PwC-Studie: Unternehmenstransaktionen erreichten 2021 Rekordhöhen

Gerald Eibisberger, Partner und Deals Leader bei PwC Österreich
© PwC

Gerald Eibisberger, Partner und Deals Leader bei PwC Österreich

Laut aktuellem Global M&A Industry Trends 2022 Report von PwC kommt es zu einem rekordhohen globalen Anstieg von Transaktionswert (+57 Prozent) und Transaktionsvolumen (+24 Prozent) von 2020 bis 2021.

Der Global M&A Industry Trends 2022 von PwC prognostiziert nach einem Rekordjahr 2021 ein weiteres Superjahr für Mergers & Acquisitions (M&A). Dies lassen das beispiellose Wachstum der Transaktionswerte und ‑volumina im Jahr 2021, eine starke Transaktionspipeline, die Verfügbarkeit von reichlich Kapital und eine anhaltend hohe Nachfrage nach digitalen und datengesteuerten Unternehmen und Vermögenswerten vermuten. Die Analyse untersuchte die aktuellen Transaktionsaktivitäten und bezog Erkenntnisse der PwC-BranchenspezialistInnen ein, um die wichtigsten Trends zu identifizieren, die das M&A‑Volumen und die Bewertungsmultiplikatoren antreiben.

M&A‑Rekordjahr 2021, Trendfortsetzung auch für 2022 erwartet

2021 war mit Abstand ein Rekordjahr für M&A, sowohl was die Anzahl als auch den Wert der Transaktionen betrifft. Im Jahr 2021 wurden weltweit mehr als 62.000 Transaktionsabschlüsse bekannt gegeben, was einen beispiellosen Anstieg um 24 Prozent gegenüber 2020 darstellt. Der Wert der öffentlich bekannt gegebenen Transaktionen erreichte mit 5,1 Billionen US-Dollar – darunter 130 Megadeals mit einem Wert von 5 Milliarden US-Dollar oder mehr – ein Allzeithoch, das um 57 Prozent höher ist als im Jahr 2020 und den bisherigen Rekord von 4,2 Billionen US-Dollar aus dem Jahr 2007 übertrifft.

„Nach einem Rekordjahr im Bereich M&A, fragt jeder, was als nächstes kommt“, so Gerald Eibisberger, Partner und Deals Leader bei PwC Österreich. „Das Transaktionsgeschehen wird sehr wahrscheinlich auch 2022 robust bleiben – mit international einem harten Wettbewerb zwischen Unternehmen, Private Equity (PE) und Special Purpose Acquisition Companies (SPACs). Dennoch ist es zu erwarten, dass die Spitze angesichts des zunehmenden makroökonomischen und regulatorischen Gegenwinds etwas abflacht.“ 

In Österreich spielen SPACs noch keine Rolle und auch die PE-Aktivität ist im internationalen Vergleich deutlich geringer, auch aufgrund der in Österreich vergleichsweise wenig ausgeprägten PE-Szene. Das schlägt sich auch in der Marktentwicklung nieder. Nach einem Corona-bedingt sehr schwachen Jahr 2020 hat sich der Markt im letzten Jahr deutlich erholt. Die Anzahl der Transaktionen kann aber an die international beobachteten Rekordhöhen (noch) nicht anschließen. „Bei den zustande gekommenen Transaktionen konnten wir dafür sehr hohe Preise beobachten“, ergänzt Gregor Zach, Partner und M&A Leader bei PwC Österreich. „Generell haben viele PEs angesichts der hohen Nachfrage bei einem limitierten Angebot an verkaufsbereiten Unternehmen ihr Bewertungsniveau nach oben angepasst. Vor diesem Hintergrund gehen wir auch in Österreich 2022 von einem sehr guten M&A Umfeld aus, getrieben durch Transaktionen von Großunternehmen, aber auch KMU sowie internationalen PEs, die aktiv den österreichischen Markt für Akquisitionsmöglichkeiten beobachten.“

