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Wir Pfundskerle haben wieder alles richtig gemacht!

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Die Wirecard-Affäre um knapp zwei Milliarden Euro, die nur vermeintlich auf Konten auf den fernen Philippinen lagen, fördert eine zutiefst österreichische Charaktereigenschaft zu Tage.

Jetzt haben natürlich alle „immer schon gewusst“, dass da nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist bei Wirecard. Und das obwohl CEO Markus Braun noch vor wenigen Wochen allerorts gelobt und gefeiert, ja geradezu hofiert wurde. Dass da irgendwas mit den Einlagen bei zwei philippinischen Banken nicht ganz stimmig sei, war schon länger – in der britischen Finanzpresse – gemunkelt worden. Andererseits wollte man dem Fintech‐Shootingstar aus dem eigenen Land nicht ans Bein pinkeln. Jetzt hatte man da schon mal einen, der ganz vorne mitspielte – da wollte man den natürlich nicht gleich vorverurteilen, schießlich war man auch ein wenig stolz auf den Mann und war geneigt, sich in seinem Erfolg zu sonnen.

Aber jetzt, wo die Münchner Staatsanwaltschaft ihres Amtes waltete, da kommen schon die ersten aus der Deckung: Im aktuellen „trend“ spöttelt ein nicht näher definierter Finanzmann, der nicht genannt werden will, über die „zwei Vorortebanken in Manila“ und wundert sich, warum internationale Top‐Banken von ABN Amro bis Commerzbank nicht schon vor Monaten Lunte gerochen haben. Aber so ist das halt: Wer den Schaden hat, muss für den Spott nicht zu sorgen. Dass es natürlich kein schönes Bild abgibt, dass Braun angesichts des drohenden Show‐downs rund um die riesige Bilanzlücke noch schnell einen Teil seiner Wirecard‐Anteile im Ausmaß von 7 Prozent verkaufte und dabei mehr als 150 Millionen Euro lukrierte, ist auch klar. Allerdings möge jeder, der sich in einer derartigen Lage anders verhalten hätte, den ersten Stein werfen. Eines nur zur Klarstellung: Hier soll nicht der Eindruck entstehen, dass Bilanzfälschungen und die Vorspiegelung falscher Tatsachen – falls es sich darum handelt – in irgendeiner Art und Weise zu entschuldigen sind.

Das weiß auch Wilhelm Rasinger, der Präsident des Österreichischen Interessensverbands für Anleger, in besagtem „trend“-Artikel, wenn er meint: „Glücklicherweise veranlagen die Österreicher konservativ und haben die Finger davon (Anmerkung: von Wirecard‐Anteilen nämlich) gelassen.“ Dass die Finanzwirtschaft die Österreicher seit Jahrzehnten mit überschaubarem Erfolg davon überzeugen will, bei ihren Veranlagungen auch mal rechts und links von Sparstrumpf, Bausparvertrag und Sparbuch zu sondieren, wird da natürlich elegant verschwiegen.

Fazit: Kollektives Aufatmen auf der Insel der Seeligen! Wieder alles richtig gemacht! Super! Wir haben’s einfach drauf! Und dass bei Wirecard irgendwas komisch ist, haben wir auch immer schon gewusst. Wir haben’s halt nur nicht artikuliert! Der Mann war ja schließlich beim Thinktank von Kanzler Kurz mit von der Partie und wurde weltweit gefeiert …

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