Sie ist also wieder da – die Inflation stieg im September bei uns auf 3,6 Prozent. Noch vor kurzem haben „Experten” nach Veröffentlichung der August-Zahlen behauptet, es gäbe im Jahresverlauf eine „sinkende Tendenz”. Da sieht man, wie schwierig Prognosen sind, wenn sie die Zukunft betreffen. Schuld sind natürlich die Energiepreise, ein Barrel Öl kostete zeitweise wieder über 100 Dollar, das wirkt sich in Folge auch auf die Gaspreise aus und ebenso auf den Strom, da der Großhandelspreis maßgeblich von Gaskraftwerken beeinflusst wird. Man kann es auch pointierter sagen: Donald Trump ist schuld („Trumpflation”), weil er im Nahen Osten einen Krieg ohne Ablaufdatum vom Zaun gebrochen hat mit weitreichenden Folgen.
So weit, so schlecht – dem können wir uns nicht entziehen. Allerdings erwarten viele Menschen – nicht nur bei uns – von der Politik, dass sie etwas gegen die Teuerung unternimmt. Die Illusion, man könnte einfach alle Energieproduzenten verstaatlichen und sie so dazu zwingen, Sprit, Strom und Gas billiger an die Konsumenten weiterzugeben, hält einem Realitätscheck nicht stand. Ein globaler Markt lässt sich nicht von irgendwelchen Polit-Zwergen beeinflussen.
Was etliche Staaten im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten tun ist, dass sie die Steuern auf Energie reduzieren. Das entlastet die Konsumenten ein bisschen und reduziert die Inflationsrate zumindest um ein paar Zehntel Prozent. Der Preis dafür ist entweder eine höhere Staats-Verschuldung, weil eigentlich fast jedes Land permanent Budgetdefizite produziert. Oder es bedeutet Steuererhöhungen für (Energie-) Unternehmen, die von den gestiegenen Marktpreisen profitieren. Doch wir wollen heute hier nicht über Sinn oder Unsinn von „Übergewinnen” diskutieren, sondern über die weiteren Ursachen und Folgen der hohen Inflation in Österreich.
Denn schon beim letzten Mal zeigte sich, dass wir das Land mit den höchsten „Zweitrundeneffekten” sind. Mit diesem schönen Wort beschreiben Wirtschaftsforscher die Tatsache, dass sich andere Preise als Folge der teuren Energie ebenfalls nach oben entwickeln und dafür sorgen, dass es viel länger dauert, bis sich die Lage wieder entspannt. Als 2022/23 nach Beginn des Ukraine-Krieges zeitweise zweistellige Inflationsraten zu sehen waren, glaubte man in Österreich, man müsste das durch Lohnerhöhungen im selben Ausmaß kompensieren. Das Resultat waren explodierende Personalkosten, die vor allem die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebs schwer beeinträchtigte und mit ein Grund für die noch immer steigenden Arbeitslosenzahlen ist. Mittlerweile haben sogar die Gewerkschaften großteils eingesehen, dass es so nicht funktionieren kann, die Lohnrunden wurden deutlich moderater.
Wenig bis gar keine Einsicht zeigt hingegen Vater Staat. Der hat nämlich eine mittlerweile einzigartige österreichische Spezialität erfunden, die „Indexierung”. Das bedeutet in der Praxis, dass viele Abgaben und Gebühren automatisch jedes Jahr angehoben werden, und zwar um die Inflationsrate. Erfunden wurde das zu einer Zeit, als die Inflation über Jahre sehr niedrig war, da fiel das nicht so ins Gewicht, wenn sich die öffentliche Hand ein kleines Körberlgeld holte. Jetzt hingegen schepperts richtig in den Kassen. Kanal- und Wassergebühren, Müllabfuhr, Parken, Fahrscheine usw. steigen und steigen, die Liste ist lang. Es ist ein Segen für die klammen Kassen bei Gemeinden. Auch viele private Dienstleister haben das inzwischen übernommen, Versicherungen, Mieten, Handy- und Internetverträge, Wartungsverträge, Hausverwaltungen. Es wird alles „nur” um den Verbraucherpreisindex, also die Inflation, erhöht, lautet oft das Argument.
Das Praktische daran ist, dass kaum jemand von den Betroffenen ein Interesse daran hat, produktiver, schlanker und besser oder gar kostengünstiger zu werden.
Mangelnder Wettbewerb in vielen Bereichen war ein Argument, wenn es galt herauszufinden, warum die Teuerungsrate in Österreich lange höher als in den meisten anderen Ländern Europas war.
Mittlerweile liegen wir etwa im EU-Schnitt, aber das könnte sich bald wieder ändern. Man erinnere sich nur an die (angeblich ausgabenseitige) Budgetsanierung, bei der nahezu alle öffentlichen Gebühren ordentlich (teilweise um ein Vielfaches der Inflation) in die Höhe geschnalzt wurden. Die Indexierung wird auch nächstes Jahr wieder für einen Kostenschub bei privaten Haushalten und Betrieben sorgen. Das fließt dann in die Preise vor allem bei Dienstleistungen ein, das Wehklagen über die Teuerung wird wieder lauter werden. Geradezu putzig muten dazu die Placebo-Maßnahmen der Regierung an, wie die unnötige Senkung der Mehrwertsteuer auf gewisse Lebensmittel oder die in Wahrheit kaum wahrnehmbare Spritpreisbremse von 12 Cent oder der Mietpreisdeckel. Man klopft sich auf die Schultern, dass dadurch die Inflationsrate um das eine oder andere Zehntelprozent sinkt. Die Erhöhung öffentlicher Tarife und Gebühren (sogenannte administrierte Preise) hingegen treibt die Gesamtinflation heuer um etwa 0,4 Prozentpunkte nach oben, so die Prognose der Nationalbank.