Auch wenn der Optimismus für ein starkes Jahr 2022 weiterhin groß ist, könnten höhere Zinsen, steigende Inflation, erhöhte Steuern und eine stärkere Regulierung strukturelle oder finanzielle Hürden für den Abschluss von Transaktionen darstellen. Die Analyse zeigt bereits jetzt eine größere Volatilität auf den Finanzmärkten, ein Anziehen der Inflation (v. a. bei Energie und Rohstoffen), weitere Unterbrechungen in den globalen Lieferketten und eine höhere Staatsverschuldung, da die Schockwellen der COVID-19-Pandemie weltweit weiterwirken. EntscheidungsträgerInnen sollten darauf achten, wie und wann diese und andere Faktoren durch den immer schneller werdenden Wandel das eigene Unternehmen beeinflussen werden.

Private Equity-Beteiligungen nutzen Fundraising-Stärke

PE-Beteiligungen ziehen immer mehr und größere Deals an Land. An fast 40 Prozent der globalen Transaktionen im Jahr 2021 war ein PE-Fonds beteiligt, während es in den vergangenen fünf Jahren nur etwas mehr als ein Viertel waren. Zudem tätigen PE-Firmen größere Transaktionen, die im Jahr 2021 45 Prozent des Gesamtwertes der Transaktionen ausgemacht haben (zum Vergleich: 30 Prozent in den letzten fünf Jahren). Auf dem Weg ins Jahr 2022 hat PE seine Transaktionskapazität gesteigert und ein Rekordniveau an „Liquiditätsreserven“ aufgebracht. Das weltweite PE-Kapital lag Ende 2021 bei 2,3 Billionen US-Dollar und damit um 14 Prozent höher als zu Jahresbeginn – was reichlich Antrieb für M&A‑Aktivitäten im Jahr 2022 bietet. Obwohl es reichlich Finanzmittel gibt, wird der Druck auf PE durch steigende Zinsen, höhere Bewertungsmultiplikatoren und hohe Erwartungen an ESG-Aktivitäten (Environmental, Social and Governance) zunehmen, um Wege zur Wertgenerierung zu finden.

„Wir gehen davon aus, dass international SPACs auch im Jahr 2022 eine wichtige Rolle spielen werden, nachdem Ende 2021 ein erneuter Anstieg der SPAC-Börsengänge das für M&A verfügbare Kapital erhöht hat“, so Deals-Experte Eibisberger. „Mit international fast 500 SPACs, die noch keine Fusion angekündigt haben, wird der kurze Zeitrahmen (in der Regel zwei Jahre), in dem sie eine Transaktion abschließen müssen, dazu führen, dass SPACs in den Jahren 2022 und 2023 mit PE und Unternehmen um Ziele konkurrieren. Das internationale Phänomen SPAC ist inzwischen z.B. auch in Deutschland angekommen, hat aber in Österreich noch keine Bedeutung.“ Der harte Wettbewerb zwischen Unternehmen, PE und SPACs wird die Bewertungsmultiplikatoren für begehrte Vermögenswerte hoch halten – ein solider Plan für die Wertgenerierung durch M&A ist daher wichtiger denn je. 

Auf Unternehmensseite ist zu erwarten, dass der strategische Wandel hin zu digitalen, innovativen und disruptiven Geschäftsmodellen auch 2022 ein wesentlicher Treiber für M&A Aktivität sein wird. „In Anbetracht der Marktbedingungen, die auf den Führungsebenen weltweit einen stärkeren Fokus auf Wertgenerierung verlangen, werden sich die CEOs wahrscheinlich auch auf Veräußerungen konzentrieren, während sie ihre Portfolios im Hinblick auf längerfristiges Wachstum und Rentabilität neu ausrichten. Auch ESG-Kriterien (Environmental, Social and Governance) werden im Jahr 2022 zunehmend die M&A‑Strategie beeinflussen“, so Eibisberger.

