Wir erinnern uns gut an die Euro-Schuldenkrise: Griechenland stand vor dem Bankrott und drohte die ganze Eurozone mitzureißen. Die internationale Gemeinschaft half dem scheinbar hoffnungslos überschuldeten Land, das harte Auflagen und einen radikalen Sanierungskurs akzeptieren musste. Nach rund 15 Jahren kam vor kurzem die überraschende Meldung, die fast unterging: Griechenland kann aufgrund seiner Budgetüberschüsse einen Teil seiner Staatsschulden vorzeitig zurückzahlen. Dadurch sinkt die Schuldenquote, die 2013 auf dem Rekordstand von 175 Prozent des BIP lag, bis 2029 auf nur mehr 120%. Italien löst daher die Griechen als höchstverschuldetes EU-Land ab.
Die Kraftanstrengung zeigt, dass man einen maroden Staat sanieren kann, wenn der Druck groß genug und der Wille da ist. Die Regierungen der großen Wirtschaftsmächte dieser Welt haben allerdings aus dem mahnenden Beispiel Griechenlands nichts gelernt, im Gegenteil: Die durchschnittliche Schuldenquote der sieben größten Industriestaaten stieg seit dem Jahr 2000 von 74% auf 123 Prozent des BIP! Der Internationale Währungsfonds erwartet bis 2040 sogar einen Schuldenstand von 130 bis 150 Prozent, weil die Regierungen unfähig sind, ihre Staatsausgaben einzuschränken. Es gibt aber noch andere Gefahren.
Blicken wir auf die Vereinigten Staaten von Amerika, für die aufgrund ihrer Größe zwar andere Maßstäbe gelten. Doch jetzt scheinen sie dort den Bogen endgültig überspannt zu haben. Es schmeißen die jeweiligen Regierungen seit Jahrzehnten mit Geld herum, als ob es völlig egal wäre, wenn die Schuldenquote steigt. Unter Trump wurde jetzt noch einmal eines draufgesetzt: Über 40 Billionen (das sind 40.000 Milliarden) Dollar beträgt der Schuldenstand, das sind rund 125% des BIP. Allein die Zinszahlungen machen heuer eine Billion Dollar aus, das ist sogar mehr als die (enormen) Rüstungskosten. Das Haushalts-Defizit liegt bei über sechs Prozent. Steuersenkungen für Reiche, enorme Kriegskosten und die steigende Inflation, die zu hohen Zinsen führt, das ist ein giftiger Cocktail.
Das alles weiß man schon länger und den amerikanischen Politikern war es bisher wurscht. Denn mit dem Dollar verfügen sie über die weltweite Leitwährung. Sogar Ökonomen vertraten lange die Ansicht, dass eine höhere Verschuldung aufgrund der Stärke des Dollar nicht wirklich ein Problem sei. Und die Finanzmärkte? Für die zählte bisher nur das robuste Wirtschaftswachstum, die Börsenkurse stiegen und stiegen. Doch selbst die USA können sich nicht von der wirtschaftlichen Realität abkoppeln. Denn um ihr enormes Defizit finanzieren zu können, muss die US-Regierung enorme Mengen an Staatsanleihen begeben. Damit sie nicht auf den Anleihen sitzenbleiben, muss sie immer attraktivere, also höhere Zinsen bieten. Das erhöht die Finanzierungskosten und die Rückzahlungen und führt zu noch mehr Schulden. Anstatt den Haushalt zu sanieren (man könnte z. B. die Steuern für Amazon, Google & Co. erhöhen…), versucht Trumps Finanzminister es mit einer „Voodoo-Politik”. Er kauft Anleihen mit langer Laufzeit vom Markt zurück und erneuert sie nicht (weil zu teuer, die Verzinsung liegt schon über 5,2%). Stattdessen werden nur kurzlaufende Anleihen begeben, die deutlich niedriger verzinst sind (mit rund 4%). Man spart sich durch die Umschuldung Zinsen. Der Haken bei der Sache: Das Geld für den Rückkauf der älteren Anleihen kommt aus dem Budget, also Schulden werden mit Schulden bezahlt.
Diesen Taschenspieler-Trick haben die Finanzmärkte längst durchschaut und es zeichnet sich ab, dass viele Fonds Prämien verlangen könnten, wenn sie weitere US-Anleihen in ihr Portfolio nehmen. Dazu kommt, dass die Notenbank Fed aufgrund der hohen Inflation wohl die Leitzinsen erhöhen wird, dann steigen die Zinskosten für den Staat noch schneller. Eine erste Konsequenz ist, dass der Kurs des Dollar sinkt. Mittlerweile warnen führende US-Ökonomen davor, dass es bald ein bitteres Erwachen geben könnte. In einer aktuellen Umfrage unter Personen mit Wirtschafts- und Finanzstudium wird die Wahrscheinlichkeit einer US-Staatsschuldenkrise in den nächsten zehn Jahren mit 50 Prozent angegeben.
Das hätte fatale Folgen für die gesamte Weltwirtschaft. Nur ein Beispiel: Wenn die USA immer höhere Zinsen für ihre Anleihen bieten müssen, weil sonst das Vertrauen der Investoren fehlt, bekommen auch andere hochverschuldete Länder wie Japan oder Frankreich ein Problem. Denn sie müssen dann ebenfalls die Zinsen für ihre Papiere erhöhen, um nicht auf ihnen sitzenzubleiben. Das erhöht die Finanzierungskosten und überlastet infolge die Budgets der Staaten, als eine Konsequenz droht eine Rezession auf der ganzen Welt. Gegen so ein Szenario war die Griechenland-Pleite ein echtes Mickey-Mouse-Problem. Die Frage ist nur, wer das noch verhindern kann und wer rechtzeitig die Notbremse zieht.









