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Wolfgang Braunwieser, SBS: „Wir waren weltweit eines der ersten Unternehmen, das NFC am Geldautomaten für die Bargeldabhebung unterstützt hat.“

© Luigi Caputo

Dipl.-Ing. Wolfgang Braunwieser, CEO der Salzburger Banken Software GmbH (SBS)

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Im Interview mit ForumF spricht Wolfgang Braunwieser, CEO der Salzburger Banken Software (SBS), darüber, was SBS allgemein macht, welche Innovationen im SB-Gerätebereich zu erwarten sind und in welchen Märkten SBS bereits erfolgreich aktiv ist.

ForumF: Herr Braunwieser, aufgrund der Corona‐Pandemie ist der Bedarf an kontaktlosen Bezahloptionen im Handel stark gestiegen und wurde über alle Altersgruppen hinweg angenommen. Wie gestaltete sich parallel dazu aus Ihrer Sicht der Trend zu NFC am Geldausgabeautomaten?

Wolfgang Braunwieser: NFC ist Teil eines größeren Trends zur Effizienzsteigerung von Bezahlvorgängen, mit dem sich SBS schon lange beschäftigt – sowohl auf der Kundenseite in Bezug auf die Usability als auch auf der Kostenseite. Die Transaktion wird schneller und der Kunde verweilt kürzer am Endgerät. Das bedeutet, dass ein SB‐Gerät für mehr Transaktionen zur Verfügung steht und damit im besten Fall mehr Einnahmen in Form von Transaktionsgebühren erwirtschaftet. Gleichzeitig kann die Geräteanzahl reduziert werden, wodurch Kosten gesenkt werden. SBS war weltweit eines der ersten Unternehmen, das NFC am Geldautomaten für die Bargeldabhebung unterstützte. Für diese technische Innovation wurde SBS 2020 mit dem „Constantinus Award“ ausgezeichnet. Wir sehen darin eine wichtige Wertschätzung für uns als mittelständisches Familienunternehmen und das ist für uns ein wichtiger Motivator, auch in Zukunft Innovationen im SB‐Geräte‐Bereich auf den Markt zu bringen.

ForumF: Unabhängig vom kontaktlosen Abheben: Welche Innovationen sehen Sie im SB‐Geräte‐Bereich generell und was ist bei SBS in der Pipeline? 

Braunwieser: Im Rahmen der SB‐Optimierung beschäftigen wir uns derzeit mit dem ganzheitlichen Betrieb der SB‐Geräte für Banken und Rechenzentren. Dabei unterstützen wir unsere Kunden, den Multivendor‐Ansatz in alle Bereiche des zukünftigen SB‐Betriebs zu tragen. Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass ein kostenoptimierter Betrieb mit einer Auswahl an idealen Dienstleistern besser funktioniert und den Vorteil hat, dass man sich als Bank oder Rechenzentrum weder dem Risiko eines einzelnen Betreibers ausliefern muss noch die Kontrolle über eine wichtige Kundenschnittstelle verliert. Technologisch und betriebswirtschaftlich arbeiten wir daran, mit Hilfe von Cloudtechnologie und Künstlicher Intelligenz weitere Effizienzsteigerungen zu erzielen. Dabei geht unser Ansatz über die „Predictive Maintenance“ auf der Basis von Hardwaremeldungen hinaus. Denn wir sind in der Lage die Abläufe auf einer höheren Ebene aus ganzheitlicher Sicht inklusive der Hardware, der Software, der digitalen Schnittstellen und des Benutzerverhaltens zu betrachten. Ein weiteres spannendes Thema ist die Unterstützung von Transaktionen mit digitalem Zentralbankgeld, den sogenannten Central Bank Digital Currencies (CBDCs). Beschließt die EZB die Einführung des digitalen Euro, dann sind wir mit unserem Expertenwissen im Bereich der Kryptographie und der Geldausgabe bereits darauf vorbereitet, für den Konsumenten den Kreislauf zwischen „klassischem Bargeld“ und CBDCs zu schließen.

ForumF: Das Jahr 2020 war für viele Industrien ein Krisenjahr. Wie hat sich 2020 für SBS aus wirtschaftlicher Sicht dargestellt und wie ist 2021 angelaufen? 

Braunwieser: Wir beobachten bei unseren Kunden eine nach wie vor stabile Nachfrage und sind im Jahr 2020 erneut gewachsen. Das ist ein Trend, der sich gemäß unseren aktuellen Prognosen auch im Jahr 2021 fortsetzen wird. Wir sehen eine zukünftige Herausforderung darin, die Geldautomatennetzwerke noch effizienter zu gestalten. Im Klartext bedeutet dies: Der Markt wird sich deutlich verändern. Geräte werden abgebaut oder zumindest wird der Gesamtbestand an Geldautomaten stagnieren. Dadurch entstehen noch höhere Ansprüche an die verbleibenden Geldautomaten. Eine perfekte Qualität der Lösung ist zwingend erforderlich, um Ausfälle zu verhindern. Entscheidend ist unserer Überzeugung zufolge aber, dass die Banken und Rechenzentren, die sich nun überlegen Services auszulagern, trotzdem die Steuerung strategisch auch in Zukunft in ihren Händen zu halten. Sie stellen damit sicher, dass ausgelagerte Services in ihrem Interesse kostenmäßig optimal gesteuert werden. Unser Anspruch ist es, die Kosten des Gesamtsystems zu senken und dabei die Verfügbarkeit auf dem höchsten Niveau zu halten.

