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UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Juni: Aufwärtstrend der österreichischen Industrie verstärkt sich

Walter Pudschedl, UniCredit Bank Austria Ökonom
© UniCredit Bank Austria

Walter Pudschedl, UniCredit Bank Austria Ökonom

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Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex steigt auf ein neues Allzeithoch von 67 Punkten im Juni und signalisiert eine weitere Verbesserung der Industriekonjunktur.

Der Aufschwung in der österreichischen Industrie beschleunigte sich zur Jahresmitte 2021 erneut. „Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex stieg im Juni auf 67,0 Punkte. Damit erreichte der Indikator bereits den dritten Monat in Folge einen neuen Rekordwert seit der erstmaligen Erhebung vor über 20 Jahren“, sagt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Der internationale Rückenwind für die heimische Industrie ist weiter stark. Insbesondere die hohe Dynamik der deutschen Industrie, die sich in einem erneuten Rekordwert des vorläufigen Einkaufsmanagerindex von 64,9 Punkten zeigt, unterstützt kräftig.“

Die seit rund einem Jahr laufende Erholung hat dank der besonders hohen Dynamik im ersten Halbjahr 2021 nicht nur den Einbruch während der ersten Pandemiewelle ausgeglichen, sondern nun auch die Kapazitätsauslastung in der heimischen Industrie über den langjährigen Durchschnitt gehoben. „Die kräftige Beschleunigung des Neugeschäfts führte im Juni erneut zu einer deutlichen Ausweitung der Produktion, was viele zusätzliche Jobs schaffte. Die seit langem bestehenden Lieferengpässe durch Materialknappheit und mangelnde Transportkapazitäten verschärften sich jedoch erneut, so dass sich die Lieferzeiten abermals verlängerten und die Kosten weiter stark anstiegen“, fasst Bruckbauer die Ergebnisse der aktuellen Umfrage zusammen.

Blühendes Neugeschäft

Den höchsten positiven Beitrag zum Rekordanstieg des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Juni trug das Neugeschäft bei. Der entsprechende Teilindex kletterte auf 68,1 Punkte. „Die Nachfrage nach österreichischen Industrieerzeugnissen hat sich im Juni mit Rekordtempo erhöht. Insbesondere beschleunigte sich das Neugeschäft aus dem Inland, während sich erstmals im laufenden Jahr das Auftragswachstum aus dem Ausland verlangsamt hat“, sagt UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl und ergänzt: „Die Ausweitung der Produktion blieb allerdings hinter der hohen Auftragsdynamik deutlich zurück, belastet durch Probleme in der rechtzeitigen Beschaffung von Rohstoffen und Vormaterialien.“ In der Folge erhöhten sich die Auftragsrückstände der heimischen Betriebe mit neuer Rekordrate und die Lieferzeiten nahmen auf beiden Seiten der Wertschöpfungskette im Juni zu, jedoch erstmals seit einem Jahr mit geringfügig abgeschwächtem Tempo.

Rasche Erholung am Arbeitsmarkt, aber viele offene Stellen

Der Aufschwung in der heimischen Industrie schlägt sich mittlerweile sehr positiv auf dem Arbeitsmarkt nieder. „Seit einem halben Jahr erhöhen die befragten Unternehmen mehrheitlich den Personalstand. Im Juni stieg der Beschäftigtenindex auf 63,7 Punkte, den zweithöchsten jemals gemessenen Wert seit Erhebungsbeginn 1998. Seit dem Höhepunkt während der Pandemie im April 2020 sank die Arbeitslosenquote in der Industrie um durchschnittlich fast zwei Prozentpunkte. Aktuell liegt sie mit knapp über vier Prozent daher nur noch einen halben Prozentpunkt über dem Vorkrisenniveau“, so Pudschedl.

Die Deckung des rasch steigenden Bedarfs an Arbeitskräften wird für die heimischen Betriebe zunehmend schwieriger. Während in manchen Branchen noch viele Mitarbeiter zur Kurzarbeit angemeldet sind, stehen für andere Branchen passend qualifizierte und örtlich greifbare Mitarbeiter nicht in ausreichender Anzahl zur Verfügung. „Die Anzahl der offenen Stellen befindet sich in der Industrie insgesamt zur Jahresmitte auf einem Höchststand. Mit durchschnittlich 2,5 offenen Stellen pro Arbeitssuchenden ist die Stellenandrangziffer daher auf einem Tiefstwert angelangt. In Oberösterreich und Salzburg liegt die Stellenandrangziffer in der Industrie bereits unter dem Grenzwert von 1,5, den die Sozialpartner für die Definition eines Mangelberufs angesetzt haben“, so Pudschedl.

