Solide Kapitalausstattung trotz anspruchsvollem Marktumfeld
Die österreichischen Versicherungsunternehmen bleiben trotz wirtschaftlicher Unsicherheit, hoher Schadenjahre und regulatorischer Veränderungen finanziell stabil. Laut EY-Analyse stieg die durchschnittliche Solvenzkapitalquote (SCR-Quote) 2025 auf 275,5 Prozent, nach 255,4 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig erhöhten sich die anrechenbaren Eigenmittel um 12,3 Prozent, wobei 94,1 Prozent davon Eigenmittel höchster Qualität sind. „Die österreichische Versicherungsbranche zeigt sich auch 2025 sehr robust. Die Solvenzquoten sind gestiegen und liegen weiterhin über dem europäischen Durchschnitt. Das ist ein starkes Stabilitätssignal – gerade in einem Umfeld, in dem Versicherer gleichzeitig mit höheren Schadenrisiken, Kapitalmarktveränderungen und zunehmender Regulierung umgehen müssen“, so Barbara Czanik, Partnerin und Leiterin des Bereichs Versicherungsprüfungen bei EY Österreich. Christopher Grocholski, Senior Manager und Aktuar bei EY Österreich, ergänzt: „Die Kapitalausstattung der österreichischen Versicherer ist nicht nur hoch, sondern auch qualitativ stark. Das ist entscheidend, weil Solvenz nicht nur eine regulatorische Kennzahl ist, sondern die Fähigkeit eines Versicherers widerspiegelt, Verpflichtungen gegenüber Kund:innen auch unter Stressbedingungen erfüllen zu können.“
Prämien steigen, Solvency-II-Review bringt neue Anforderungen
Die verrechneten Prämien stiegen 2025 über alle Sparten hinweg um 4,9 Prozent auf 24,3 Milliarden Euro und damit stärker als die Inflationsrate von 3,6 Prozent. Den größten Anteil am Markt hält weiterhin die Nicht-Lebensversicherung mit 64,2 Prozent der Prämien, gefolgt von der Lebensversicherung (21,7 Prozent) und der Krankenversicherung (14,1 Prozent). Während Österreich bei den Solvenzquoten sowohl in der Lebens- als auch in der Nicht-Lebensversicherung über dem europäischen Durchschnitt liegt, bringt der Solvency-II-Review weitere regulatorische Änderungen mit sich – unter anderem bei Zinskurve, Risikomarge, Volatilitätsanpassung sowie bei Berichterstattung, Governance und Nachhaltigkeitsrisiken. „Prämiensteigerungen sind für Kund:innen unmittelbar spürbar. Für Versicherer spiegeln sie aber auch ein Umfeld wider, in dem Kosten, Schadenaufwand, medizinische Leistungen, Reparaturkosten und Risiken weiter steigen. Die Branche muss daher eine schwierige Balance halten: leistbaren Versicherungsschutz anbieten und gleichzeitig langfristig ausreichend Kapital und Ertragskraft sichern“, so Czanik. Zum regulatorischen Ausblick sagt sie: „Der Solvency-II-Review ist kein rein technisches Regulierungsthema. Er beeinflusst, wie Versicherer Kapital einsetzen, Risiken bewerten, langfristig investieren und gegenüber Aufsicht und Öffentlichkeit berichten. Unternehmen sollten die Änderungen daher frühzeitig analysieren und ihre Modelle, Prozesse und Berichterstattung entsprechend vorbereiten.“
Über die Studie
Die EY SFCR Benchmarking Studie 2025 analysiert die veröffentlichten Berichte über die Solvabilität und Finanzlage der österreichischen Versicherungsunternehmen per 31.Dezember 2025. Die Studie umfasst sämtliche österreichische Versicherungsunternehmen, die der österreichischen Versicherungsaufsicht unterliegen. Analysiert wurden unter anderem Solvenzkennzahlen, Eigenmittel, Prämienentwicklung, Combined Ratio, ökonomische Bilanz, versicherungstechnische Rückstellungen, Risikomodule sowie europäische Vergleichswerte. Die Versicherungsunternehmen werden in Komposit‑, Lebens‑, Nicht-Lebens- und Rückversicherer gegliedert. Historische Vergleiche beziehen sich auf die vergangenen fünf Jahre.

















