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Big Interview mit Thomas John von Deloitte

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, mit der Gesprächsserie „Big Interview“ wollen wir als Medium den dynamischen Entwicklungen unserer Branche Rechnung tragen. Und zwar auf die bestmögliche Art: durch Informationen, Ideen und Erfahrungen aus erster Hand. Von den „Movers and Shakers“, die uns ausführlich Einblick in ihre Verantwortung und ihre Sichtweisen geben und damit neue Horizonte und wertvolles Wissen vermitteln. Wir hoffen, Ihnen damit – als Infoservice der Branche – wichtige Impulse und noch mehr Lesevergnügen zu bieten. Ihr ForumF-Team

Herr John, Anfang des Jahres wurden Sie in der Deloitte Financial Advisory GmbH mit der Funktion eines „Directors“ im Bereich Banking, Treasury & Capital Markets betraut. Welche Aufgaben und Verantwortungen sind damit konkret verbunden?

Meine Aufgaben sind sehr vielfältig. Zum einen trage ich die fachliche Verantwortung für Themen, welche sich beispielsweise mit dem Zahlungsverkehr und auch der Resilienz von dafür genutzten Technologien beschäftigen. In diesem Zusammenhang gilt es, aufbauend auf regulatorischen Entwicklungen sowie aktuellen Trends am Markt, bestehende Services weiterzuentwickeln und neue Services zur Umsatzgenerierung zu schaffen. Zum anderen gehört auch die Führung von Mitarbeitenden zu meinem Verantwortungsbereich. Ein entscheidender Erfolgsfaktor für mich ist in diesem Zusammenhang ein motiviertes und kompetentes Team gleichermaßen aufzubauen und weiterzuentwickeln.

In der Finanzindustrie ist viel Bewegung. Das betrifft nicht nur die Strukturen und Player, sondern auch in ganz besonderem Maße die Themen, die die Agenda bestimmen. Aus Ihrer Sicht: was sind die Wesentlichen und warum?

Wir befinden uns aktuell in einer herausfordernden Phase für die Finanzindustrie, in der die geltende Regulatorik immer umfassender und komplexer wird. Dies betrifft sowohl Regularien, die mit den Konzepten „Open Banking“ (Payment Service Directive 2/3 (PSD2/3), „Payment Service Regulation“ (PSR)) und „Open Finance“ (Financial Data Access Regulation (FiDA)) in Verbindung stehen, als auch Regularien, die sicherstellen sollen, dass die zum Betrieb notwendigen Technologien überwacht und geschützt werden. Als Beispiele sind hier der Digital Operational Resilience Act (DORA) oder der Artificial Intelligence Act erwähnenswert.

Aufbauend auf diesen und weiteren Regularien, etwa Vorgaben zur Schaffung elektronischer digitaler Identitäten, bestimmen derzeit auch Entwicklungen zu digitalen Assets und Geld die Agenden der Finanzindustrie und den damit verbundenen Marktteilnehmern. Das betrifft beispielsweise auch Handelsunternehmen. Während Ansätze und Lösungen zu Stablecoins und anderen digitalen Vermögenswerten bereits weit verbreitet sind, gewinnen Diskussionen über digitales Zentralbankengeld, wie etwa der geplante „digitale Euro“, zunehmend an Bedeutung und beschäftigen die Industrie intensiv.

Nicht weniger wichtig ist der Einfluss von steigenden Anforderungen zum Nachweis der Anforderungen an die Systemsicherheit. Dies betrifft beispielsweise Vorgaben von SWIFT oder dem EPC im SEPA-Umfeld durch interne Kontrollsysteme. Auch der Umgang mit Legacy-Anwendungen steht weiterhin im Fokus und prägt die Agenden der Player in der Finanzindustrie.

Sie stehen als Beratungsunternehmen in permanentem Wettbewerb mit anderen aus diesem Segment. Wie wichtig ist es dabei ein Profil zu entwickeln und was sind dabei die Herausforderungen?

Für uns als Beratungsunternehmen ist es natürlich wichtig, ein Profil zu erarbeiten und dieses bei den Kunden und Kundinnen durch qualitativ hochwertige und zeitgerechte Leistung in Projekten weiter auszubauen. Oft ist dies ein langwieriger Prozess. Meine Erfahrung aus der Vergangenheit und auch der Gegenwart zeigt, dass Einsatz und Qualität in der Regel sehr geschätzt werden und häufig zu langjährigen Geschäftsbeziehungen mit unseren Kunden und Kundinnen führen.

Mit Blick auf meine eigene berufliche Entwicklung kann ich sagen, dass der Aufbau eines Netzwerks sowie die Pflege bestehender Kontakte essenziell ist und sich über Jahre stetig durch neue Kontakte weiterentwickeln kann.

Abschließend ist aber auch festzuhalten, dass der Markt im Bereich der Unternehmensberatung überschaubar ist und ein Austausch innerhalb des Wettbewerbsumfelds üblich ist. Auch dieser Dialog ist wichtig und kommt letztlich unseren Kunden und Kundinnen zugute.

