förderung von Vorsorge und Anlage zurück?"

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Martin Kwauka vom Finanzjournalistenforum ist sich sicher: Der österreichische Staat erspart sich heuer 2,8 Milliarden Euro an Zinsbelastung für seine Schulden und bis zum Ende der Legislaturperiode wird dieser Betrag sogar auf geschätzte 5,5 Milliarden Euro ansteigen. Dem steht gegenüber, dass Branchenvertreter in einer Veranstaltung für den Zustand der privaten Altersvorsorge, bedingt durch die Zinspolitik der EZB, mehr als drastische Worte fanden.

Sprach Peter Bosek, Erste Group Bank, noch davon, dass wir mittlerweile „in Japan angekommen“ sind, wurde Robert Lasshofer, Wiener Städtische, mit dem Begriff „finanzieller Vandalismus“ noch deutlicher und warnte Rudolf Mittendorfer als Vertreter der Versicherungsmakler letztlich gar vor einer „Zertrümmerung“ der kapitalgedeckten Altersvorsorge. Was lag daher für den Veranstalter näher, als an die Vertreter der Finanzwirtschaft die Frage zu stellen, ob in dieser Situation nicht zumindest ein Teil der Zinsersparnisse des Staates an die Sparer und Anleger zurückgegeben werden müsste, um als Privater weiterhin einigermaßen gut für seinen Lebensabend vorsorgen zu können?

Die Folgewirkungen der nach der Finanzkrise jahrelangen Niedrigzinspolitik der EZB scheinen nun bei Banken und Versicherungen (und damit auch bei deren Kunden) mit voller Wucht angekommen zu sein. Das Fass zum Überlaufen dürfte dabei die letzte EZB‐Entscheidung unter Mario Draghi gewesen sein, die Negativzinsen für Bankeinlagen bei der EZB angesichts der prognostizierten Konjunkturdelle von 0,4 auf 0,5 % zu erhöhen. Denn damit war klar, dass sich am historisch tiefen Zinsniveau auch in den kommenden Jahren nichts ändern wird.

Da außergewöhnliche Umstände auch außergewöhnliche Maßnahmen erfordern, war es daher auch kein Wunder, dass diese Diskussion dann auch automatisch eine Reihe von Ideen, Vorschlägen und politischen Forderungen zutage förderte, um die mittlerweile schon als prekär empfundene Situation für die österreichischen Sparer zu verbessern.

So kam von Peter Bosek ein klares Bekenntnis dazu, auf die gegebene Situation rasch neue Antworten zu finden. Für seine Bank heißt das zum Beispiel, ihre Sparer zum regelmäßigen monatlichen Ansparen in Investmentfonds beziehungsweise Aktien zu animieren, um die Risiken, verglichen mit Einmalveranlagungen, durch den sogenannten „cost average‐Effekt“ zu reduzieren. Kapitalertragssteuer (und auch die Versicherungssteuer) betrachtet Bosek im aktuellen Kontext ohnehin als nicht mehr gerechtfertigt, denn „wenn es keinen Ertrag gibt, braucht es auch keine Kapitalertragssteuer mehr“.

Rudolf Mittendorfer tritt vehement dafür ein, die Vorsorge von staatlicher Seite – nach Reduktion der Förderung vor ein paar Jahren – wieder substanziell zu fördern, die starren Veranlagungsvorschriften für Versicherungen zu öffnen und die Pflege in die Vorsorge mit einzubeziehen. Während sich Robert Lasshofer für einen „Relaunch“ der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge stark macht, die von der Wiener Städtischen als eine von nur mehr wenigen Versicherungen nach wie vor angeboten wird. Hier plädiert Lasshofer dafür, Elemente der klassischen Lebensversicherung mit jenen der fondsgebundenen Versicherung zu verknüpfen, dabei aber auf die zu Lasten der Erträge gehende Kapitalgarantie zu verzichten. Ein Anliegen ist es Lasshofer aber auch, akkumuliertes Sparkapital in die Wirtschaft, zum Beispiel in Infrastrukturinvestitionen, zu lenken.

Ziemlich einig war sich dieses Podium abschließend darin, dass es sehr wünschenswert wäre, dass diese Probleme jetzt auch in der Politik ankommen, weil ein Durchtauchen der unhaltbaren jetzigen Situation nicht mehr möglich ist.

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