TQS-Studie: Mehrfach-Krisen wirken sich auf Geldbörsen der ÖsterreicherInnen aus

Ass.-Prof. Dr. Dieter Scharitzer, WU Wien / Institut für Marketing-Management
© TQS Research & Consulting

Dieter Scharitzer, Studienautor und TQS-Geschäftsführer

Laut aktueller Studie TQS Studie haben 45 Prozent der ÖsterreicherInnen seit der Corona-Pandemie für das tägliche Leben etwas bis viel weniger finanzielle Mittel zur Verfügung. Immerhin ein Zuwachs von 6 Prozent gegenüber dem Februar.

Während im Februar noch 39 Prozent der ÖsterreicherInnen angaben, etwas oder viel weniger finanzielle Mittel zur Verfügung zu haben, trifft dies im Mai schon auf 45 Prozent zu. Dasselbe Bild zeichnet sich in Folge beim Sparverhalten der ÖsterreicherInnen ab: Im Februar gaben 33 Prozent an, seit Beginn der Pandemie etwas oder viel weniger zu sparen, während 28 Prozent etwas oder viel mehr zur Seite legten. Im Mai hingegen sparen 39 Prozent weniger, während nur 24 Prozent mehr sparen.

Einem Drittel der Österreicher bleibt kein Geld zum Sparen

Dabei bleibt 31 Prozent der ÖsterreicherInnen derzeit gar kein Geld zum Sparen übrig. Von den Sparenden legt knapp über die Hälfte (52 Prozent) 10 Prozent oder weniger ihres monatlichen Einkommens zur Seite und zwei Drittel (67 Prozent) setzen auf eine sofortige bis kurzfristige Verfügbarkeit (Verwendung in den nächsten 1 bis 3 Jahren) des gesparten Geldes. Eine langfristige Perspektive (Verwendung des Geldes in 10 bis 30 Jahren) verfolgen nur 10 Prozent der sparenden ÖsterreicherInnen. In statistischen Analysen lassen sich vor allem Unterschiede zwischen den 18- bis 29-Jährigen und den anderen Altersgruppen feststellen: Bei diesen haben seit dem Beginn der Corona-Pandemie sowohl die finanziellen Mittel als auch die Menge des gesparten Geldes signifikant zugenommen. 

Großteil der ÖsterreicherInnen fühlt sich nicht ausreichend über Spar- und Vorsorgeprodukte informiert: Weniger als die Hälfte aller ÖsterreicherInnen (45 Prozent) gibt an, sich eher bis sehr gut über Spar- und Vorsorgeprodukte informiert zu fühlen. Die Produkte, die bei ÖsterreicherInnen sowohl die größte Bekanntheit als auch die größte Vertrautheit genießen, sind Sparbücher und Bausparverträge: 86 Prozent kennen erstere zumindest dem Namen nach und 83 Prozent letztere und 91 Prozent sind mit dem Sparbuch eher bis sehr vertraut, während dies beim Bausparen bei 85 Prozent der Fall ist. Dies spiegelt sich auch in der persönlichen Nutzung wider: 60 Prozent der ÖsterreicherInnen nutzen ein Sparbuch und 41 Prozent einen Bausparvertrag.

Knapp drei Viertel der ÖsterreicherInnen nicht mit Kryptowährungen vertraut

Wesentlich schlechter schneiden in dieser Hinsicht Kryptowährungen ab. Diese sind zwar bei 67 Prozent der ÖsterreicherInnen dem Namen nach bekannt, jedoch sind 71 Prozent weniger bis gar nicht mit ihnen vertraut und sie werden lediglich von einem Fünftel persönlich genutzt. Ähnlich verhält es sich bei Anleihen, die 54 Prozent der ÖsterreicherInnen bekannt sind und mit denen knapp zwei Drittel (65 Prozent) weniger bis gar nicht vertraut sind. Sie werden von nur 11 Prozent persönlich genutzt. 

„Statistische Analysen zeigen, dass es hinsichtlich Bekanntheit und Vertrautheit bei Spar- und Vorsorgeprodukten starke Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt: Männer fühlen sich mit fast allen Produkten besser vertraut als Frauen. Zwischen Einkommensgruppen gibt es ähnlich große Unterschiede: Personen mit einem Haushaltseinkommen von über 5.000 Euro sind mit dem Großteil der Produkte signifikant besser vertraut als Personen mit einem Haushaltseinkommen bis zu 3.000 Euro“, gibt Dieter Scharitzer, Studienautor und TQS-Geschäftsführer, zu bedenken.

