World Property & Casualty Insurance Report: Klimawandel belastet Versicherungsbranche

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Martin Fenyoe, Head of Sales bei Capgemini in Österreich

Der Report von Capgemini und Efma zeigt, dass für 73 Prozent der Versicherungsnehmer der Klimawandel zu den größten Sorgen zählt, aber nur 8 Prozent der Versicherer haben klimaresiliente Geschäftsmodelle.

Eine zunehmende Anzahl von Wetterereignissen wirkt sich negativ auf die Versicherungsbranche aus. Damit steigt auch die Erwartung an die Versicherer, künftige Schäden sowohl abzusichern als auch präventiv entgegenzuwirken. Die Studienautoren halten folgende Eckpunkte fest:

  • Die durch den Klimawandel verursachten wirtschaftlichen Schäden sind in den letzten drei Jahrzehnten weltweit um 250 Prozent gestiegen.
  • 73 Prozent der Versicherungsnehmer weltweit zählen den Klimawandel zu ihren drei größten Sorgen.
  • Versicherer weltweit teilen die Einschätzung ihrer Kunden; für rund 40 Prozent haben Herausforderungen durch den Klimawandel höchste Priorität – mit Versicherbarkeit und Profitabilität als den größten klimabezogenen Herausforderungen.

„Durch die gravierenden Auswirkungen des Klimawandels stehen Versicherer auch in Österreich in der Verantwortung, eine größere Rolle bei der Risikominderung zu spielen. Wer jetzt auf Nachhaltigkeit setzt und vorausschauende Geschäftsentscheidungen trifft, wird als Versicherer für Kunden relevant bleiben und wachsen“, sagt Martin Fenyoe, Head of Sales bei Capgemini in Österreich. „Mit Erfolg nachhaltig werden jene Versicherer sein, die über eine starke Governance verfügen, belastbare Erkenntnisse aus Daten gewinnen und sich auf die Prävention von Risiken konzentrieren. Zusätzlich müssen sie ihre Resilienz steigern, indem sie auch im Underwriting und bei Investionen auf Nachhaltigkeit setzen.“

Naturkatastrophen haben in den vergangenen 30 Jahren zu einem 3,6‑fachen Anstieg der versicherten Schäden und einer Verdopplung der nicht versicherten Schäden geführt. Dies ist einerseits problematisch, andererseits aber auch eine Chance für die Versicherer, sich neu auszurichten, um ihre Kunden auch in diesem dynamischen Umfeld optimal zu beraten, so die Einschätzung der Studienautoren.

Vorreiter richten Betriebsmodelle auf Minderung von Klimarisiken aus

Grundlegende Änderungen sind erforderlich, um kundenzentrierte, resiliente Geschäftsmodelle zu entwickeln. Der Studie zufolge achten weltweit mehr als 80 Prozent der Privatkunden und kleineren Geschäftskunden der Versicherungswirtschaft sehr genau auf die Auswirkungen des Klimawandels.

Sie haben in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine zentrale Nachhaltigkeitsmaßnahme ergriffen. Auch Versicherer müssen mehr tun, um die negativen Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen, denn nur 8 Prozent der befragten Versicherer können bislang als Vorreiter – sogenannte „Resilience Champions” – gelten. Sie sind im Report definiert als diejenigen, die über eine starke Governance, ausgeprägte Datenanalysefähigkeiten sowie einen klaren Fokus auf Risikoprävention verfügen und ihre Resilienz durch ihre Underwriting- und Investitionsstrategien erhöhen.

Balance zwischen Risikoprävention und Risikomanagement gefragt

Um Klimaresilienz zu realisieren, müssen Versicherer ihre Geschäftsmodelle neu konzipieren und eine Balance von Risikoprävention und Risikomanagement finden. Die Studienautoren empfehlen ein „Climate Resiliency Framework“, um die Fähigkeiten aufzubauen, die die Unternehmen in der sich verändernden Risikolandschaft brauchen. Sie regen die Versicherer dazu an, derzeitige Modelle zur Risikobewertung von neuem zu durchdenken, Risikoprävention im großen Maßstab einzuführen sowie ein Resilienz-Ökosystem zu schaffen, indem sie nachhaltige Investitions- und Underwriting-Strategien verfolgen – über Ausschluss- und Veräußerungsmaßnahmen hinaus. Unter den befragten Unternehmen, die als „Resilience Champions“ angesehen werden können,

  • haben weltweit 82 Prozent eineN NachhaltigkeitsbeauftragteN oder eine gleichwertige Position – gegenüber nur 52 Prozent im Branchendurchschnitt.
  • haben 77 Prozent Daten zu Klimarisiken in ihre Produkte und Services integriert. Im Branchendurchschnitt ist die bei lediglich 29 Prozent der Versicherer der Fall.
  • sind fast 60 Prozent – im Branchendurchschnitt 35 Prozent – weit fortgeschritten bei der Einführung von Tarifierungsmodellen auf der Basis maschinellen Lernens.
  • nutzen rund 53 Prozent mindestens sechs neue Datenquellen, um zuverlässige und detaillierte Informationen über Risiken in Echtzeit zu erhalten. Im weltweiten Branchendurchschnitt trifft dies auf lediglich 27 Prozent der Versicherer zu. Zu diesen neuen Datenquellen zählen u.a. Satellitendaten, Remote-Sensoren, Wetterstationen, Geodaten, Daten aus sozialen Netzwerken, ESG-Modelle und Wasserstände.

Versicherer sollten Klimaresilienz in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie verankern

Der Report schließt mit drei Handlungsempfehlungen, um die Klimaresilienz der Versicherer sowie ihre Relevanz und Profitabilität zu stärken.

  1. Die Versicherer sollten Klimaresilienz in ihre Nachhaltigkeitsstrategie integrieren und Top-ManagerInnen eine klare Agenda zuweisen, um Verantwortlichkeiten und Rechenschaftspflichten zu vereinbaren.
  2. Um die Kluft zwischen langfristigen Zielen und kurzfristiger Planung zu überbrücken, sollten Versicherer ihre Innovationskonzepte überarbeiten und Resilienz in der gesamten Wertschöpfungskette des Versicherungsunternehmens anlegen.
  3. Schließlich gilt es für Versicherungsunternehmen, ihre Technologiestrategie neu zu definieren, indem sie Produktinnovation, Kundenerlebnis sowie Corporate Citizenship in den Mittelpunkt stellen. Technologien wie IoT, Cloud, KI, ML und Quantencomputing können dies unterstützen.

„Obschon die meisten Versicherer die Auswirkungen des Klimawandels bestätigen, muss mehr getan werden, was die Entwicklung konkreter Klimaresilienzstrategien angeht. Die KundInnen achten zunehmend darauf, wie sich der Klimawandel auf ihr Leben auswirkt. Daher ist es wichtig, dass auch die Versicherer ihr Commitment zeigen, indem sie ihre Produktpalette weiterentwickeln, um sowohl die elementare Rolle von Nachhaltigkeit für unsere Branche zu würdigen als auch im sich kontinuierlich verändernden Markt wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagt John Berry, CEO der Efma.

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