ForumF: In Österreich laufen über 50 Prozent aller Geldausgabeautomaten mit SBS‐Software. Trotzdem ist SBS so etwas wie ein „Hidden Champion“ und nur Bankeninsidern ein Begriff. Warum eigentlich? 

Braunwieser: Wir verstehen uns als Dienstleister der Banken und anderer SB‐Gerätebetreiber. Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der ForumF‐Leser schon einmal Bargeld am Geldautomaten mit unserer Software behoben hat. Für den Endbenutzer ist es unerheblich, wer die Softwarelösung erstellt. Viel wichtiger ist es, dass die mehr als 100 Millionen Bargeldabhebungen, mit denen jährlich mehrere Milliarden Euro ausbezahlt werden, korrekt funktionieren und dass die in Österreich installierten 8.900 Geldautomaten rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

ForumF: Wie sieht die Produktwelt von SBS aus und was zeichnet die Softwarelösungen Marke SBS konkret aus? 

Braunwieser: Der SB‐Bereich erfordert ein großes Spezialwissen und SBS kann hier auf eine jahrzehntelange kundenorientierte Expertise aufbauen. Zu unseren wichtigsten Produkten gehören: – KIXCustomer, unsere Softwarelösung auf dem SB‐Gerät inklusive der Implementierung des Interface zum Endkunden. Hier ermöglichen wir durch browser‐basierte Technologien eine ideale Kombination: individuelle Anpassung des User Interface durch Konfiguration, einfache personalisierte Kundenansprache und bei Bedarf auch ein kartenbasierter Brandwechsel („White‐Label ATM“). – KIXOperator, unsere Lösung für das SB‐Gerätemanagement mit den Kernbereichen Inventory Management, Monitoring, Konfiguration, Analyse und Zusatzfunktionen wie zum Beispiel einer echten bedienerlosen Softwareverteilung. Ein wichtiger Baustein für eine kosteneffiziente Kontrolle des eigenen SB‐Gerätenetzwerkes. – Speziallösungen, wie unser Chipmodul für die Kommunikation der Kundenchipkarte mit dem Geldautomaten gemäß internationalen Standards, kommen auf circa 80 Prozent der Geldautomaten in Österreich zum Einsatz.

ForumF: In Deutschland bringt es SBS sogar auf einen Marktanteil von 60 Prozent: Wie würden Sie Ihr Alleinstellungsmerkmal in Ihrem Marktsegment beschreiben? 

Braunwieser: Es freut uns sehr, dass wir auch in den Nachbarländern erfolgreich sind. Unsere Softwarelösungen kommen damit auf mehr als 65.000 SB‐Geräten zum Einsatz. Diese hohe Anzahl an Geräten und Gerätemodellen verschiedenster Hersteller, die durch unsere Softwarelösungen in der DACH‐Region bereits unterstützt werden, unterstreicht in Verbindung mit der Herstellerneutralität der Lösung unser Know‐how über alle Details eines optimalen SB‐Betriebs.

ForumF: Die SBS ist auch in der Schweiz aktiv und hat dort eine Niederlassung etabliert: Wie wichtig ist die Schweiz als Absatzmarkt und wie sehen dort Ihre Ziele aus? 

Braunwieser: Generell sehen wir die DACH‐Region als ein in der SB‐Welt spezielles Ökosystem, da viele Banken und Rechenzentren seit jeher sehr individuelle technische Lösungen betreiben. Eine individuelle Schnittstelle am SB‐Gerät stellt dabei einen hohen Wert in der Kundenbindung dar. Daher war es naheliegend für uns, auch in der Schweiz unsere Kompetenz und Erfahrung anzubieten. Beim ersten Kunden in der Schweiz wurde bereits Ende März 2020 der Rollout unserer Lösung abgeschlossen, und somit ist nun auch im Schweizer Markt erstmals eine echte Multivendorsoftware breitflächig im Einsatz. Unser Ziel ist klar, dass auch weitere Banken im Schweizer Markt die Möglichkeit erhalten unsere eigenen herstellerneutralen Softwareprodukte erfolgreich einzusetzen. Unserer Wahrnehmung nach ist das Preisniveau am Schweizer Markt, insbesondere der Gerätehardware und der Serviceleistungen, nach wie vor um einiges höher als bei uns in Österreich oder in Deutschland. Umso wichtiger ist es, mit dem relativ kleinen Kostenblock der Software entscheidende Einsparungen bei der Anschaffung, der Instandhaltung und der Befüllung des Geldautomaten zu bewirken.

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