Immobilien und Edelmetalle vor Krypto-Investitionen

Edelmetallen und Immobilien wird in Zukunft größere Bedeutung beigemessen, Kryptowährungen schon auf Platz 3: Knapp die Hälfte der ÖsterreicherInnen (48 Prozent) schätzt, dass Investitionen in Edelmetalle für sie vor dem Hintergrund momentaner Krisen in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. 43 Prozent vermuten dies hinsichtlich Investitionen in Immobilien. Nicht überraschend, da diese Sachwerte auch vor der Inflation schützen. Der größte zukünftige Bedeutungsverlust wird bei Sparbüchern und Konsumkrediten vermutet. Ungefähr zwei Fünftel (42 Prozent bzw. 38 Prozent) der ÖsterreicherInnen schätzen, dass diese Produkte für sie persönlich in Zukunft weniger wichtig sein werden. 

Dabei schätzen 18- bis 29-Jährige die persönliche zukünftige Bedeutung von Sparbüchern signifikant größer ein als alle anderen Altersgruppen und Kryptowährungen als signifikant wichtiger als es die 40- bis 65-Jährige tun. Außerdem geben Frauen eher als Männer an, dass prämienbegünstigte Zukunftsvorsorgen und Bausparen in Zukunft für sie wichtig sein werden. 

Geringe Kenntnisse über Versicherungsprodukte 

Lediglich ein gutes Drittel (36 Prozent) aller ÖsterreicherInnen gibt an, eher bis sehr gut über Versicherungsmöglichkeiten und Versiche­rungsprodukte informiert zu sein. Personen mit Pflichtschulabschluss fühlen sich weniger gut über Versicherungsmöglichkeiten und ‑produkte informiert als alle anderen Gruppen. Dies gilt außerdem für nicht berufstätige Personen im Vergleich zu Selbstständigen und Angestellten. Weiters fühlen sich Männer signifikant besser informiert als Frauen.  Die bekanntesten Produkte stellen Unfall- und KFZ-Versicherungen dar, die 85 Prozent der ÖsterreicherInnen zumindest dem Namen nach kennen. Diese werden auch am häufigsten genutzt (84 Prozent bzw. 79 Prozent). Am wenigsten bekannt sind fondsgebundene Lebensversicherungen (47 Prozent) und Haustierversicherungen (59 Prozent), wobei letztere auch am seltensten von ÖsterreicherInnen genutzt (22 Prozent) werden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Vertrautheit mit Versicherungen. Die höchsten Werte erzielt auch hier die Haushaltsversicherung, mit der 91 Prozent der ÖsterreicherInnen eher bis sehr vertraut sind, gefolgt von der KFZ-Versicherung, bei der dies bei 87 Prozent der Fall ist. Klassisches Sparbuch durch Inflation zunehmend unattraktiv: 9 von 10 ÖsterreicherInnen stimmen der Aussage zu, dass das Geld auf einem Sparbuch heute durch die Inflation immer weniger wird, und 82 Prozent stimmen zu, dass sich ein Sparbuch aufgrund der niedrigen Zinsen nicht mehr auszahlt. 84 Prozent möchten ihr Geld gegen Inflation absichern und mehr als zwei Drittel (68 Prozent) entscheiden sich für andere Vorsorgeprodukte mit höherem Ertrag als das Sparbuch. Dennoch gibt knapp die Hälfte der ÖsterreicherInnen an, dass Produkte wie Lebensversicherungen oder Wertpapiere zu kompliziert für sie sind und 78 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Sparen mit einem Sparbuch einfach und ohne Risiko ist. 

„Auch hier gibt es erhebliche Unterschiede zwischen Altersgruppen: 18- bis 29-Jährige stimmen den Aussagen, dass sich ein Sparbuch aufgrund niedriger Zinsen nicht mehr auszahlt und dass das Geld auf einem Sparbuch durch die Inflation immer weniger wird, signifikant weniger zu als alle anderen Altersgruppen. Außerdem finden sie im Vergleich zu 40- bis 65-Jährigen Produkte wie Lebensversicherungen und Wertpapiere eher zu kompliziert und legen mehr Wert auf die Tatsache, dass sie ihr Geld auf einem Sparbuch nicht sofort ausgeben können,“ meint Studienautor und Researcher, Simon Gander. 

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