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Verheerende Signale (oder: Old Boys, go home!)

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Politische Seilschaften verhindern in Unternehmen und Institutionen, in die sie im wahrsten Sinn des Wortes „hineinregieren“ können, aus Angst vor dem Unvorhersehbaren neue, frische, kreative und innovative Persönlichkeiten an den Schalthebeln.

Was da im Hintergrund läuft, will man als Staatsbürger oftmals gar nicht so genau wissen, weil man sich sonst auf gut Wienerisch „anspeiben“ würde. Die Rede ist von Posten‐ und Funktionsneubesetzungen in staatsnahen Institutionen und Unternehmen. Und es wird Sie, liebe Leserin, lieber Leser, jetzt vielleicht überraschen, aber es soll auf den nachfolgenden Zeilen nicht um die ÖBAG und deren Vorstand Thomas „Ich liebe meinen Kanzler“ Schmid gehen. Ja, das dargebotene Schauspiel um die Installierung von Schmid ist auch auffallend deprimierend, aber was hat mal als gelernter Österreicher an der Spitze der Österreichischen Beteiligungs AG erwartet: Etwa einen ausgewiesenen Fachexperten ohne Parteibuch, ohne Vorleben in einer parteipolitischen Vorfeldorganisation und ohne exzellente Verbindungen in die höchsten Kreise der Bundesregierung? Eben.

Aber das, was dieser Tage im Österreichischen Skiverband abging, übertrifft selbst die Erwartungen vieler leidgeprüfter Österreicher: Da bewerben sich zwei ausgewiesene Experten um das Amt des ÖSV‐Präsidenten, die die Materie, um die es geht, besser verstehen, als 99,9 Prozent der Bevölkerung, die den ÖSV von Kindertagen an in‐ und auswendig kennen, die in der Bevölkerung ein hohes Ansehen genießen, verdiente Weltklassesportler sind und beide Idealbesetzungen wären, und keiner der beiden trägt dann den Sieg davon, sondern ein Dritter, der ursprünglich gar nicht im Rennen war. Die Nomenklatura hatte anscheinend andere Pläne. Die Landesverbände setzen auf eine Beibehaltung des Status quo. Unvorhersehbare Veränderung ist das Letzte, was man will, wobei mit „man“ wohl auch der scheidende ÖSV‐Präsident gemeint ist. Und so wird Schröcksnadels Nachfolger ein Nationalratsabgeordneter aus der Steiermark, Präsident des dortigen Skiverbands und – jetzt kommt’s – Seilbahnbetreiber und langjähriger Seilbahngeschäftsführer. Sie, liebe Leserin, lieber Leser, müssen sich das so vorstellen: Götschl und Walchhofer haben sich im Starthäuschen positioniert, noch ein paar Auflockerungsübungen gemacht, sind kraftvoll losgestartet, auf der Ideallinie hinuntergestochen, über die Ziellinie geflitzt … und gewonnen hat letztendlich ein gewisser Karl Schmidhofer. Die Signale, die der ÖSV damit aussendet, sind natürlich fatal. Das Neue, Frische, Kreative und Innovative ist an der Spitze des Skiverbandes nicht erwünscht, sondern die Fortsetzung der bisherigen Linie. Achtung: Über die Qualität und das Potential von Karl Schmidhofer soll und kann hier gar nicht geurteilt werden. Vielleicht ist er ja sogar bestgeeignet. Es geht nur um das Signal an all jene, die Veränderung wollen, neue und frische Ideen haben und die Dinge einmal anders angehen würden. Denn eines ist klar: Trotz aller Erfolge ist auch im ÖSV nicht immer alles top. Angesichts der eingesetzten Mittel und des unglaublichen Aufwands müssten die ÖSV‐Läufer eigentlich Jahr für Jahr alle anderen Nationen an die Wand fahren. Tun sie aber nicht. Im Gegenteil: Immer wieder wird die ÖSV‐Armee von Miniteams aus Ländern, von denen man vor ein paar Jahren noch gar nicht wusste, dass dort Ski gefahren wird, vorgeführt.

Ist der ÖSV ein Einzelfall? Natürlich nicht. Überall dort, wo die Politik in die Wirtschaft – und der ÖSV ist in erster Linie ein Wirtschaftsfaktor und erst in zweiter Linie eine Sportinstitution – hineinregieren kann, tut sie dies auch. Und deshalb sitzen an so vielen Schalthebeln der Macht willfährige Menschen, die sich ihres üppigen Salärs und ihrer Machtfülle erfreuen, umgeben von Schulterklopfern, ohne Korrektiv, ohne tiefgreifende Ahnung von der Materie, ohne Vision, ohne Plan, aber mit einer Menge Freunde in den Reihen der Regierenden – übrigens nicht nur auf Bundes‑, sondern auch auf Landes‐ und Gemeindeebene.

Wie schön wäre es, wenn einmal neue, frische, kreative und innovative Persönlichkeiten in die Pole Positions politiknaher Unternehmen gehievt würden? Wie schön wäre es, wenn Diversity nicht nur propagiert, sondern gelebt würde? Wie schön wäre es, wenn die unsäglichen Old Boys Platz endlich machen müssten? Verdammt schön. Und verdammt gut für die Unternehen. Möglichkeiten, endlich mal frische, neue Kräfte in der ersten Reihe zu installieren, gibt es für die Politik nahezu täglich. Liebe Politiker: Try it, you may like it!

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