Die ganze Welt bezahlt die Zeche dafür, wenn größenwahnsinnige Diktatoren oder Autokraten Kriege anzetteln. Die Auseinandersetzung in der Ukraine führte zu Beginn zu enormen Verwerfungen auf den Energiemärkten, die sich nach einiger Zeit aber deutlich abschwächten. Die Gas-Versorgung betroffener Länder wurde großteils auf neue Beine gestellt, der Ölpreis normalisierte sich. Der von Israel und den USA angezettelte Iran-Krieg hat jetzt den selben Effekt. Wenn der bewaffnete Konflikt noch länger andauern sollte, wird man auch hier andere (und wahrscheinlich teurere) Möglichkeiten finden, beim Transport für Öl und andere Güter neue Wege zu beschreiten. Diesmal leidet nicht nur Europa, sondern von Asien bis in die USA die Bevölkerung des gesamten Erdballs an den höheren Kosten für Energie und Transport.
Die Folgen für die Weltwirtschaft sind noch nicht abschätzbar, aber sie werden enorm sein. Viele Kommentatoren neigen dazu, das übliche Klischee hervor zu streichen. Die USA und China werden ihre wirtschaftliche Vormachtstellung ausbauen, Europa das Nachsehen haben. Das könnte sich als Binsenweisheit entpuppen.
Wo die Verlierer der Kriege sind
Der finanzielle Schaden, den Donald Trump mit seiner erratischen Politik im eigenen Land anrichtet, wird mit jedem Tag größer. Seine Zölle sind mittlerweile großteils illegal und werden zu einer wahren Prozessflut führen. Die enormen Kriegskosten treiben die ohnehin bereits schwer verschuldete USA in die nächste Budgetkrise. Tourismus und Handel leiden unter dem Imageverlust der (noch) größten Wirtschaftsmacht der Welt. China bezieht wie ganz Asien große Mengen an Erdöl aus dem arabischen Raum und befindet sich im wirtschaftliche Dauerkonflikt mit den USA. Es werden ebenfalls Zölle gegen Nachbarstaaten verhängt und ein drohender militärischer Konflikt mit Taiwan ist nicht auszuschließen.
Russland profitiert kurzfristig zwar vom höheren Ölpreis, doch wirtschaftlich ruiniert Putin das Land zunehmend durch seinen Langzeit-Krieg ohne Aussicht auf ein baldiges Ende. Schwer betroffen sind auch die arabischen Länder im Nahen Osten. Die Erfolgsstory von Dubai, Abu Dhabi & Co. als aus Ölmilliarden errichtetes Paradies ist zu Ende, der Tourismus ist tot, große Energieanlagen schwer beschädigt.
Frieden und Stabilität ist der große Wettbewerbsvorteil
Und Europa? Es ist genauso betroffen wie der Rest der Welt. Wir haben auch kein Milliarden-Projekt wie den Starlink von Elon Musk und bei weitem nicht so viele seltene Erden wie China. Aber der „alte” Kontinent hat das Zeug zum „Krisengewinner”. Er kann etwas vorweisen, was gerade in Zeiten wie diesen ein unschätzbarer Wettbewerbsvorteil ist: In der Europäischen Union herrscht Frieden und Stabilität. Das schätzen Investoren, darüber freuen sich sogar die Bürger. Nicht zu vergessen ist, dass die EU ein Markt von 450 Millionen Menschen ist, die über eine beträchtliche Kaufkraft verfügen. Die europäischen Staaten sind in der Regel gefestigte Demokratien, das muss man in Zeiten wie diesen extra betonen. Das haben sogar die (Rechts-) Populisten unter den Politikern erkannt, die ganz schön kleinlaut geworden sind, was Angriffe auf die Union betrifft. Sind sie einmal in einer Regierung, werden sie entweder vom Wähler wieder abgestraft und zurückgedrängt (wie in Polen, hoffentlich kommendes Wochenende in Ungarn) oder wandeln sich wie Giorgia Meloni in Italien.
Natürlich hat die EU ihre Defizite, ihre Schwerfälligkeit. Das Festhalten an gewissen demokratischen Prinzipien wie Einstimmigkeit in großen Fragen oder „jedem Land sein Kommissar” haben in einer kleineren Gemeinschaft gut funktioniert. Aber mit 27 Mitgliedern und bald noch mehr wird man so manche Regel neu definieren müssen. Vieles geht zu langsam, zu bürokratisch und oft erschallt der Ruf nach einer „starken” Führung. Die EU ist kein Staat und schon gar keine Diktatur. Aber es gibt genug besonnene Politiker, die sich nicht an Trumps Krieg beteiligen werden und standhaft gegen Putin zusammenstehen, auch wenn das viel Geld kostet.
Aber es verwundert nicht, dass so viele Menschen lieber in Europa leben würden. Das ist mehr Chance als Bedrohung, denn (qualifizierte) Arbeitskräfte werden angesichts der schrumpfenden Geburtenzahlen immer gefragt sein. Die illegale Migration muss man in geordnete Bahnen lenken, auch wenn das eine Herkules-Aufgabe ist. Machtpolitisch könnten die Europäer zwar noch einiges dazulernen. Das geht leichter wenn man erkennt, wie stark die eigene Position als Friedensanker ist, inmitten einer Welt von Kriegstreibern und machtversessenen Idioten.










