UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator: Ukraine-Konflikt dämpft Wachstumsaussichten

Walter Pudschedl, UniCredit Bank Austria Ökonom
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Walter Pudschedl, UniCredit Bank Austria Ökonom

Die Verbesserung des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators vor Ausbruch der Ukraine-Krise im Februar lag bei 3,8 Punkten. Russland-Sanktionen, hohe Energiepreise und Unsicherheit dämpfen Konjunkturerholung in Österreich um kumuliert 1,25 Prozentpunkte.

Knapp vor Beginn des Kriegs in der Ukraine hat sich die Konjunkturstimmung in Österreich nach dem Einbruch aufgrund des Lockdowns rund um den Jahreswechsel verbessert. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator ist im Februar auf 3,8 Punkte gestiegen. Die Lockerung der Pandemiemaßnahmen und eine leichte Entspannung der Lieferprobleme haben der heimischen Wirtschaft mehr Rückenwind verliehen und den Konjunkturoptimismus gegenüber dem Jahreswechsel erhöht“, sagt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Mit der Eskalation der Ukraine-Krise haben sich die Rahmenbedingungen jedoch verändert. Die Erholung der österreichischen Wirtschaft wird sich spürbar verlangsamen. Zum einen beeinträchtigen die Russland-Sanktionen direkt den Außenhandel. Vor allem aber werden die höheren Energiepreise indirekt über Einkommens- und Gewinneinbußen die Nachfrage abschwächen.“

Trotz der zusätzlichen Belastungen durch die Eskalation der Ukraine-Krise ist nach Einschätzung der Ökonomen der UniCredit Bank Austria die österreichische Wirtschaft nach dem pandemiebedingten Rückgang Ende 2021 im ersten Quartal 2022 wieder zurück auf Wachstumskurs. Allerdings ist auch in weiterer Folge mit einem deutlich langsameren Erholungstempo als bisher erwartet zu rechnen. „Insgesamt gehen wir von einem negativen Wachstumseffekt durch die Ukraine-Krise von rund 1,25 Prozentpunkten kumuliert in den nächsten beiden Jahren aus. Für 2022 erwarten wir ein Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent und damit 0,9 Prozentpunkte weniger als vor Ausbruch des Konflikts. 2023 wird der BIP-Anstieg mit 2,6 Prozent um etwa 0,4 Prozentpunkte geringer ausfallen als bisher erwartet“, meint Bruckbauer.

Im Wesentlichen wird die österreichische Wirtschaft auf zwei Ebenen belastet. Zum einen beeinträchtigen die Sanktionen direkt den Außenhandel mit Russland. Allerdings betrugen die Exporte nach Russland 2021 nur knapp 2 Mrd. Euro, das entspricht nur 0,5 Prozent des BIP. Zum anderen und von weit größerer Bedeutung ist die Betroffenheit der Wirtschaft von einem Preisanstieg oder gar einem möglichen Lieferstopp von Importgütern aus Russland, insbesondere von Gas, das Österreich bisher zu rund 80 Prozent aus Russland bezogen hat.

Die Prognose der Ökonomen der UniCredit Bank Austria unterstellt, dass es vorerst zu keinem Lieferstopp von Gas oder anderen Rohstoffen (z.B. Erze, Metalle, Agrarprodukte) kommt, sehr wohl jedoch deutlich höhere Preise zu erwarten sind. „Konkret wird der Anstieg der Rohstoffpreise sich negativ auf die Entwicklung der verfügbaren Einkommen der Haushalte sowie die Gewinne der Unternehmen auswirken und somit vordringlich den Konsum jedoch auch die Investitionstätigkeit dämpfen. Die hohe Verunsicherung wird die Konjunkturstimmung in den kommenden Monaten belasten und diesen Effekt noch verstärken“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Inflationsanstieg verstärkt und verlängert

Der vor allem energiepreisbedingte Anstieg der Inflation verursacht durch das hohe Erholungstempo und die globalen Lieferengpässe setzte sich zu Beginn 2022 weiter fort und lag im Februar voraussichtlich bei 5,9 Prozent im Jahresvergleich. Damit erreichte die Teuerung den höchsten Wert seit dem Sommer 1984.

