Trend zu nicht börsenotierten Anlageklassen

FMA Vorstandsduo Helmut Ettl und Klaus Kumpfmüller
© Dieter Steinbach

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Laut FMA-Bericht zur österreichischen Versicherungswirtschaft in den ersten drei Quartalen 2019 wuchs das Prämienvolumen der Versicherer um 2,17 % auf 13,56 Milliarden Euro. Im Jahresbericht zur Lage der Versicherungswirtschaft 2019 ortet die FMA „attraktive Investments abseits der Kapitalmärkte im Niedrigzinsumfeld“ als Trend zu nicht börsenotierten Anlageklassen beim Anlageverhalten der Versicherer und moniert, dass die „Cyber-Resilienz derzeit noch stark ,Bottom-Up‘ getrieben ist.

Die österreichischen Versicherungsunternehmen verbuchten in den ersten drei Quartalen 2019, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, ein Prämienvolumen von 13,56 Milliarden Euro (+2,17 %): 7,83 Milliarden (+4,51 %) in der Schaden‐ und Unfallversicherung, 3,98 Milliarden (-3,19 %) in der Lebensversicherung und 1,75 Milliarden (+4,87 %) in der Krankenversicherung. Dies geht aus dem kurz vor Weihnachten von der FMA veröffentlichten Bericht zum 3. Quartal 2019 der österreichischen Versicherungswirtschaft hervor.

Das versicherungstechnische Ergebnis verbesserte sich in den ersten neun Monaten des Jahres 2019 im Vergleich zu den ersten neun Monaten des Vorjahres um 21,45 % auf 522,76 Millionen Euro. Beim Finanzergebnis wurde eine Erhöhung von 22,05 % verzeichnet, von 1,88 Milliarden auf 2,30 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite, also das Verhältnis EGT zu Prämien, betrug in den ersten drei Quartalen 9,71 %, um +2,81 Prozentpunkte mehr als im Jahr davor.

Die Summe aller Assets zu Marktwerten (exklusive der Kapitalanlagen der fonds‐ und indexgebundenen Lebensversicherung) lag Ende September 2019 bei 111,10 Milliarden Euro, um 3,25 % höher als zum Vorjahreszeitpunkt.

Lage der Versicherungswirtschaft

Mit Stichtag 30. Juni 2019 verwalteten die österreichischen Versicherer ein Vermögen in der Höhe von 132 Milliarden Euro, erhebt die FMA in ihrem „Bericht zur Lage der österreichischen Versicherungswirtschaft“, der als Weihnachtsgeschenk am 23. Dezember veröffentlicht wurde.

Demnach halten Österreichs Versicherer „im Allgemeinen konservative, von Anleihen dominierte Portfolios, die Großteiles die langfristigen Verpflichtungen in der Lebensversicherung bedienen“, analysiert die FMA. Rund 68 Milliarden Euro, rund 60 Prozent des Gesamtvermögens, waren in Staats‐ und Unternehmensanleihen sowie Anleihen‐Fonds investiert. Im Unterschied zu anderen europäischen Ländern, merkt die FMA an, „ist die österreichische Versicherungswirtschaft stärker in Unternehmensanleihen (zu 26 Prozent) als in Staatsanleihen (zu 21 Prozent) investiert. Hingegen liegt der Heimmarktanteil der Anleihen‐Portfolios mit nur 25 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt.“

Den gesamten Quartalsbericht finden Sie auf der FMA‐Webseite.

Trend zu nicht börsenotierten Anlageklassen

Europaweit sei, so die FMA, ein Trend zu nicht börsenotierten Anlageklassen festzustellen: „Das anhaltende Niedrigzinsumfeld und die tendenzielle Verschlechterung der Wirtschaftslage führen zu einem Anstieg des Kreditrisikos von Anleihen mit niedriger Bonität. Entsprechend dem internationalen Trend zählen Immobilien mit mehr als 10 Prozent Gesamtmarktanteil zu den attraktivsten Anlageklassen.

Einzelne Versicherer, analysiert die FMA, reagieren im Niedrigzinsumfeld mit der Aufstockung von Anleihen mit langen Laufzeiten und niedriger Kreditqualität sowie von Darlehen und Immobilien in ihren Portfolios. Vor dem Hintergrund neuer regulatorischer Anreize, so die FMA, „haben sich die Investments in Infrastruktur seit 2016 mehr als verdreifacht. Zum 30. Juni 2019 haben die österreichischen Versicherungsunternehmen erstmals mehr als 1 Milliarde Euro in Infrastruktur investiert.“

Cyber‐Resilienz der Versicherer „Bottom‐up“ getrieben

Die österreichischen Versichererhaben, so die FMA, „im Durchschnitt bereits wesentliche Maßnahmen zur Gewährleistung der Cybersicherheit getroffen“. Auffallend sei allerdings eine Diskrepanz zwischen dem technischen und organisatorischen Reifegrad. Insgesamt ist Cybersicherheit in den Versicherungsunternehmen derzeit stark „Bottom‐Up“ getrieben. So haben lediglich vier von zehn Unternehmen bereits explizit eine Cybersicherheitsstrategie beschlossen. Die höchsten Reifegrade erreichen die Unternehmen in den Bereichen IT‐Assets (Aktualität, Vollständigkeit und Automatisierung der Inventarisierungsprozesse von Hard‐ und Software), Berechtigungskonzepte und Netzwerksicherheit. In den Bereichen Sicherheitskonfiguration und Datensicherung ergibt sich, so die FMA, „jeweils ein gemischtes Bild: Grundlegende Maßnahmen wie der Betrieb eines Virenscanners und die Backup‐Sicherung von Daten werden weitgehend umgesetzt, weiterführende Maßnahmen wie zum Beispiel der Einsatz spezialisierter Software zum Schutz von Datenbanken sind bei den Versicherungsunternehmen noch nicht weit verbreitet“. Auch Schwachstellenmanagement und Patch Management seien bei einigen Unternehmen noch verbesserungswürdig. Aufholbedarf sieht die FMA darüber hinaus beim Schutz von Administratorenkonten sowie bei den technischen Schutzmaßnahmen im Bereich Protokollierung und Überwachung.

Der Bericht (und Vorgängerversionen bis ins Jahr 2015 zurück) stehen online auf der FMA‐Webseite zum Download bereit.

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