Sparstudie: Wertpapier‐Aversion bringt Kaufkraftverlust

Gudrun Egger, Head of Major Markets und Credit Research, Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Erste Bank: Laut der aktuellen Studie zum Sparverhalten spart knapp die Hälfte der österreichischen Sparer ohne konkreten Plan.
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Gudrun Egger, Head of Major Markets und Credit Research, Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Erste Bank: Laut der aktuellen Studie zum Sparverhalten spart knapp die Hälfte der österreichischen Sparer ohne konkreten Plan.

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Das Sparbewusstsein ist stark ausgeprägt, aber die Sparbuchvorliebe treibt den Kaufkraftverlust voran. Mit geringem Finanzwissen pflegen die Österreicher ihre Wertpapier–Aversion. Neue Fondssparpläne sollen gegensteuern. Alarmierend: Das Sparen für Altersvorsorge hat an Bedeutung abgenommen. Die Erste Bank präsentiert Licht und Schatten des heimischen Sparverhaltens.

Sparen ist für drei Viertel der Österreicher sehr wichtig. Hauptgrund ist nach wie vor der Notgroschen beziehungsweise um finanziell abgesichert zu sein. Im Vergleich zum Jahr 2009 wird aber vermehrt auf Urlaubsreisen (34 Prozent, +12 Prozentpunkte), aber auch für größere Anschaffungen gespart: Für die eigenen vier Wände oder ein neues Auto will immerhin fast jeder Zweite (48 Prozent) Geld zurücklegen. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als 2009. „Alarmierend hingegen ist die Tatsache, dass die Altersvorsorgeso stark aus dem Fokus der Österreicher rückt“, so Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Erste Bank.

Die Altersvorsorge ist nur mehr für 41 Prozent (2009: 56 Prozent) ein definiertes Sparziel, so das aktuelle Ergebniseiner repräsentativen IMAS‐Studie im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen.Nach wie vor fließt viel Geld in Freizeit und Konsum. Laut aktuellen Prognosen wird die Sparquote für 2018bei 7 Prozent liegen und somit eine leichte Erholung ausweisen. In den vergangenen Jahren ist sie kontinuierlich zurückgegangen. Wohl auch Ergebnis der strikten Niedrigzinspolitik.

Der Sparbetrag liegt aktuell bei 245 Euro pro Monat. Im Jahr 2009 waren es noch 155 Euro (+58 Prozent). Das Gesamtvolumen der Retail‐Einlagen beläuft sich derzeit auf 254,3 Milliarden Euro, 2009 waren es noch 205,7 Milliarden Euro. Dass die Sparzinsen seit vielen Jahren deutlich unter der Inflationsrate liegen, daran scheint man sich in hierzulande gewöhnt zu haben. Das Sparbuch bleibt trotz dieses Umstands weiterhin die beliebteste Sparform der Österreicher 80 Prozent haben Geld am Sparbuch.

Bei einer Inflationsrate von rund 2 Prozent macht der Kaufkraftverlust bei den Sparbuch–Anlegern etwa 5 Milliarden Euro aus. Wertpapiere konnten‐ allerdings von einem niedrigen Basisniveau ausgehend – auf 28 Prozent (+11 Punkte zum Jahr 2009) zulegen. „Das ist eine Entwicklung, die absolut notwendig ist“, so Schaufler.

Keine Depotgebühr für drei Jahre

Laut der aktuellen Studie spart knapp die Hälfte der österreichischen Sparer ohne konkreten Plan. „Rufen Sie sich ihren Gehaltszettelund das Pensionskonto ins Gedächtnis. Da gibt es bei vielen eine große Lücke. Ein Plan ist essentiell“, betont Schaufler. Sich „breit aufstellen“ bei der Geldanlage ist das Um und Auf. Vor allem für „Neueinsteiger“ bieten sich Fonds an. Die Erste Bank hat dafür die wichtigsten Kundenbedürfnisse und größten Trends für denVermögensaufbau analysiert und speziell fünf Themenpakete im „s Fonds Plan Mix“ geschaffen, in denenjeweils bis zu 5 Fonds stimmig gebündelt sind. Auch bei der Preisgestaltung hat man sich dafür etwasNeues einfallen lassen. Beim s Fonds Plan Depot fallen in den ersten drei Jahren bis zu einem Gesamtkurswertvon 10.000,- Euro weder Depot‐ noch Mindestgebühren an. Privatanleger können demnächst dasDepot zum s Fonds Plan Mix auch online über „George” eröffnen.

Ein Grund, warum Wertpapiere noch nicht fest im Anlageuniversum der heimischen Sparer verankert sind, ist das mangelnde Wissen rund um Wirtschaft‐ und Finanzthemen. Laut der aktuellen Studie geben nur 36 Prozent an, sich sehr gut mit diesen Themen auszukennen. Zwei Drittel haben teils großen Aufholbedarf. Dies spiegelt sich auch in der Erklärungsnot bei diversen Finanzbegriffen wider. 91 Prozent können nicht erklären, was Anleihen sind, 70 Prozent ist der Begriff Fonds völlig unklar und 62 Prozent sind mit dem Wort Aktien überfordert. Immerhin nur mehr jeder Zweite (48 Prozent) hat mit dem Begriff Zinsen Probleme und „nur“ 35 Prozent wissen nicht, was Inflation bedeutet. „Eines der Hauptprobleme ist also das mangelnde Finanzwissen.“, meint Schaufler. Um dem entgegen zu wirken, gibt es von der Erste Bank unterschiedliche Initiativen. Eine solche ist beispielsweise der Erste Financial Life Park (FLIP). Dabei handelt es sich um eine weltweit einzigartige Bildungseinrichtung, die bei Jugendlichen ansetzt.  Eine weitere Initiative dreht sich um Investitionen in die Aus‐ und Weiterbildung der Berater. „In einer zunehmend komplexeren Welt setzen wir in derErste Bank auf geprüfte Experten, die den Menschen mindestens so gut verstehen wie ihr professionellesHandwerk“, betont Schaufler.

Zinsschritte kommen langsam

„Prognosen bestätigen ein anhaltend solides globales Wirtschaftswachstum – auch in Österreich. Wobei sich die Dynamik 2019 etwas abschwächen wird“, meint Gudrun Egger, Head of Major Markets und Credit Reseach. Die Kapazitäten sind dennoch gut ausgelastet, die Arbeitslosenrate sinkt in der Eurozone undzuletzt sind die Löhne erstmals seit 2012 wieder stärker als 2 Prozent gewachsen. Das ist die Voraussetzung für Zinserhöhungen in der Eurozone. „Aberselbst wenn die Zinsen im Herbst 2019 beginnen zu steigen, werden weitere Zinsschritte voraussichtlich nur langsam erfolgen und moderat ausfallen“, so Egger. Dies wird von einem anhaltenden Wirtschaftswachstum,Lohnsteigerungen und einer anziehenden Kerninflation abhängen. Es wird zwar langsam besser werden, aber man müsse geduldig sein, die Normalisierung der Geldpolitik wird dauern. „Ein Niveau von zwei bis dreiProzent bei kurzfristigen Einlagezinsen für private Haushalte ist innerhalb der kommenden drei Jahre kaumabsehbar. Damit bleiben kurzfristige Zinsen noch länger unter der österreichischen Inflationsrate“, so Gudrun Egger mit der indirekten Empfehlung in höher verzinste Wertpapier–Veranlagungsformen umzusteigen.

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