Sporthilfe‐Gala: Ein Image‐Fiasko für Veranstalter und Partner

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Die zur besten Sendezeit im ORF-Fernsehen übertragene Sporthilfe-Gala beinhart durchzuziehen, während sich ganz Österreich an die Lockdown-Maßnahmen hält, zeugt von Chuzpe und schadet allen Beteiligten.

Ganz Österreich befindet sich seit dem 3. November 2020 im Lockdown. Ganz Österreich? Nein! Die Sporthilfe‐Gala, in deren Rahmen die Sportlerinnen und Sportler des Jahres ausgezeichnet wurden und die im ORF‐Fernsehen übertragen wurde, bildete eine Ausnahme. Da können sich noch so viele Menschen in Österreich neu mit Corona infizieren, da können noch so viele in Spitäler eingeliefert und auf Intensivstationen behandelt werden – die Sporthilfe‐Gala, die auch von der Unterstützung einiger Unternehmen aus der Finanzwirtschaft profitiert, wurde beinhart durchgezogen. Und das obwohl seit 3. November so ziemlich alles außer dem Handel, Schulen der Unterstufe und dem öffentlichen Verkehr geschlossen hat, wo größere Menschenansammlungen aufeinandertreffen.

Das Fernsehpublikum traute wohl seinen Augen nicht, als am Abend des 10. November nicht etwa eine Preisverleihung mit Sicherheitsabstand unter den Ausgezeichneten und Verleihern, sondern gleich eine veritable Gala mit Publikum und allem Drum und Dran in die Wohnzimmer übertragen wurde. Wie sich Gastronomen sowie die Veranstalter von Kunst‑, Kultur‑, Sport‐ und Society‐Events, die seit eineinhalb Wochen zur Untätigkeit gezwungen sind, gefühlt haben, konnte man noch während der zur besten Sendezeit übertragenen Gala und nach der Show auf den gängigen Social‐Media‐Plattformen nachlesen.

Und wie reagiert die Sporthilfe auf den Affront gegenüber all jenen, die sich gerade im trauten Heim mit Kurzarbeits‐ und Härtefallfondsanträgen herumschlagen? Sie verschickt eine Presseaussendung mit dem Titel „Stellungnahme der Österreichischen Sporthilfe zur LOTTERIEN Sporthilfe‐Gala 2020“, in der Folgendes steht: „Wir als Österreichische Sporthilfe verstehen, dass die gestrige Ausstrahlung der LOTTERIEN Sporthilfe‐Gala vor dem Hintergrund der aktuellen Corona‐Situation Fragen aufgeworfen hat. Die LOTTERIEN Sporthilfe‐Gala, die seit Jahren als Veranstaltung mit rund 1.200 Gästen durchgeführt wird und eine der wichtigsten Einnahmequellen für die Sporthilfe als gemeinnützigen Verein darstellt, wurde im Jahr 2020 rein als TV‐Sendung ohne Gäste umgesetzt. Damit handelt es sich um keine Veranstaltung laut Covid Schutzverordnung. Die einzigen Anwesenden waren Mitwirkende der Sendung, also potentielle PreisträgerInnen und deren Begleiter, Künstler und Personen, die im Rahmen der Aufzeichnung eine Rolle hatten, sowie Mitarbeiter.“

Und dann wird noch erklärt, dass es gleich mehrere Corona‐Beauftragte gegeben habe, wie schwierig dieses Jahr für die Sporthilfe ist, dass der Event für die Sporthilfe superwichtig ist und dass man sich an alle möglichen Regeln gehalten habe. An die wichtigste Regel hat man sich allerdings nicht gehalten: Dass im Lockdown eine derartige Veranstaltung einfach nicht erlaubt ist und ein noch dazu im TV übertragener Event ein Schlag ins Gesicht von all jenen ist, denen zum zweiten Mal in diesem Jahr mehrere Wochen lang ihre Existenzgrundlage entzogen wurde. Der wohl demaskierendste Satz in der Presseaussendung ist übrigens der hier: „Alle Anwesenden in der MARX HALLE waren dienstlich oder aufgrund eines Bühnenauftritts oder eines möglichen Bühnenauftritts vor Ort.“

Schon mal etwas, von Fingerspitzengefühl gehört?

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