Die Welle der digitalen Transformation macht vor keinem Prozess, keiner Geschäftssparte, keinem Segment halt. Was sehen Sie für die Institute als die derzeit wesentlichen Veränderungen – ist es durch AI, Blockchain und Crypto, Regulatorik oder etwas anderes –  und wie soll man damit umgehen?

Speziell für die Finanzindustrie ist die Notwendigkeit von digitalen Transformationen nicht neu und beschäftigt unsere Kunden und Kundinnen bereits seit vielen Jahren. Was sich jedoch deutlich verändert hat, ist die Dynamik: Sowohl die immer komplexer werdenden Regulatoriken, als auch die am Markt verfügbaren Technologien entwickeln sich immer rascher weiter. Technologische Trends, wie AI und Blockchain, sind dabei nur einzelne Beispiele, welche heutzutage wettbewerbsentscheidend für Finanzinstitute sein können. Weitere bereits erkennbare Entwicklungen, wie etwa in der Quantentechnologie und deren Einsatz, etwa bei Verschlüsselungsverfahren sowie die Weiterentwicklung von Zahlungsprozessen, werden prägend für die kommenden Jahre sein.

Der professionelle Umgang mit solchen Technologien ist in Hinblick auf die bereits erwähnten regulatorischen Weiterentwicklungen essenziell, da diese eine Erfüllung aller Anforderungen nur unter Anwendung des jeweils aktuellen Stands der Technik ermöglichen. Das erfordert wiederum eine möglichst detaillierte Planung und Budgetierung, um mit verfügbaren Mitteln sowohl die regulatorische Compliance sicherzustellen als auch die digitale Transformation voranzutreiben.

Aus Ihrer aktuellen Sicht und Erfahrung, wo drückt die Branche derzeit der Schuh am meisten?

Derzeit zeigt sich wie anspruchsvoll es ist, eine Balance zwischen der notwendigen Erfüllung regulatorischer Anforderungen und der gleichzeitigen Fortführung digitaler Transformationen zu finden. Dies sollte zusätzlich unter Berücksichtigung einer möglichst effizienten Nutzung verfügbarer Ressourcen passieren.

Während technologischer Fortschritt einen entsprechenden finanziellen und personellen Ressourceneinsatz erfordert, zeigt die Vergangenheit, dass oftmals große Teile der Projektbudgets für die Umsetzung regulatorischer Anforderungen gebunden sind. Das kann dazu führen, dass beispielsweise Maßnahmen wie die Ablöse von Legacy-Systemen, verzögert oder gar unterbunden werden.

Auch die Suche nach qualifizierten Fachkräften, insbesondere aber nicht ausschließlich im IKT-Bereich, stellt viele Finanzinstitute vor Herausforderungen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass entsprechende Mitarbeitende nicht nur in der Lage sein sollten mit etwaigen Legacy-Systemen interagieren zu können, sondern auch im Umgang mit neuen Technologien, wie AI und Blockchain, gefestigt sein sollten.

Abschließend: Die Agenda für das Jahr 2026 ist vollgepackt mit Themen, welche Tipps geben Sie der Finanzbranche mit auf den Weg?

Auch in diesem Jahr ist es unerlässlich strategische Überlegungen weiterzuentwickeln und an aktuelle Gegebenheiten anzupassen. Dabei gilt es sowohl regulatorische Entwicklungen als auch die Weiterentwicklung von relevanten und neuen Technologien am Markt zu beobachten. Mit diesem Wissen müssen dann bestehende Strategien unter Berücksichtigung von Effizienz- und Wirtschaftlichkeitsfaktoren optimiert werden. Dies sollte nicht als statischer, sondern als dynamischer und kontinuierlich fortzuführender Prozess betrachtet werden.

Ergänzend dazu empfiehlt es sich neuen Technologien positiv gegenüberzustehen und gleichzeitig in der Verwendung potenziell entstehende Risiken frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Unabhängig davon erfordert das Auftreten neuer Player am Markt, wie Fintechs und Bigtechs, eine konsequente Berücksichtigung von Trends und Technologien. Dies fördert die Erhöhung des Nutzens und der Usability von Kunden und Kundinnen und stellt außerdem einen wichtigen Wettbewerbsfaktor dar.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person: Thomas John ist Wirtschaftsinformatiker und ‑wissenschaftler und hat bereits neben seinem Doppelstudium als Werkstudent bei Siemens in der Softwareentwicklung gearbeitet. Nach seinem Studium begann er seine nunmehr rund 16-jährige Karriere in einer Big Four-Gesellschaft mit wechselnden Schwerpunkten in den Bereichen der IT-Prüfung und ‑Beratung. Diesen Schwerpunkt führt er nunmehr seit sieben Jahren bei Deloitte fort und ist dort für Agenden zum Zahlungsverkehr und IT-Resilienz in der Beratung verantwortlich. Er vertritt den Standort dabei in Deloitte’ s globaler Payments Practice und zählt auch Vortragstätigkeiten und Publikationen zu seinem Aufgabenbereich.

Persönlich ist Thomas John im sportlichen Bereich aktiv und verbringt seine Freizeit vorzugsweise auf den Golfplätzen in Österreich und der Welt.

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