UniCredit Bank Austria Volkswirtschaft: Nach historischem Einbruch ist nun Erholung in allen Bundesländern in Sicht

Walter Pudschedl, UniCredit Bank Austria Ökonom
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Walter Pudschedl, UniCredit Bank Austria Ökonom

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Die Pandemie verursachte 2020 eine starke Rezession in allen Bundesländern und sorgte für einen massiven Anstieg der Arbeitslosenquoten. Doch für 2021 ist Rückgang der Arbeitslosenquoten in allen Bundesländen zu erwarten.

Die Maßnahmen gegen die Pandemie mit den harten Lockdowns beginnend im März und November des Vorjahres verursachten in Österreich mit einem Wirtschaftseinbruch von 6,3 Prozent die größte Rezession in Friedenszeiten seit der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre. Am stärksten waren die persönlichen und körpernahen Dienstleistungen und Teile des Handels betroffen. Die Industrie und die Bauwirtschaft passten sich rasch an die geänderten Rahmenbedingungen an. In den Bereichen Gesundheit, IT‐Dienstleistungen und im Immobilienwesen zeigte sich dagegen in beinahe allen Bundesländern ein positiver Trend.

Alle Bundesländer verzeichneten 2020 eine Rezession für die Geschichtsbücher. „Je nach Branchenstruktur in den einzelnen Bundesländern variierte die Stärke des Wirtschaftseinbruchs. Am stärksten waren die Tourismushochburgen im Westen von den Pandemie‐Maßnahmen betroffen, während die Regionen mit höherem Industrieanteil bzw. größerem öffentlichen Sektor etwas besser durch die Krise kamen“, sagt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Burgenland und Tirol mit dem schwächsten bzw. stärksten Rückgang der Wirtschaftsleistung

Obwohl alle Bundesländer die Corona‐Krise wirtschaftlich massiv spürten, gab es eine beträchtliche Spannweite bei den Wachstumsraten zwischen den Bundesländern. Das Burgenland mit dem höchsten Anteil des relativ krisensicheren öffentlichen Sektors verzeichnete 2020 mit 4,7 Prozent den geringsten Rückgang der regionale Wertschöpfung. Tirol mit dem höchsten Tourismusanteil aller Bundesländer war mit minus 8,7 Prozent der Wirtschaftsleistung am schlimmsten von der Pandemie betroffen. Besser als der bundesweite Schnitt von ‑6,3 Prozent entwickelten sich zusätzlich zum Burgenland auch Kärnten mit ‑5 Prozent, Wien (-5,5 Prozent), Vorarlberg (-6,1 Prozent) sowie recht knapp Niederösterreich und Oberösterreich (jeweils ‑6,3 Prozent), die neben der teilweise günstigeren Branchenstruktur von einer relativ guten Entwicklung entweder in der Industrie oder in der Bauwirtschaft profitierten. Neben den Tourismushochburgen Tirol und Salzburg (-7,0 Prozent) war auch im Industrieland Steiermark mit ‑6,8 Prozent die Rezession überdurchschnittlich stark. In der Steiermark kam neben der Pandemie eine strukturelle Krise in der wichtigen Fahrzeugindustrie hinzu. 

Massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit

Die Arbeitslosigkeit erreichte mit Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 in allen Bundesländern historische Höhen. „Nach einer leichten Erholung über den Sommer stiegen im Vorjahr die Arbeitslosenquoten in den Bundesländern im Herbst mit dem zweiten Lockdown wieder deutlich an“, sagt UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Der Arbeitsmarkt ist meist ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Entwicklung. Den größten relativen Anstieg der Arbeitslosenzahl gab es 2020 in Tirol und Salzburg, die auch den größten Rückgang ihrer Wirtschaftsleistung verzeichneten. Es wurden neue Kurzarbeitsbestimmungen eingeführt, um möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern. Von März bis Dezember des Vorjahres waren österreichweit knapp 12 Prozent der Aktiv‐Beschäftigten in Kurzarbeit. In Kärnten war der Anteil am geringsten mit knapp 9 Prozent, in Oberösterreich war er mit fast 14 Prozent am höchsten.