„Aufgrund der Eskalation der Ukraine-Krise wird sich die Inflation in den kommenden Monaten sogar noch weiter beschleunigen, da ein deutlicher Anstieg der Energiepreise eingesetzt hat. Neben dem Ölpreis, der auf über 120 US-Dollar pro Barrel gestiegen ist, werden aufgrund der Versorgungsabhängigkeit von Russland auch der Gaspreis und in dessen Sog der Strompreis die Inflation weiter auf Werte über die Marke von 6 Prozent im Jahresvergleich anheizen. Im Jahresdurchschnitt 2022 erwarten wir mittlerweile eine Teuerung von 5,9 Prozent“, meint Pudschedl.

Während die Energiepreisdynamik für die Beschleunigung der Inflation im Jahr 2022 hauptverantwortlich sein wird, ist mittlerweile mit Zweitrundeneffekten unter anderem durch höhere Nahrungsmittelpreise zu rechnen, die die erwartete Beruhigung der Inflation ab Herbst dieses Jahres verlangsamen werden. Die Überwälzung der höheren Inputkosten auf die Konsumenten dürfte kurzfristig zwar stark ausfallen, aber im Jahresverlauf nachlassen, da die Ersparnisse aufgezehrt werden und daraufhin die Nachfrage nachlassen wird. 2023 wird die Inflation trotz abnehmenden Aufwärtsdrucks der Energiepreise durch Zweitrundeneffekte, wie z.B. die Indexierung der Mieten, mit 2,3 Prozent im Jahresdurchschnitt überdurchschnittlich hoch bleiben. Die Zweitrundeneffekte über die Löhne sollte überschaubar bleiben, da eine erhöhte Unsicherheit auch Auswirkungen auf die Lohnverhandlungen haben sollte und die Inflationserwartungen mittelfristig wieder ein niedrigeres Niveau anzeigen.

Krieg in der Ukraine wird Arbeitsmarkt belasten

Nach dem leichten Anstieg während des vergangenen Lockdowns hat der rückläufige Trend der Arbeitslosenquote zu Jahresbeginn wieder eingesetzt. Mit 6,8 Prozent hat die saisonbereinigte Arbeitslosenquote in Österreich Ende Februar sogar den tiefsten Wert seit zehn Jahren erreicht.

„Nach 8,0 Prozent im Jahr 2021 erwarten wir einen Rückgang der Arbeitslosenquote auf 6,7 Prozent im Jahresdurchschnitt 2022. Angesichts der hohen Anzahl an offenen Stellen wird sich der Verbesserungstrend vom Jahresbeginn vorerst noch fortsetzen. Die Konjunkturverlangsamung infolge der kriegerischen Auseinandersetzung wird jedoch die Entwicklung am Arbeitsmarkt beeinträchtigen, daher wird sich der Verbesserungstrend zumindest verlangsamen“, so Pudschedl. Für 2023 ist mit einem moderaten Rückgang der Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent im Jahresdurchschnitt zu rechnen, den niedrigsten Wert seit 2008.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Auf längere Sicht dürfte der durch die Auswirkungen des Ukrainekriegs sich weiter verschärfende Zielkonflikt zwischen höherer Inflation und schwächerem Wachstum die ohnehin schon schwierige Aufgabe der EZB weiter erschweren. „Wir gehen davon aus, dass nach der Einstellung des PEPP-Programms Ende März auch die Nettokäufe im Rahmen des regulären Wertpapierkaufprogramms APP noch in diesem Jahr eingestellt werden. Bewegung bei den Zinsen erwarten wir jedoch erst für 2023. Der Einlagensatz könnte bis Mitte 2023 in zwei Schritten auf Null angehoben werden. Der Konflikt in der Ukraine löst im Vergleich zu unseren bisherigen Erwartungen eine Verzögerung der Normalisierung der Geldpolitik im Euroraum um zumindest ein Quartal aus“, so Bruckbauer abschließend.

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