Altersdiskriminierung bei Krediten – das geht besser!

Österreichs Banken haben Angst davor, dass ältere KreditnehmerInnen die vollständige Rückzahlung ihres Kredits nicht mehr erleben und gewähren gleich gar keinen Kredit. Jetzt soll ein Gesetz diesen Missstand beenden.

Ich will Sie, liebe Leserin, lieber Leser, nicht lange auf die Folter spannen: Die Altersdiskriminierung bei Krediten ist natürlich kein Renommee. Und ein wenig kurz gedacht. Allein, dass man diese Debatte im Jahr 2022 überhaupt noch führen muss, ist schade. Und dass nun Justizministerin Alma Zadic ein Gesetz vorbereiten muss, das vorsieht, dass Banken älteren Menschen einen Kredit gewähren müssen, wenn entsprechend Sicherheiten vorhanden sind, ist auch traurig. Wir als Gesellschaft brauchen also eine in ein Gesetz gegossene Norm, die uns verpflichtet, den Omas und Opas dieses Landes Geld zu borgen, wenn die sich (sorry, das sind halt immer die klassischen Beispiele) einen Treppenlift oder eine Gasheizung (weil Ölheizungen ja bald nicht mehr erlaubt sein werden) einbauen lassen wollen. 

Die Argumentationslinie der Kreditvergeber ist immer so, dass man älteren Menschen dann keinen Kredit gewährt, wenn die Tilgung desselben länger dauern würde, als die SeniorInnen laut statistischer Lebenserwartung am Leben wären. Die Banken haben also Angst davor, dass der Kreditnehmer oder die Kreditnehmerin die vollständige Rückzahlung des Kredits nicht mehr erlebt. Ja, das mit den Sicherheiten ist so eine Sache, wenn ein Sparbuch oder eine Immobilie zur Erbmasse werden. Aber das wird man doch irgendwie sinnvoll in den Griff bekommen, so dass die Banken am Ende nicht durch die Finger schauen. Ausnahmsweise sind wir in Österreich mit einem Missstand übrigens nicht allein auf weiter Flur – denn auch in Deutschland musste erst der Gesetzgeber ran, um den Banken zu untersagen, dass sie SeniorInnen einen Kredit verweigern dürfen. 

Mal ganz unabhängig davon, dass Gesellschaften eine Verantwortung gegenüber denen haben, die ihr Erwerbsleben schon hinter sich haben, treiben die heimischen Bankinstitute die Kundschaft mit derartigen Usancen natürlich reihenweise zu ausländischen Anbietern. Das ist für Oma und Opa nicht immer ideal, weil die Konditionen im Normalfall nicht die günstigsten sind, aber es ist immerhin besser, als den Treppenlift und die Gasheizung nicht finanzieren zu können. Und wenn Oma und Opa ihren Kindern und Enkerln erzählen, welche Bank ihnen letztendlich aus der Patsche geholfen hat, werden vielleicht auch die hellhörig und ziehen für ihre Bankgeschäfte eine internationale einer nationalen Bank vor, weil der Standort eines Instituts und eine Filiale um die Ecke im Jahr 2022 überhaupt kein Argument für oder gegen Bank A oder Bank B ist. Und parallel laufen in den Werbeblöcken im TV wunderschöne Werbespots, in denen BankkundInnen und BankberaterInnen um die Wette grinsen und alle glücklich und zufrieden sind, weil alle so viel Respekt und Wertschätzung füreinander übrig haben.

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