Christian Kubitschek, CEO Austrian Anadi Bank: „Bank und FinTech – das ist aus unserer Sicht kein Widerspruch.“

© Austrian Anadi Bank AG

Christian Kubitschek, CEO Austrian Anadi Bank

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Christian Kubitschek erläutert im ForumF-Interview die derzeitige Situation der Anadi Bank in Österreich, wie die Vollbank im vergangenen Jahr trotz Covid-19 schwarze Zahlen erwirtschaftete und wie die Expansion nach Deutschland geplant ist.

ForumF: Gerade im Jahr der Corona‐Pandemie war der Bankenmarkt so stark in Bewegung, wie schon lange nicht: Neue Player wie bank99 oder Wüstenrot Bank traten auf den Plan. N26 zählt fast schon zu den etablierten Playern. Klarna scharrt in den Startlöchern. Und dem einen oder anderen aus den Big Four aus dem Silicon Valley wird auch nachgesagt, im Bankengeschäft mitmischen zu wollen: Wie findet man da als Austrian Anadi Bank seine Nische?

Christian Kubitschek: Bank und FinTech – das ist uns unserer Sicht kein Widerspruch. Denn mit unserer FinTech‐DNA können wir das Beste aus beiden Welten miteinander verbinden: Einerseits haben wir als Vollbank die Erfahrung, Risikoprozesse und Strukturen, die es für die meisten Bankdienstleistungen und Produkte braucht. Andererseits können wir mit hoher Entscheidungsgeschwindigkeit, schneller Umsetzung und großer Innovationskraft als agiler, kleiner Player unsere Chancen am Markt nutzen.

ForumF: Trotz der Corona‐Pandemie hat die Austrian Anadi Bank ein positives Jahresergebnis für 2020 vorgelegt. Wie gelang dieses Kunststück?

Kubitschek: Wir haben unter den denkbar schwierigen Bedingungen des abgelaufenen Jahres die Resilienz unseres Geschäftsmodells unter Beweis gestellt. Denn das positive Jahresergebnis 2020 erreichten wir trotz der Pandemie, trotz mehrerer Lockdowns und strategischer Investitionen im Digital‐ und IT‐Bereich. Unsere Kapitaleffizienz erhöhten wir weiter über mehrere Ansatzpunkte: Gerade in margenstarken Bereichen sind wir besonders kräftig gewachsen, während wir margenschwaches Geschäft nur sehr selektiv betrieben haben. Außerdem haben wir unsere Refinanzierungsstrategie optimiert. Besonders stolz bin ich, dass wir trotz des erfreulich steigenden Geschäftsvolumens die Kapitalquoten im zweiten Halbjahr weiter steigern konnten. Die Gesamtkapitalquote stieg im Vergleich zum Halbjahr 2020 von 13,7 Prozent auf 15,2 Prozent. Zur Veranschaulichung: Das würde einer Kapitalerhöhung von rund 17 Millionen Euro entsprechen, wahrlich keine Kleinigkeit.

ForumF: In welchen Geschäftsbereichen konnte die Austrian Anadi Bank zulegen? In welchen Geschäftsbereichen sah es eventuell nicht so rosig aus?

Kubitschek: Freuen konnten wir uns 2020 über steigendes Geschäftsvolumen in den margenstarken und strategischen Geschäftsbereichen, wie beispielsweise bei unseren digitalen Krediten. Mit dem Go‐Live unserer neuen digitalen Geschäftsstrategie wächst unser Kreditbuch sowohl offline als auch online stark. Insbesondere bei unseren digitalen Krediten konnten wir 2020 Monat für Monat neue Höchststände verzeichnen. Aber diese Aussage kann man auch auf die Gesamtbank übertragen. Kein einziger Bereich hat geschwächelt. Insofern sind wir rundum zufrieden mit der ersten Hälfte der in 2020 eingeleiteten Transformation unseres Geschäftsmodells. Nun müssen wir diesen Rückenwind nützen und in 2021 die Transformation finalisieren. Ab 2022 wird dann geerntet.

ForumF: Wie sah ihre generelle Strategie, durch die Corona‐Krise zu kommen, konkret aus?

Kubitschek: Wir haben im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 sehr schnell reagiert, dabei kam uns unser hoher Digitalisierungsgrad zugute. So konnten wir binnen kürzester Zeit etwa zwei Drittel unserer Beschäftigten ins Home Office transferieren. Seit dem Sommer sind praktisch alle Beschäftigten Home‐Office‐fähig ausgestattet. Gleichzeitig wurde der Filialbetrieb vollumfänglich aufrecht erhalten. Unsere Kunden wurden und werden somit unterbrechungsfrei auf höchstem Niveau serviciert. Auch wirtschaftlich haben wir die Corona‐Krise gut im Griff. Unser Engagement in den am härtesten getroffenen Branchen, wie Tourismus und Handel, ist gering. Auch haben auch nur sehr kleine Volumina an gestundeten Krediten. 2020 haben wir aus einer Position der Kapital‐ und Bilanzstärke heraus und aus reinen Vorsichtsgründen wegen Corona rund 3 Millionen Euro rückgestellt. Trotzdem haben wir eine schwarze Null gezeigt. Unsere Bank ist auch in Pandemie‐Zeiten sicher und solide aufgestellt.

