Schoellerbank‐Analyse: Staat profitiert von „Aktienmuffeln“

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Die privaten Haushalte in Österreich halten direkte Aktien mit einem Volumen von 26 Milliarden Euro. Täglich fällige Einlagen schlagen sich hingegen mit 131 Milliarden Euro in der Vermögensbilanz der Österreicher nieder. Diesen Veranlagungen steht ein Gesamtfinanzvermögen von 638 Milliarden Euro gegenüber. Direkte Aktienbeteiligungen, dazu kommen noch Aktien, die über Fonds gehalten werden, machen somit nur einen Anteil von vier Prozent aus. Österreichs Anleger setzen demnach vorwiegend auf kaum verzinste Anlagen und meiden Aktieninvestments. Was bedeutet eine unterentwickelte Aktienkultur für eine reiche Industrienation? Dem ist die Schoellerbank nachgegangen.

Was passiert mit dem restlichen Kapital, wenn in Österreich nur vier Prozent des Finanzvermögens direkt in Aktien liegen? Es wird hauptsächlich am Geld‐ und Kapitalmarkt – auch über Sparbücher, Lebensversicherungen et cetera – zu rekordtiefen Zinsen angelegt. Für jene Marktteilnehmer, die das Geld in Empfang nehmen, hat dies durchaus vorteilhafte Konsequenzen. Das trifft insbesondere auf den Staat zu, wie eine aktuelle Studie der Bundesfinanzierungsagentur zeigt.

Die Kehrseite der Medaille: Trotz auf 211,2 Milliarden Euro gestiegener Finanzschulden hat sich Österreich seit 2009 durch das bestehende Niedrigzinsumfeld – gemessen am durchschnittlichen Zinsniveau vor der Finanzkrise – immerhin rund 60 Milliarden Euro an Zinszahlungen erspart. Der Zinsaufwand in Relation zum Bruttoinlandsprodukt ist von 1996 bis 2017 von 3,4 auf 1,46 Prozent gesunken. Erstmals ist 2017 in Österreich die durchschnittliche Verzinsung des gesamten Schuldenportfolios unter die Marke von 2,5 Prozent gefallen. Die durchschnittliche Restlaufzeit stieg auf rund 10 Jahre. Österreich hat die erste jemals begebene 100‐jährige Bundesanleihe mit einem Kupon von nur 2,1 Prozent ausgestattet. Es ist die derzeit längste und mit 3,5 Milliarden Euro auch größte 100‐jährige Staatsanleihe der Welt. Die Anleihe wurde auch als „Best Sovereign of the Year“ ausgezeichnet.

Was hätte eine alternative Anlage am Aktienmarkt für die österreichischen Sparer eingebracht? Der Aktienindex ATX hat über die letzten 30 Jahre eine Rendite (Kurssteigerungen inklusive Dividenden, also auf Total Return Basis) von 8,75 Prozent eingefahren. Dieser Index weist allerdings nur eine Kapitalisierung von circa 100 Milliarden Euro auf. Die Wirtschaftsleistung Österreichs (BIP) liegt bei ungefähr 360 Milliarden Euro, das sind also gerade einmal etwa 28 Prozent des BIP. Die Rendite des ATX ist nicht repräsentativ für den gesamten Aktienmarkt. Auch könnte die Laufzeit von 30 Jahren in die Irre führen, da gerade ein großer Bullenmarkt vorherrscht und so die langfristige Performance verzerrt sein könnte.

Hier hilft ein Blick auf den größten Aktienmarkt der Welt, jenen der USA: Die 3.900 Aktiengesellschaften sind dort im Moment mit einem Wert von circa 30 Billionen US‐Dollar bewertet, das US‐BIP liegt bei etwa 20 Billionen US‐Dollar. Die Aktienmarktkapitalisierung liegt damit bei etwa 150 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der US‐Aktienmarkt weist in einer ultralangen Betrachtung seit 1926 – in der Bullen‐ und Bärenmarktphasen kaum mehr eine Rolle spielen – eine Rendite über 10,1 Prozent auf. Das liegt demnach in der Größenordnung der 30‐jährigen Performance des ATX‐Index.

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