Detailtrends in sechs Schlüsselbranchen

  • Verbrauchermärkte: Die Präferenzen der VerbraucherInnen werden auch im Jahr 2022 als Katalysator für M&A dienen, da Unternehmen und PE ihre Portfolios umgestalten, um von Trends wie dem „bewussten Konsum“ zu profitieren. Diese schaffen eine Nachfrage nach neuen Produkten und Dienstleistungen sowie völlig neue Geschäftsmodelle.
  • Energie‑, Versorgungs- und Ressourcenbranche: ESG-Kriterien treiben die Strategien in der gesamten Branche voran. M&A werden genutzt, um Portfolios neu auszurichten und Wertgenerierungsmöglichkeiten in ESG-Wachstumsbereichen wie erneuerbaren Energien, Kohlenstoffabscheidung, Batteriespeicherung, Wasserstoff, Übertragungsinfrastruktur und anderen sauberen Technologien zu verfolgen.
  • Finanzdienstleistungen: Der Wettbewerb um strategische Marktvorteile beflügelt M&A weiterhin, wobei Technologie- und Innovationstransaktionen im Vordergrund stehen. Es ist zu erwarten, dass die Portfolio-Optimierung zu Veräußerungsaktivitäten und fähigkeitsorientierten Transaktionen führen wird. Auch problembehaftete Vermögenswerte im Banken- und Versicherungssektor können eine Welle von Transaktionen auslösen.
  • Gesundheitswesen: Pharmaunternehmen sind bestrebt, ihre Portfolios für das Wachstum zu optimieren, indem sie sich Zugang zu neuen Technologien wie mRNA, Zell- und Gentherapie verschaffen. Im Bereich der Gesundheitsdienstleistungen ziehen Einrichtungen für besondere Pflegebedürfnisse, Telemedizin, Gesundheitstechnologie sowie Daten- und Analysemethoden das Interesse der InvestorInnen auf sich.
  • Industrielle Fertigung und Automobilindustrie: Strategische Überprüfungen von Portfolios und ESG treiben die M&A‑Aktivität an – insbesondere Transaktionen, die den digitalen Wandel beschleunigen, wie elektrische und autonome Fahrzeuge, Batterien und Ladetechnologien, additive Fertigung, Werkstoffe der nächsten Generation und Produktion mit nicht-fossilen Energiequellen.
  • Technologie, Medien und Telekommunikation: Da traditionelle Industrien mit einem hohen Maß an Störungen konfrontiert sind und sich innovative Technologien schneller als erwartet durchsetzen, wird der Technologiesektor auch weiterhin ein beispielloses Maß an Transaktionsaktivitäten und Transaktionswerten verzeichnen, da Unternehmen aus allen Branchen versuchen, Schlüsseltechnologien oder digitale Fähigkeiten zu erwerben.

„Die M&A‑Aktivitäten im Jahr 2021 wurden stark durch die hohe Nachfrage nach digitalen und datengesteuerten Vermögenswerten angeheizt, und wir glauben, dass die Technologieanpassung auch im Jahr 2022 Druck auf alle Branchen ausüben wird“, so PwC-Experte Eibisberger. „Die Unternehmen werden auch versuchen, ihren Wettbewerbsvorteil zu erhalten und durch die Veräußerung unrentabler oder strategisch nicht mehr passender Geschäftsbereiche zu reinvestieren. Gleichzeitig müssen EntscheidungsträgerInnen auf mögliche Störfaktoren bei Transaktionen wie die Volatilität der Finanzmärkte und makroökonomischen Gegenwind achten. Ein solider Plan für die Wertgenerierung durch M&A wird in diesem Jahr sehr wichtig sein.“

Wöchentlich die wichtigsten News

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an und erhalten Sie jeden Donnerstag die aktuellsten News aus der österreichischen Finanzmarketingszene direkt in Ihrem Posteingang.

In Kooperation mit

FMVÖ