UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex: Erholung in Österreichs Industrie

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Deutlicher Anstieg des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Februar 2021 auf 58,3 Punkte, höchster Wert seit drei Jahren. Ausweitung der Produktionsleistung infolge der verstärkten Nachfrage aus dem In- und Ausland. Jobaufbau gewinnt an Tempo.

Nach dem guten Start ins Jahr 2021 hat sich die Industriekonjunktur in Österreich weiter verbessert. „Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex ist im Februar auf 58,3 Punkte geklettert. Damit liegt der Indikator bereits den achten Monat in Folge über der Schwelle von 50 Punkten und signalisiert damit einen ununterbrochenen Erholungskurs der heimischen Industrie, der sich jüngst sogar deutlich beschleunigt hat“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Mit der Verbesserung gegenüber dem Wert zu Jahresbeginn liegt die Entwicklung in Österreich voll im europäischen Trend. Der vorläufige Einkaufsmanagerindex für die verarbeitende Industrie im Euroraum ist im Februar auf ein Drei‐Jahres‐Hoch von 57,7 Punkten gestiegen, getragen vom starken Plus in der deutschen Industrie und von einer erstmals im laufenden Aufschwung spürbaren Wachstumsbeschleunigung der französischen Industrie.

„Die starke Verbesserung der Industriekonjunktur war im Februar auf eine kräftige Ausweitung der Produktion im Zuge der deutlich günstigeren Auftragslage zurückzuführen. Nach dem erstmaligen Beschäftigtenanstieg im Vormonat beschleunigte sich der Jobaufbau spürbar. Die Geschäftserwartungen hellten sich weiter auf, doch die stärkste Zunahme von Lieferzeiten für Vormaterialien seit 1998 könnte zumindest in den kommenden Monaten nicht nur einen starken Kostenanstieg auslösen, sondern der Erholung etwas Dynamik nehmen“, so Bruckbauer. 

Klare Verbesserung der Auftragslage 

Die Nachfrage nach „Made in Austria“ hat sich im Februar spürbar erhöht. Nachdem in den vergangenen Monaten vor allem das Ausland für mehr Aufträge sorgte, war erstmals seit dem Herbst eine zumindest gleich dynamische Nachfrage der heimischen Abnehmer gegeben. „Das stark zunehmende Neugeschäft aus dem In‐ und Ausland hat die heimischen Industriebetriebe zu einer kräftigen Ausweitung der Produktion im Februar veranlasst. Die Auftragsrückstände nahmen trotzdem deutlich zu, da Lieferengpässe von Seiten der Lieferanten zum Teil eine stärkere Erhöhung der Produktion verhinderten“, sagt UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Der bremsende Einfluss der Lieferengpässe auf die Produktion war jedoch überschaubar. Mit 56,9 Punkten lag der Produktionsindex erstmals seit zwei Monaten letztlich höher als der Kombinationsindex aus Neuaufträgen und Auftragsrückständen.

Lieferprobleme und starke Nachfrage lassen Lagerbestände sinken

Die von den befragten Unternehmen angeführten Lieferprobleme aufgrund von Kapazitätsengpässen bei Vorleistern bzw. im Transport, insbesondere durch mangelnde Verfügbarkeit von Schiffscontainern, haben sich im Februar deutlich erhöht. Mehr als 50 Prozent der Betriebe gaben an, von Lieferverzögerungen betroffen zu sein. Der entsprechende Index zeigt die stärkste Verlängerung von Lieferzeiten in der heimischen Industrie seit der erstmaligen Umfrage im Oktober 1998. Um die Verfügbarkeit von Vorprodukten sicherzustellen und aus Sorge über steigende Preise haben die heimischen Betriebe versucht über den reinen Produktionsbedarf hinaus die Menge an Rohstoffen und Vorprodukten zu erhöhen. Die Steigerung der eingekauften Menge war zwar die stärkste seit drei Jahren, blieb jedoch hinter der Dynamik in der Produktion zurück, so dass die Bestände in den Vormateriallagern im Februar erneut zurückgingen, sogar etwas stärker als im Vormonat. Um die starke Nachfrage bedienen zu können, haben die heimischen Betriebe direkt ab Lager verkauft. Die Bestände in den Verkaufslagern nahmen in der Folge so stark ab, wie zuletzt vor rund elf Jahren.

Starker Kostenanstieg 

Die Kombination aus höherer Nachfrage und einem verknappten Angebot ließ die durchschnittlichen Einkaufspreise im Februar kräftig ansteigen. Die höchsten Preissteigerungen seit einem Jahrzehnt wurden vor allem durch die Verteuerung von Chemikalien, Metallen, vor allem Stahl, und von Kunststoffen ausgelöst. Zudem belasteten auch höhere Transportkosten die heimischen Betriebe. „Die stark gestiegenen Einkaufskosten konnten die Hersteller aufgrund des scharfen Wettbewerbs nicht in vollem Umfang an die Kunden weitergeben. Trotz der stärksten Anhebung der Verkaufspreise seit fast drei Jahren hat sich die Ertragslage in der heimischen Industrie im Februar im Durchschnitt erneut verschlechtert“, so Pudschedl. Das Indexverhältnis aus Einkaufs‐ und Verkaufspreisen weist sogar auf die ungünstigste monatliche Ertragsentwicklung seit mehr als zehn Jahren hin.

Wieder mehr Jobs in der Industrie

„Nach dem Stellenabbau seit Beginn der Pandemie haben die heimischen Industriebetriebe im Jänner erstmals wieder zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Im Februar beschleunigte sich das Tempo des Jobaufbaus. Der Beschäftigtenindex stieg auf 54,5 Punkte, den höchsten Wert seit zwei Jahren. Bei stärkerer Produktionsausweitung hat sich die Produktivität im Sektor daher im Durchschnitt dennoch erneut verbessert“, sagt Pudschedl. Seit neun Monaten weist das Verhältnis des Produktionsindex zum Beschäftigtenindex auf eine Verbesserung der Produktivität in der heimischen Industrie hin, nachdem der Ausbruch der Pandemie im Frühjahr zu einer schlagartigen, massiven Verschlechterung geführt hatte.

Zuversicht in Industrie nimmt weiter zu 

Der anhaltende und sich sogar erneut beschleunigende Aufwärtstrend des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex zeigt eine Festigung der Erholung in der österreichischen Industrie mit globaler Unterstützung an. Zwar geht die Produktion in der Konsumgüterindustrie noch zurück, doch die Investitionsgüterindustrie und die Halbfertigproduktion expandieren kräftig und die bislang stark auseinanderlaufende Entwicklung der verschiedenen Industriebereiche schwächt sich mittlerweile ab. Das Indexverhältnis zwischen Neuaufträgen und den Lagerbeständen im Verkauf hat sich erhöht und weist unmittelbar auf eine dynamische Fortsetzung des Aufschwungs in der heimischen Industrie hin, denn mit den vorhandenen Lagerbeständen können die eingelangten Bestellungen nicht ohne einer weiteren Produktionsausweitung erfüllt werden. „Die aufgetretenen Störungen in den Lieferketten und die starke Verteuerung einiger Vormaterialien könnten in den kommenden Monaten das Erholungstempo bremsen, stellen aber keine langfristigen Hindernisse für den Aufschwung in der Industrie dar. Darum haben sich auch die Geschäftseinschätzungen der heimischen Betriebe für die kommenden zwölf Monate verbessert. Der Erwartungsindex ist auf 67,7 Punkte gestiegen, den besten Wert seit mehr als drei Jahren“, so Bruckbauer abschließend. 

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