In den österreichischen Verlagshäusern und den TV-Sendern wird trotz der jetzt endlich etwas kühleren Temperaturen weiter geschwitzt. Denn es wird gerade fieberhaft an neuen Sparpaketen gearbeitet. Das bedeutet Kündigungen bei den Zeitungen, das Streichen von teuren Sendungen bei ORF & Co, was indirekt ebenfalls weniger Jobs bedeutet. Konkret wird derzeit wieder einmal bei Presse, Kurier und Krone an Maßnahmen gearbeitet, die zu Kostensenkungen führen sollen. Aus den Bundesländer-Verlagen klingt nicht viel nach außen, doch die Probleme sind die gleichen wie in den überregionalen Medien. Beim staatlichen Rundfunk lautet die Vorgabe, 90 Millionen Euro einzusparen. Die Privatsender haben heuer schon Personal abgebaut.
Die Stimmung in den Redaktionen ist dementsprechend sehr angespannt. Jobängste gehen um, weil niemand so recht weiß, wie die Abwärtsspirale aus sinkenden Print-Erlösen und sinkenden klassischen Werbeeinnahmen zu stoppen ist. Die Verzahnung der Zeitungen mit Social-Media-Plattformen, Podcasts und anderen Streaming-Formen schreitet zwar voran, bringt aber kaum zusätzliche Einnahmen. Die Abhängigkeit der Branche von den Förderungen der Öffentlichen Hand nimmt zu, ohne Geld vom Staat gäbe es viele Produkte und Zustellformen nicht mehr. Der Einsatz von KI wird schön langsam auch bei uns zur Normalität und bedroht natürlich auch (journalistische) Arbeitsplätze.
Die Probleme werden auf „Mediengipfeln” oder bei „Medientagen” lang und breit von immer denselben Leuten diskutiert, die seit Jahren zuschauen, wie sich die Medienwelt verändert. Wirkliche Lösungen werden dort nicht gefunden. Lippenbekenntnisse nach dem Motto „alle müssen mehr kooperieren” sind zu wenig. Immerhin haben ORF und APA jetzt eine KI-Kooperation angekündigt. Es rächt sich aber schon lange, dass die überwiegend in privatem Eigentum stehenden heimischen Verlage sich zu lange nicht nur als Konkurrenten, sondern als „Feinde” sahen und auch so agierten. Legendär sind die ewigen Streitigkeiten innerhalb der Mediaprint (Krone, Kurier), wo die Gesellschafter mehr gegeneinander kämpften als gegen die wirkliche Konkurrenz. Ein Umdenken hat zwar bereits eingesetzt, doch es fehlen noch die zündenden Ideen.
Die Liste der teuren Fehlentscheidungen in der heimischen Landschaft ist lang. Dazu gehört z. B. der Irrglaube, dass jeder seinen eigenen Fernsehsender haben muss. Anstatt mit großen Anbietern sinnvoll zu kooperieren gründeten Krone, Kurier, Oe24 und andere ihre eigenen (!) TV-Ableger, deren Reichweite teilweise so gering ist, dass sie von der Mediaanalyse nicht einmal erfasst werden. Dass es dafür sogar staatliche Förderungen gibt, ist ein weiterer Treppenwitz. Als ob die ORF-Sender, Servus TV, Puls, ATV & Co. plus diverse Streaming-Angebote für ein Land, das weniger Einwohner als Bayern hat, nicht schon genug wären.
Im Printbereich haben sich die Auflagen mittlerweile nahezu halbiert. Man kann auch das e‑paper lesen, das kostet nur einen Bruchteil des Print-Abos. Trotzdem stagnieren dort die Absatzzahlen. Bezahlmodelle für News funktionieren in Österreich nicht, weil man es gewohnt ist, dass Internet-Zeitungen gratis sind (orf.at, heute, oe24, Standard). Die Suche nach Zusatzprodukten, mit denen ein Verlag seine Printprodukte quersubventionieren kann, verläuft bis jetzt nur mäßig erfolgreich. Es wird also weiter gespart und Personal abgebaut, was sich negativ auf die journalistische Qualität auswirkt. Der Produktionsdruck ist mittlerweile so hoch, dass in vielen Redaktionen keine Zeit mehr für ausführliche Recherche bleibt. Doch wer nur am Bildschirm sitzt und ausschließlich mit Google oder KI arbeitet, wird den Lesern nichts bieten können, was sie nicht schon aus einer anderen (online-) Quelle kennen.
Die bittere Wahrheit ist, dass sich die Medienwelt in einem brutalen Strukturwandel befindet, der mit immer größerem Tempo voranschreitet. Die Unterscheidung zwischen Journalismus mit Qualitätsanspruch und reinen Fake-News-Produzenten droht zu verschwimmen, weil viele Leser oder User nicht mehr wissen, was man glauben kann oder nicht. Österreich hat dazu den Nachteil, dass der Markt sehr klein. Qualitätsmedien wie eine „Sueddeutsche Zeitung” rechnen sich bei den bei uns möglichen Verkaufszahlen kaum.
Es wird zu neuen Geschäftsmodellen kommen müssen. Gemeinsame Redaktionen, die bestimmte Themen für mehrere Medien abdecken. Printprodukte, die nur mehr Donnerstag bis Sonntag erscheinen. Online-News, die verstärkt über Social-Media vertrieben werden und Service-Plattformen, deren Erlöse die Kosten für die Redaktion in anderen Bereichen subventionieren können.
Den Bedarf für „puren” Journalismus, der Hintergründe und Zusammenhänge erklärt und einordnet, gute Kommentare und regionale News, die nicht auf jeder Website stehen wird es gerade in der Welt von KI und Fake-News immer geben. Doch wer es letzten Endes schaffen wird, sich inhaltlich und wirtschaftlich so zu positionieren, dass er den Strukturwandel überlebt, wird sich erst in den nächsten Jahren herausstellen.