Angesichts des anhaltend hohen Erholungstempos wird sich die Arbeitslosenquote in der heimischen Industrie von durchschnittlich 4,5 Prozent im ersten Halbjahr 2021 noch auf voraussichtlich 4 Prozent im Jahresdurchschnitt 2021 verringern. Im Gegensatz zur Gesamtwirtschaft wird der Arbeitsmarkt der Industrie die Coronakrise im laufenden Jahr voraussichtlich bereits vollständig hinter sich lassen können. Der Unterschied in der Arbeitslosenquote zwischen Industrie und Gesamtwirtschaft betrug vor Ausbruch der Pandemie 2019 vier Prozentpunkte und dürfte sich damit noch erhöhen. Für die Gesamtwirtschaft erwarten die Ökonomen der UniCredit Bank Austria eine Arbeitslosenquote von 8,7 Prozent im Jahresdurchschnitt 2021.

Starker Anstieg der Nachfrage und Lieferprobleme treiben Kosten weiter in die Höhe

Angesichts des starken Neugeschäfts und zur Absicherung gegen mögliche Produktionsausfälle durch Lieferengpässe erhöhten die heimischen Betriebe im Juni deutlich ihre Bestellmengen an Vormaterialien und Rohstoffen. Die Bestände in den Vormateriallagern nahmen den zweiten Monat in Folge zu, mit deutlich höherem Tempo als im Vormonat. „Die wachsende Nachfrage und die Verschärfung von Lieferproblemen führten zu einer Fortsetzung des starken Kostenauftriebs der Vormonate mit sogar noch etwas höherem Tempo. Der Preisauftrieb im Verkauf fiel im Juni deutlich geringer aus, aber die Überwälzung der gestiegenen Kosten auf die Absatzpreise nimmt zu“, so Pudschedl. Als Folge der starken Nachfrage verringern sich die Bestände in den Fertigwarenlagern mittlerweile seit genau einem Jahr.

Wachstumshöhepunkt in der Industrie voraussichtlich erreicht

Der aktuelle UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex ist im Juni nach einem vollen Jahr über der Wachstumsgrenze von 50 Punkten auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Damit weist der Indikator zur Jahresmitte 2021 auf ein Wachstum der heimischen Industrie im Höchsttempo hin. Die internationalen Vorgaben, wie die meisten Einkaufsmanagerindizes anderer Länder sowie die Exportauftragsentwicklung lassen für die kommenden Monate eine leichte Abschwächung der Dynamik erwarten. „Die österreichische Industrie dürfte zur Jahresmitte 2021 den Höhepunkt der laufenden Erholung erreicht haben. Neben der Verlangsamung der internationalen Unterstützung stellen in den kommenden Monaten die stark gestiegenen Kosten eine konjunkturelle Belastungsprobe dar, zumal die Lieferengpässe bei manchen Vormaterialien zum Teil bis über den Jahreswechsel hinaus anhalten könnten“, erwartet Bruckbauer und ergänzt: „Trotz steigender Risiken auch in Hinblick auf den Pandemieverlauf ab Herbst wird die österreichische Industrie 2021 weiter einen kräftigen Wachstumskurs halten und mit einem Produktionsanstieg um zumindest 8 Prozent das höchste Plus der vergangenen 20 Jahre erreichen. Somit wird sie den Einbruch des Jahres 2020 von 7,5 Prozent mehr als kompensieren.“

Wenn auch die internationale Unterstützung in den kommenden Monaten etwas nachlassen dürfte, ergeben sich durch die komplette Öffnung der heimischen Wirtschaft seit Mitte Mai zum Beispiel für die Konsumgüterindustrie verbesserte Rahmenbedingungen, die versprechen, dass der starke Aufholprozess der vergangenen Monate in einen nachhaltigen, länger andauernden Konjunkturaufschwung übergeht. Der Optimismus in der Industrie bleibt jedenfalls hoch. Der Erwartungsindex für die Produktion der kommenden zwölf Monate ist im Juni wieder leicht auf 67,5 Punkte angestiegen und übertrifft weiterhin sehr deutlich den langfristigen Durchschnittswert.

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