ForumF: 2020 wird Corona‐bedingt als jenes Jahr in die Geschichte gehen, in dem Österreichs Unternehmen einen veritablen Digitalisierungsschub erfahren haben. War das bei der Austrian Anadi Bank auch der Fall?

Kubitschek: Meine Vorgänger hatten in den vergangenen Jahren bereits die Digitalisierung der Anadi Bank konsequent vorangetrieben. Ich bezeichne unsere neue digitale Geschäftsstrategie daher als „Strategie 2.0“. So konnte ich bei meinem Antritt als CEO im vergangenen Juli etwa auf einem starken Digitalteam in der Bank aufbauen, unserem Digital‐ und IT‐Hub in Kärnten. Diesen FinTech innerhalb der Austrian Anadi Bank bauen wir nun weiter und konsequent aus. Wir erweitern unsere attraktive Digitalplattform um neue Produkte und entwickeln sie zu einem Top Online‐Banking‐Angebot für den ganzen deutschsprachigen Raum. Mit oder ohne Pandemie – wir gehen unseren digitalen Weg konsequent weiter.

ForumF: Wie sehen die nächsten Schritte der Digitalisierungsstrategie der Austrian Anadi Bank aus? Was ist heuer konkret geplant?

Kubitschek: Das Geschäftsjahr 2021 wird für die Anadi Bank das abschließende Transformationsjahr im Rahmen der neuen Strategie 2.0 sein. Die strategische Optimierung des Geschäftsmodells wurde im zweiten Halbjahr 2020 eingeleitet. Die positiven Effekte aus den Investitionen in die Digitalisierungsoffensive, der neuen Strategie und den Effizienzsteigerungsmaßnahmen werden nach und nach im Laufe des Jahres 2021 sichtbar werden. Unsere digitalen Angebotsstrecken werden mehr und mehr vereinheitlicht und mit den Angeboten in den Filialen verschmolzen. Außerdem werden wir das digitale Angebot für Corporate‐ und Public Finance‐Kunden ausbauen.

ForumF: 2021 steht der Markteintritt der Austrian Anadi Bank in Deutschland bevor: Warum orten Sie in Deutschland Potential für ein Bankinstitut wie das Ihre?

Kubitschek: Ich spreche beim Schritt nach Deutschland oft augenzwinkernd von der „Piranha‐Strategie“ – denn wir werden uns mit Schnelligkeit und Schlagkräftigkeit in einem großen Markt kleine, aber attraktive Marktanteile sichern. Wir schnappen uns sozusagen Filetstückchen, welche die Großen kaum spüren, für uns aber einen großen Unterschied machen. Die gemeinsame Sprache und sehr ähnliche rechtliche Rahmenbedingungen erleichtern diese Expansion natürlich. Dazu waren mein Vorstandskollege Markus Gerstberger und ich als gebürtige Deutsche lange in Deutschland tätig, dadurch sind wir dort auch gut vernetzt und kennen den Markt und seine Chancen sehr genau.

ForumF: Wie soll der Rollout bei unserem nördlichen Nachbarn vonstatten gehen?

Kubitschek: Der digitale Auftritt in Deutschland wird auf Produkte fokussiert sein, wo wir auch in Österreich unsere Wettbewerbsstärken ausspielen. Ab Anfang April 2021 werden wir KMU‐Kredite ausrollen, im zweiten Halbjahr dann Konsumentenkredite. In Summe wollen wir damit innerhalb von drei Jahren in Deutschland ein Volumen von rund 130 Millionen Euro erreichen.

ForumF: Sie bezeichnen die Austrian Anadi Bank gerne als Vollbank, die zugleich auch ein FinTech ist: Wird die Austrian Anadi Bank von bestehenden und potentiellen Kunden Ihrer Ansicht nach als Vollbank UND FinTech wahrgenommen?

Kubitschek: Ich denke, wir sind am besten Weg dazu. Wir waren die ersten in Österreich mit einem komplett papierlosen Konsumkredit. Aus unserem Digital‐ & IT‐Hub in Klagenfurt werden laufend weitere Innovationen kommen. Dennoch werden wir auch in Zukunft für unsere Kunden im traditionellen Filialgeschäft da sein – eben gemäß unserem Anspruch, das Beste aus beiden Welten zu vereinen.

ForumF: Im Dezember 2020 haben Sie als einer der ersten Investoren aus eigener Tasche eine Tier‐2‐Anleihe im Wert von 500.000 Euro gezeichnet. Ist das ein Marketing‐Gag, eine Art Testimonial‐Kampagne oder wollen Sie damit mehr zum Ausdruck bringen?

Kubitschek: Nun, bei der Investmentsumme wäre das für mich ein teurer Marketing Gag. Aber im Ernst: Ich demonstriere damit meine starke Überzeugung für den neuen strategischen Weg unserer Bank. In Amerika sagt man oft „Put your money where your mouth is“. Genau das habe ich mit diesem Investment gemacht, übrigens zu einer etwas geringeren Verzinsung als die übrigen Investoren, um auch eine tadellose Optik zu gewährleisten.

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