UniCredit Bank Austria-Umfrage: Krise verstärkt Trend zu Wertpapieren und nachhaltigen Veranlagungen

Robert Zadrazil, Vorstandsvorsitzender der UniCredit Bank Austria
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Robert Zadrazil, Vorstandsvorsitzender der UniCredit Bank Austria

Klassische Anlageformen wie das Sparen sind laut einer Befragung der UniCredit Bank Austria weiter rückläufig, Investments in Wertpapiere und Immobilien steigen deutlich an, Kryptowährungen verlieren an Interesse und stagnieren im Besitz.

Die aktuelle von der UniCredit Bank Austria in Auftrag gegebene Umfrage von Marketagent.com unter 600 Interviewten zum Anlageverhalten der ÖsterreicherInnen zeigt, dass Investments in Wertpapiere im Vergleich zum Vorkrisenniveau auf 28 Prozent (2019: 19 Prozent) und nachhaltige Veranlagungen auf 11 Prozent (2019: 4 Prozent) deutlich gestiegen sind. Besonders ausgeprägt sind diese Entwicklungen bei jungen BankkundInnen unter 30 Jahren. In dieser Altersgruppe investieren 31 Prozent (2019: 14 Prozent) in Wertpapiere, aber auch nachhaltige Veranlagungen haben sich mit 13 Prozent (2019: 4 Prozent) mehr als verdreifacht.

Sparprodukte bleiben, trotz der hohen Inflation und der niedrigen Zinsen, die häufigste Investitionsform (57 Prozent), verlieren aber im Vergleich zum Vorkrisenniveau an Attraktivität (2019: 63 Prozent). Starke Rückgange verzeichnen auch das Bausparen, nur mehr 30 Prozent der Befragten veranlagen ihr Geld auf diesem Wege (2019: 44 Prozent), sowie Veranlagungen in die private Pensionsvorsorge (22 Prozent versus 31 Prozent in 2019) und Lebensversicherungen (29 Prozent versus 37 Prozent in 2019).

Investments in Immobilien stiegen 2022 von 21 Prozent im Vorjahr auf 25 Prozent, Kryptowährungen werden zwar häufiger gehalten (10 Prozent versus 4 Prozent in 2019), stagnieren aber bereits seit 2021 auf diesem Niveau, während das Interesse an dieser Anlageform bereits wieder abnimmt (12 Prozent versus 14 Prozent in 2021).

„Unsere aktuelle Umfrage zeigt einen dauerhaften Wandel der Einstellung bei den Befragten: Wertpapiere werden von den Menschen verstärkt zur langfristigen Vermögensabsicherung und zur Altersvorsorge genutzt sowie um für die Familie vorzusorgen, während das Interesse an Sparprodukten, der privaten Pensionsvorsorge und Lebensversicherungen deutlich zurückgeht. Weiters stehen nachhaltige Investments und realistische Rendite-Erwartungen keineswegs im Widerspruch. Die Menschen sind zunehmend vom Potenzial nachhaltig agierender Unternehmen überzeugt, wollen in diese investieren und an deren Erfolg partizipieren“, sagt Robert Zadrazil, Vorstandsvorsitzender der UniCredit Bank Austria.

Krise verändert die Motivation für das Sparen

Das klassische Sparen bei der Bank ist mit 57 Prozent zwar weiter gesunken (2019: 63 Prozent), steht aber noch immer an erster Stelle der beliebtesten Anlageformen. Krisenbedingt verlieren aber konsumorientierte Bewegründe für das Sparen wie das Ansparen auf einen Urlaub (28 Prozent versus 37 Prozent in 2019), ein Auto (19 Prozent versus 31 Prozent 2019) oder eine Immobilie (11 Prozent versus 19 Prozent 2019) deutlich an Bedeutung. Dagegen ist das Aufbauen einer Liquiditätsreserve für den Notfall (62 Prozent versus 53 Prozent in 2019) aktuell mit deutlichem Abstand der wichtigste Beweggrund zu sparen.

