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Wieviel Ethik braucht der Finanzjournalismus?

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Vor Kurzem fand im ÖBV-Atrium (Österreichische Beamtenversicherung) die Podiumsdiskussion „Ethik im Finanz- und Wirtschaftsjournalismus“ des Finanzjournalistenforums statt. Vertreter der Finanzbranche sowie journalistisch Tätige widmeten sich der ewig aktuellen Frage: Wie gesellschaftspolitisch korrekt muss die Finanzberichterstattung sein? Ein zentraler Aspekt der Debatte war die Selbstverpflichtung des Journalismus, die wirtschaftlichen Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft einer ethischen und moralischen Kontrolle zu unterziehen: „Finanz- und Wirtschaftsjournalisten haben nicht nur die Aufgabe, zu informieren, sondern auch, für die moralische Kontrolle der Wirtschaft zu sorgen. Die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Medien erfordern es, immer mehr Geschichten in kurzer Zeit zu liefern. Unter diesen Umständen ist eine gründliche und kritische Berichterstattung nur noch sehr eingeschränkt möglich. Das ist bedauerlich, denn die Anforderungen an einen kritischen und gut informierten Journalisten sind in Folge der Finanzkrise stark gewachsen “, so DI Martin Kwauka, Initiator des Finanzjournalistenforums.

A.o. Univ‐Prof. Dr. Fritz Hausjell beleuchtete in der Diskussion einige Interessenskonflikte und Defizite im Bereich des Finanzjournalismus: „Die klassischen Medien befinden sich in einer Vertrauenskrise, welcher nur durch Erhöhung der Transparenz begegnet werden kann. Die Gründung des Selbstkontrollgremiums Österreichischer Presserat ist ein wichtiger, aber nicht ausreichender Schritt. Vielmehr müssen klare Unvereinbarkeitsregeln vereinbart werden: Eigentümer und Herausgeber von Medien, in denen Finanzjournalismus angeboten wird, sollten weder an Unternehmen beteiligt sein dürfen, die Finanzprodukte anbieten, noch in deren Aufsichtsgremien vertreten sein.” Finanzjournalisten sollten nach Ansicht von Hausjell die Möglichkeiten, die ihnen digitale (Medien)-Archive bieten, stärker nutzen, um so aktuelle Entwicklungen in der Finanzwirtschaft mit der Geschichte zu vergleichen.

Dr. Michael Fembek, ehemals Chefredakteur‐Stellvertreter des GEWINN und aktuell Programm‐Manager der Essl Foundation, sieht die Sache illusionslos: „Die Finanzjournalisten sind heute oft in prekären Arbeitsverhältnissen, mit immer seltener werdenden Vollzeitanstellung eingebettet. Viele sehen sich mit laufenden Einsparungen in den Redaktionen konfrontiert, während die Unternehmen, über die berichtet werden soll, teils durchaus über große finanzielle Mittel verfügen. Das Geschäftsmodell der meisten Wirtschaftsmagazine basiert seit langem im Wesentlichen auf den Anzeigeneinnahmen. Ein Geschäftsmodell, das aber seit Jahren rückläufig ist und auch nicht mehr zurückkommen wird, wenn man die Breite der heutigen Kommunikationsmöglichkeiten von Unternehmen bedenkt.“ Generell sei es beispielsweise für die Finanzjournalisten derzeit nicht einfach, Lesern einen Weg durch die aktuelle Niedrigzinsphase mit hohen Aktienkursen und Immobilienpreisen, niedrigsten Anleiherenditen und Guthabenzinsen zu empfehlen – speziell auch aus langfristigen Vorsorgeüberlegungen.

Astrid Valek, Leiterin der Kommunikation und des Marketing der ÖBV, brachte die Sicht von Medienkonsumenten ein: „Trotz spürbarer Einsparungen in den Redaktionen ist die Qualität im Finanzjournalismus immer noch sehr gut. Schade ist aber, dass die Berichterstattung von einigen wenigen großen Unternehmen dominiert ist. Aus Lesersicht sollten auch kleine Unternehmen mit weniger Marketingbudget zu Wort kommen.“

Was weiters auffalle sei Tatsache, dass die Berichterstattung in allen Medien und Kanälen relativ homogen ist, was darauf schließen lasse, dass die Eigenrecherche von Journalisten nicht so groß ist und überwiegend Pressetexte übernommen werden. „Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Qualität einen höheren Stellenwert erhält und Leser für gute journalistische Leistungen Geld ausgeben, genauso wie für andere Dinge des Lebens,“ so die Kommunikationschefin des Gastgebers.

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