Commerzbank Restrukturierung: Digitaler, sparsamer und in neuem Design

Dr. Bettina Orlopp, Mitglied des Vorstands Commerzbank
© Commerzbank AG

Dr. Bettina Orlopp, Mitglied des Vorstands Commerzbank

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Am 3. Februar kündigte die Commerzbank, Deutschlands zweitgrößtes Bankeninstitut, ihre "Strategie 2024" an. Filialen werden geschlossen, Personal abgebaut, die Digitalisierung vorangetrieben sowie ein neues Corporate Design entwickelt.

Ziel des Umbaus ist es außerdem, die digitale Beratungsbank für Deutschland zu werden und die führende Position als starker Partner des Mittelstands und von rund elf Millionen Privat‐ und Unternehmerkunden zu festigen. Die Commerzbank, das zweitgrößte Bankeninstitut in Deutschland, strebt außerdem für das neue Jahr an, ein positives Operatives Ergebnis zu erzielen. Für 2024 strebt die Commerzbank ein Operatives Ergebnis von rund 2,7 Milliarden Euro und eine Eigenkapitalrendite (RoTE) von rund 7 Prozent an. Für das Geschäftsjahr 2023 ist die Wiederaufnahme von Dividendenzahlungen vorgesehen. In den Jahren 2023 und 2024 besteht bei erfolgreicher Umsetzung des Restrukturierungsprogramms und entsprechender Genehmigung der Europäischen Zentralbank (EZB) das Potenzial, im Wege von Dividenden oder Aktienrückkäufen insgesamt bis zu 3 Milliarden Euro an die Aktionäre zurückzugeben.

„Wir wollen nachhaltig profitabel werden und unsere Zukunft als eigenständige Kraft im deutschen Bankenmarkt selbst gestalten“, sagte Manfred Knof, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank. „Dafür müssen wir die Bank in den kommenden Jahren tiefgreifend restrukturieren. Unsere ‚Strategie 2024‘ steht für Kundenorientierung, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Profitabilität. Wir werden unseren Plan mit aller Konsequenz umsetzen und dabei keine Zeit verlieren.“

Sparmaßnahmen: Einsparungen und Personalabbau

Im Rahmen der „Strategie 2024“ will die Commerzbank die Kosten im Jahr 2024 im Vergleich zu 2020 um insgesamt 1,4 Milliarden Euro (rund 20 Prozent) reduzieren. Ein Drittel der geplanten Einsparungen soll bereits im Jahr 2022 umgesetzt sein. Außerdem muss die Bank, wie bereits angekündigt, rund 10.000 Vollzeitstellen abbauen.

Privat‐ und Unternehmerkunden: Erhöhung der Profitabilität

Für beide Geschäftssegmente hat sich die Commerzbank ambitionierte Ziele für das Jahr 2024 gesetzt. Im Segment Privat‐ und Unternehmerkunden strebt sie inklusive der mBank eine Vorsteuerrendite (RoCET) von 25 Prozent sowie ein Verhältnis von Kosten inklusive Pflichtabgaben zu Erträgen (Cost‐Income‐Ratio, CIR) von 59 Prozent an. Um dies zu erreichen, wird die Bank das Segment zu einer attraktiven Kombination aus leistungsstarker Direktbank und erstklassigem Beratungsangebot weiterentwickeln. Die Zahl der Filialen reduziert die Commerzbank von aktuell 790 auf dann bundesweit 450 Standorte. Im Segment Privat‐ und Unternehmerkunden entwickelte sich das Kundengeschäft auch 2020 erfreulich. Das Kreditvolumen in Deutschland wuchs um 8 Milliarden auf 112 Milliarden Euro. Allein das Volumen der Baufinanzierungen legte dank eines Rekords im Neugeschäft um 7 Prozent auf 86 Milliarden Euro zu. Einen kräftigen Zuwachs von 20 Milliarden auf 177 Milliarden Euro verzeichnete das Wertpapiervolumen, davon waren rund 12 Milliarden Euro Nettozuflüsse.

Firmenkunden: Deutliche Steigerung der Effizienz

Im Firmenkundengeschäft strebt die Commerzbank über ein konsequentes Management der risikogewichteten Aktiva (RWA) für 2024 eine Vorsteuerrendite (RoCET) von rund 9 Prozent sowie ein Verhältnis von Kosten inklusive Pflichtbeiträgen zu Erträgen (Cost‐Income‐Ratio, CIR) von 62 Prozent an. Die Bank wird sich künftig auf den deutschen Mittelstand und Großunternehmen sowie Auslandskunden mit einem Geschäftsbezug zu Deutschland konzentrieren. Die Entwicklung im Segment Firmenkunden war im abgelaufenen Geschäftsjahr stark von der Corona‐Pandemie geprägt. Die bereinigten Erträge sanken auf 3.216 Millionen Euro (2019: 3.360 Millionen Euro).

Vorsorge für geplante Restrukturierung & Corona‐Krise belasten Ergebnis 2020

Für die anstehende Restrukturierung hat die Bank bereits im Geschäftsjahr 2020 wichtige Grundlagen geschaffen. So buchte sie mit 814 Millionen Euro einen großen Teil der geplanten Restrukturierungsaufwendungen von rund 1,8 Milliarden Euro. Neben der Vorsorge für die anstehende Restrukturierung belastete die zu Jahresanfang angekündigte Abschreibung auf Goodwill und andere immaterielle Vermögenswerte über rund 1,6 Milliarden Euro, die aber keine Effekte auf die regulatorische Kapitalbasis hatte. In der Folge fiel ein Konzernergebnis von minus 2.870 Millionen Euro (2019: plus 585 Millionen Euro) an.

„Wir haben unsere Bilanz aufgeräumt und Vorsorge für ein weiter unsicheres wirtschaftliches Umfeld getroffen“, sagte Bettina Orlopp, Finanzvorständin der Commerzbank. „Mit unserer komfortablen Kapitalausstattung haben wir für die kommenden Jahre genügend finanziellen Spielraum für die Umsetzung der ‚Strategie 2024‘.“

Ausblick für 2021

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet die Commerzbank damit, dass im Zuge der Restrukturierung und der stärkeren Fokussierung auf einen effizienteren Einsatz von Eigenkapital (RWA‐Optimierung) die Erträge leicht sinken. Bei steigenden Investitionen strebt die Bank durch erste Kostenmaßnahmen aus dem Transformationsprozess eine Senkung der Kosten auf rund 6,5 Milliarden Euro an. Die Bank erwartet – abhängig von der Entwicklung der Corona‐Pandemie – ein Risikoergebnis zwischen minus 0,8 Milliarden und minus 1,2 Milliarden Euro. Für 2021 wird wieder mit einem positiven Operativen Ergebnis gerechnet. Unter Berücksichtigung der geplanten Buchung zusätzlicher Restrukturierungsaufwendungen von rund 0,9 Milliarden Euro erwartet die Commerzbank zum Jahresende eine CET‐1‐Quote von mehr als 12 Prozent.

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