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Warum noch mehr Zeitungen sterben werden

Die wirtschaftliche Krise in der heimischen Medienlandschaft wird sich nicht entspannen. Sinkende Inseratenerlöse, die generationsbedingt erodierende Zahl der Print-Abonnenten und steigende Kosten bei Papier und Personal sind die Zutaten. Dieser giftige Cocktail erhöht Jahr für Jahr den finanziellen Druck auf die Verlage. Diese reagieren mit Stellenabbau und dem verzweifelten Versuch, neue Einnahmequellen zu generieren. Zweiteres funktioniert nicht so richtig. Bezahl-Modelle für journalistische Inhalte führen hierzulande ein Mauerblümchen-Dasein. Das liegt daran, dass sich eine „Unkultur” gebildet hat. Online-Informationen haben bei uns gratis zu sein. Das beginnt mit den durch ORF-Gebühren finanzierten „blauen” Seiten (orf.at) und geht weiter mit Gratis-Angeboten von heute, oe24, Standard und anderen. Taucht eine gute Geschichte hinter der Paywall eines Qualitätsmediums auf, wird sie binnen Minuten von der Gratis-Partie übernommen. Dem User/Leser ist das letztlich egal, für viele Verlage eine finanzielle Katastrophe.

Finanziert werden die Verlage und ihre Formate, die Inhalte kostenfrei anbieten, durch Werbung (das wird angesichts der Konkurrenz durch Google, Facebook & Co. immer schwieriger) und durch Förderungen der öffentlichen Hand. Somit wäre wir bei der Gretchenfrage angekommen: Unabhängiger Journalismus ist ein wichtiger Baustein der Demokratie. Wenn sich dieser aber nicht mehr selber finanzieren kann, muss der Staat dann die Aufgabe übernehmen, Medien durch Zuschüsse am Leben zu erhalten?

Mittlerweile hängen alle privaten Verlage an diversen Fördertöpfen der öffentlichen Hand. Förderung für Qualitätsjournalismus, Förderung für Zeitungszustellung, Digitalförderung, normale Presse- und Rundfunkförderung. Derzeit wird heftig darum gerungen, wer wieviel aus welchem Topf bekommt. In Summe ist es bereits ein dreistelliger Millionenbetrag. Es ist sogar die Rede davon, dass die rund 90 Millionen Euro, die der staatliche ORF in den nächsten Jahren einsparen muss, zusätzlich den privaten Verlagen zugute kommen sollen.

Die Frage ist allerdings, wie sinnvoll es ist, das Zeitungssterben durch Steuergeld vielleicht um ein paar Jahre hinauszuzögern. Denn in Wahrheit braucht es ein Geschäftsmodell, dass das wirtschaftliche Überleben von Journalismus sichert, inmitten der Herausforderungen durch das Vordringen der KI und den Rückgängen im Inseratengeschäft.

Förderungen werden notwendig sein, aber hoffentlich intelligenter als das heute passiert. Ein paar Beispiele: Da erhalten Krawall-Portale Geld aus dem Titel „Qualitätsförderung”. Da werden Fernsehkanäle, die ein Hobby von Zeitungsverlegern sind und nicht einmal ein Prozent Reichweite haben, mit Steuergeld am Leben erhalten. Bei der geplanten Förderung für die Zeitungszustellung (Abos am Land auszuliefern ist unheimlich teuer geworden) wollen die Gratisblätter heute und Oesterreich (!), die nirgends zugestellt, sondern einfach entnommen werden, auch mitnaschen. 

Abgesehen vom Sparkurs im Budget birgt die Abhängigkeit von Förderungen noch eine andere Gefahr. Bei einem Regierungswechsel hin zur FPÖ könnte so manche Quelle von heute auf morgen versiegen. Denn nicht jedem Politiker sind unabhängige Medien ein Anliegen. Nicht zu vergessen: Publizistische Unabhängigkeit glaubwürdig zu bewahren, wenn man finanziell abhängig ist, zählt zu den großen Herausforderungen jedes Verlegers.

Angesichts dieser Faktenlage wird ein Zeitungssterben in den nächsten Jahren nicht zu verhindern sein. Es wird die kleineren Verlage zuerst treffen. Ein Vorgeschmack war die Übernahme der Tiroler Tageszeitung durch die Russ-Gruppe (Vorarlberg) im Frühjahr. Auch eine Fusionswelle unter den Großen ist nicht auszuschließen. Es wird zu (redaktionellen) Kooperationen kommen, um Kosten zu sparen. Man wird versuchen, seine Inhalte verstärkt über alle Kanäle auszuspielen, vielleicht erscheinen dann manche Zeitungen nur mehr am Wochenende gedruckt. Die KI wird simple redaktionelle Aufgaben übernehmen, damit könnten die Journalisten wieder mehr Zeit der Recherche widmen. Parallel dazu wird der Personalstand in den Redaktionen unterm Strich reduziert. 

Das größte Asset, das Verlage haben, sind die Kontakte zu ihren Lesern/Usern. Die werden verstärkt genutzt werden müssen, um neue Erlöse zu schaffen. Die Palette reicht von Digitalportalen (für Wohnraum, für Reisen, für Kleinanzeigen usw.) bis hin zu neuen Beilagen oder Serviceleistungen (Energie, Handy, Internet). Aus den Gewinnen kann der Medien-Betrieb quersubventioniert werden, wie auch Beispiele im Ausland zeigen. Ein Handicap ist, dass Österreich als Markt zu klein ist. Die New York Times, die weltweit verkauft wird, kann es sich leisten, Digital-Abos um 50 Cent die Woche (Aktion) anzubieten. Bei über 13 Millionen Abonnenten kommen auch so ordentliche Einnahmen zustande.

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