Globale Krise führte zu Rückgängen bei Exporten

Insgesamt gingen im Vorjahr die österreichischen Ausfuhren von Waren aufgrund der Corona‐bedingten Verwerfungen der globalen Lieferketten um 7,5 Prozent auf 141,9 Milliarden Euro zurück. Der Exporteinbruch war in den Industriehochburgen Steiermark und Oberösterreich am stärksten, die in erster Linie von der fehlenden globalen Nachfrage in der Fahrzeugindustrie, im Maschinenbau und in der Metallindustrie betroffen waren. In Wien und Tirol hingegen gab es sogar ein Plus bzw. nur ein kleines Minus bei den Ausfuhren, was vor allem auf die krisensichere Pharmaindustrie zurückführen ist, die in beiden Ländern eine große Bedeutung hat.

Die Wertschöpfung in der Industrie ging im Vorjahr um fast 7 Prozent zurück. „Relative Stärke zeigte die Sachgütererzeugung in Wien, Kärnten und Salzburg, während in der Steiermark und Niederösterreich die Produktionsleistung am stärksten zurückging“, sagt Pudschedl. 

Im Vergleich zur Industrie kam die österreichische Bauwirtschaft mit einem Wertschöpfungsverlust von 2,3 Prozent besser durch die Krise. Der Bausektor ist weniger stark von der globalen Konjunktur abhängig und konnte sich relativ rasch an die geänderten Bedingungen anpassen. Trotz Pandemie gab es ein Wertschöpfungsplus beim Bau in Vorarlberg und Salzburg. Einen überdurchschnittlichen Rückgang der abgesetzten Produktion meldeten die Bauunternehmen in Wien und Kärnten.

Viele Verlierer und wenige Gewinner im Dienstleistungssektor

Innerhalb des Dienstleistungssektors, der im Vorjahr real 6,5 Prozent an Wertschöpfungsverlust verzeichnete, zeigte sich ein äußerst heterogenes Bild. Je nach Stärkefeldern der einzelnen Bundesländer war die regionale Entwicklung bei den Dienstleistungen sehr unterschiedlich. Tirol und Salzburg, als Tourismushochburgen, mussten den größten Rückgang der Wirtschaftsleistung im Dienstleistungssektor im Bereich von ‑10 Prozent bzw. von ‑8 Prozent hinnehmen. In Bundesländern wie dem Burgenland und Kärnten mit relativ hohem Wertschöpfungsanteil des öffentlichen Sektors war der Wirtschaftseinbruch im tertiären Sektor nur halb so hoch. In allen Bundesländern gab es neben dem Tourismus auch in der Freizeitwirtschaft, in Teilen des Handels und in der Transportwirtschaft massive Wertschöpfungsverluste. Ein Wachstum in allen Regionen gab es hingegen in der Informationstechnologie sowie im Immobilien‐ und Finanzwesen.

Ausblick 2021: Unterschiedlich starke Erholung in den Bundesländern

Aufgrund der aufgehellten Konjunktur im ersten Quartal 2021 und der besseren Stimmung unter anderem wegen der Öffnungsschritte im Mai und des Impffortschritts rechnen die Ökonomen der UniCredit Bank Austria mit einem Wirtschaftswachstum für heuer von real 3,2 Prozent. Es werden 2021 voraussichtlich alle Bundesländer auf den Wachstumspfad zurückkehren, wobei der Grad der Erholung sehr unterschiedlich ausfallen wird.

„Die industrieorientierten Bundesländer wie Oberösterreich und die Steiermark mit einer hohen Exportquote profitieren heuer von der stark verbesserten globalen Konjunktur, während Tirol und Salzburg nach dem de facto Totalausfall der vergangenen Wintersaison im Tourismus nur relativ schwach wachsen“, erwartet Pudschedl. Neben Oberösterreich und Steiermark prognostizieren die Ökonomen auch für Kärnten ein deutlich überdurchschnittliches Wachstum von fast 4 Prozent. Das Wirtschaftswachstum der restlichen Bundesländer wird voraussichtlich im Bereich des bundesweiten Durchschnitts von 3,2 Prozent liegen. Damit dürfte 2021 kein Bundesland das Vorkrisenniveau erreichen.

Sinkende Arbeitslosenquote 2021 in allen Bundesländern

„Die Arbeitslosenquoten werden 2021 in allen Bundesländern sinken“, sagt Pudschedl und ergänzt: „trotzdem sind sie überall immer noch deutlich höher als im Vorkrisenjahr 2019.“ Wie schon im Vorjahr dürfte Oberösterreich mit 5,9 Prozent die geringste Arbeitslosenquote erreichen. Schlusslicht bleibt nach den Erwartungen der UniCredit Bank Austria Ökonomen Wien mit 14,1 Prozent.

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