8 Milliarden Euro realer Vermögensverlust bei Einlagen 2021

2020 ist die Sparquote in Österreich von 8,5 Prozent auf 14,4 Prozent gestiegen und 2021 auf 11,7 Prozent zurückgegangen. „Für 2022 erwarten wir einen deutlichen Rückgang der Sparquote auf 5,4 Prozent, diese liegt unter dem Niveau der Jahre vor der Pandemie. Die niedrige Sparquote ist einerseits das Ergebnis von Nachholeffekten beim Konsum, aber auch der hohen Preissteigerungen im Vergleich zum Einkommenswachstum“, zeigt eine Analyse des Chefökonomen der UniCredit Bank Austria Stefan Bruckbauer. Rund die Hälfte des Geldvermögens in Österreich liegt in Bankeinlagen und knapp unter einem Viertel in Wertpapieren bzw. Versicherungsprodukten.

Allein 2021 war der reale Verlust für Einlagen rund 8 Milliarden Euro und 2022 dürfte er aufgrund der hohen Inflation fast dreimal so hoch ausfallen, also 24 Milliarden Euro. Wäre beim Geldvermögen der österreichischen Haushalte der Anteil von Einlagen und Wertpapieren umgekehrt, also rund ein Viertel in Einlagen und die Hälfte in Wertpapieren, dann hätten die österreichischen Haushalte in den letzten zehn Jahren nicht real jährlich knapp 2 Milliarden Euro verloren, sondern knapp 2 Milliarden Euro real gewonnen.

„Viele Menschen nehmen den Wertverlust ihres Ersparten nach wie vor in Kauf, ohne aktiv chancenreiche Handlungsalternativen in Betracht zu ziehen. Es ist unsere Aufgabe, hier weiterhin Aufklärungsarbeit zu leisten und die Chancen aufzuzeigen, die der Kapitalmarkt bietet, wenn man auf die Beratung durch ExpertInnen setzt“, führt Robert Zadrazil dazu aus.

Knapp 80 Prozent wollen sich beraten lassen

77 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich beim Veranlagen von ExpertInnen beraten lassen wollen. Ein Wert, der sich auch bei den WertpapierbesitzerInnen (79 Prozent) und jungen BankkundInnen unter 30 Jahren (78 Prozent) bestätigt. Ein Unterschied zeigt sich hier bei den Geschlechtern, Frauen (81 Prozent) vertrauen eher auf diese Expertise als Männer (72 Prozent), die verstärkt auf eigene Faust recherchieren wollen.

„Die Umfrage zeigt deutlich, dass die Beratung durch Expert:innen in Veranlagungsfragen weiterhin einen hohen Stellenwert besitzt. Als moderne Omnichannel-Bank haben wir laufend unsere digitalen Kanäle verstärkt und können unseren Kund:innen zum Beispiel durch Videoberatung noch mehr Flexibilität bieten. Videoberatung stellt eine einfache und gerne angenommene Alternative zum persönlichen Treffen oder Telefonieren dar und wesentliche Bankgeschäfte können bequem von zu Hause aus erledigt werden“, sagt Daniela Barco, Vorständin UniCredit Bank Austria für Privatkunden.

Generell ist die Wertpapier-Veranlagung bei Frauen noch deutlich niedriger ausgeprägt als bei Männern (19 Prozent versus 37 Prozent), in den letzten Jahren ist aber eine deutliche Aufholbewegung bei den Frauen sichtbar (2019: 11 Prozent). Die private Pensionsvorsorge ist bei Frauen ein vieldiskutiertes Thema, dennoch wird sie im Geschlechtervergleich deutlich weniger genutzt, bei Männern lag der Wert 2022 bei 26 Prozent, bei Frauen nur bei 18 Prozent.

Nachhaltiges Veranlagen auf dem Vormarsch

Rund drei Viertel der Befragten zeigen Interesse an nachhaltiger Veranlagung. Besonders junge BankkundInnen wollen, dass mit ihrem Geld etwas für Klima- und Umweltschutz getan wird. Die Aussicht auf eine attraktive Rendite hat für alle befragten Gruppen oberste Priorität, das „gute Gewissen“ spielt für Frauen (82 Prozent) und junge BankkundInnen (80 Prozent) eine deutlich größere Rolle als für Männer (67 Prozent).

60 Prozent geben zudem an, dass ein Investment in alternative Energien seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine deutlich interessanter geworden ist. Stark bleibt hingegen die Ablehnung von Atomkraft, 65 Prozent lehnen ein Investment in diesem Bereich prinzipiell ab, bei den Frauen sind es sogar fast 80 Prozent.

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