Philip Hans List, FLiP: „Sehen finanzielle Bildung als wesentlichen Teil einer Gesundheits‐ und Lebensbildung.“

Philip Hans List, Direktor Erste Financial Life Park
© Daniel Hinterramskogler

Philip Hans List, Direktor Erste Financial Life Park

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Im Interview erzählt Philip Hans List, Direktor des Erste Financial Life Park (FLiP), welche Angebote das FLiP bietet, warum Finanzbildung so wichtig ist und welche Ziele sich das FLiP gesetzt hat.

ForumF: Der Erste Financial Life Park (FLiP) ist 2016 an den Start gegangen. Vor welchem Hintergrund wurde FLiP ins Leben gerufen?

Philip Hans List: Wir haben simpel und einfach festgestellt, dass es einen sehr großen Bedarf an finanzieller Bildung gibt. Zum einen durch unsere Erfahrungen mit der Zweite Sparkasse und zum anderen, dass 30 Prozent der Klienten österreichischer Schuldnerberatungen jünger als 30 Jahre sind – mit Schulden um die 30.000 Euro – denen keine wirklichen Werte gegenüberstehen. Wir sehen finanzielle Bildung als ganz wesentlichen Teil einer Gesundheits‐ und Lebensbildung, die es besonders jungen Menschen ermöglichen soll, ein selbstbestimmtes und sorgenfreies wirtschaftliches Leben zu führen.

ForumF: Wenn Sie die vergangenen dreieinhalb Jahre Revue passieren lassen – welche Meilensteine haben Sie mit dem FLiP bereits erreicht?

Philip Hans List: Die Nachfrage nach Touren im FLiP ist seit dem Aufsperren ungebrochen hoch. Vor Covid‐19 haben wir fünf Schulklassen täglich den verantwortungsvollen Umgang mit Geld und den wirtschaftlichen Kontext näher bringen können. Wir haben in unserem FLiP Lab einige hundert Workshops zu den Themen Entrepreneurial Design Thinking, Project Playground und Crowdfunding für Schülerer mit unserem Partner IFTE abgehalten. Unser FLiP2Go Bus tourt durch Österreich, hält direkt vor den Schulen und bietet ein ebenso umfangreiches Bildungsprogramm wie unser stationäres FLiP. Und mit Podcasts, unseren digitalen FLiP Challenges, digitalen Lehrunterlagen und „finanzbildenden“ B1‐Deutschlehrbüchern für Migranten ist es uns gelungen, ein beachtliches Finanzbildungsportfolio zu entwickeln, das – nicht nur in Österreich – ziemlich einzigartig ist. Unser „stationäres“ FLiP wurde von mehr als 50.000 Schülern besucht, FLiP2Go von mehr als 12.000 Schülern.

ForumF: Welche Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesetzt?

Philip Hans List: Wir wollen digital weiter wachsen, das heißt ein bis zwei FLiP Challenges pro Jahr. Und wir arbeiten natürlich ständig an unseren bestehenden Inhalten. Gerade eine Krise wie wir sie jetzt erleben, muss erklärt werden und wir müssen alles daran setzen, dass unsere Jugend noch resilienter gegenüber solchen Krisen wird.

ForumF: Welche Leistungen bietet das FLiP an?

Philip Hans List: Das Portfolio ist wie vorhin erwähnt sehr gewachsen, den besten Überblick erhält man auf: www.financiallifepark.at. Alle Leistungen haben ein gemeinsames Ziel: den verantwortungsvollen Umgang mit Geld und wirtschaftliche Zusammenhänge zu erlernen.

ForumF: Und an wen richtet sich das Informationsangebot?

Philip Hans List: An Schüler ab zehn Jahren und aller Schultypen, beziehungsweise ganz generell an Menschen, die in diesem Bereich noch etwas lernen wollen. Das Tolle an unserem Angebot ist, dass es kostenlos ist und wir einen pädagogischen Zugang auf Augenhöhe für jede unserer Zielgruppen wählen. Bei uns wird nicht mit erhobenen Zeigefinger gelehrt sondern mit  einem sehr spielerischen Zugang vieles gemeinschaftlich erarbeitet – auf allen unseren Kanälen!

ForumF: Wie nehmen Sie den Status‐quo in Sachen Finanzwissen der Österreicher wahr?

Philip Hans List: Es wird besser und trotzdem braucht es noch ganz viele FLiPs und eine stärkere Verankerung dieses wichtigen Themas in der österreichischen Schulbildung – auch daran arbeiten wir. Wir haben 2019 zusammen mit der WU Wien, der Erste Stiftung und Three Coins den ersten österreichweiten Schüler‐Wettbewerb zum Thema Umgang mit Geld ins Leben gerufen (www.kardea.org). Der Wettbewerb 2020 ist kürzlich an den Start gegangen.

ForumF: Glauben Sie, dass die Corona‐Krise Auswirkungen auf den Umgang der Österreicher mit ihren Finanzen hat?

Philip Hans List: Ja, einen immensen. Viele Familien und viele Unternehmeren müssen vollkommen unverschuldet, mit einer extrem schwierigen wirtschaftlichen Situation zurecht kommen. Finanzielle Bildung wird daher massiv an Bedeutung und Wichtigkeit gewinnen, einfach um zu lernen, wie man sich besser auf so unvermittelt hereinbrechende wirtschaftliche Krisen einstellen kann.

ForumF: Welche Rolle nimmt das FLiP in Zeiten der Corona‐Krise ein?

Philip Hans List: FLiP & FLiP2Go sind noch geschlossen. Das FLiP am Campus der Erste Group wollen wir im Sommer für kleinere Gruppen wieder öffnen und der Bus kann hoffentlich im Herbst seine Österreich‐Tour starten. Unser digitales Angebot (Challenges) macht sich sehr bezahlt, hier haben sich die Zugriffszahlen vervielfacht.

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