Allianz‐Analyse: Sparbuch‐Vorliebe hat einen hohen Preis

© Markus Dlouhy
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Die Vorliebe für das Sparbuch kostet die Österreicher viel Geld. Die Geldvernichtung erreichte in dieser Sparform 2017 einen neuen Höhepunkt. Die Wende im weltweiten Anlagevermögen geht an Österreich spurlos vorüber. Eine Analyse der Allianz zeigt: Österreich ist Rendite–Schlusslicht. Die Inflation frisst die Ersparnisse auf.

Rund um den Globus verloren Bankeinlagen im vergangenen Jahr in der Gunst der privaten Haushalte. Aktien und Investmentfonds hingegen boomten. Nicht so in Österreich. Mit knapp 80 Prozent floss hierzulande auch 2017 der Großteil der frischen Spargelder in Bankeinlagen. Die Inflation konnte damit nicht mehr kompensiert werden, die reale Rendite des Geldvermögens fiel im vergangenen Jahr auf 0,1 Prozent. „Die Rückkehr der Inflation ist Gift für die ‚Sparbuch‐Sparer‘, die privaten Sparanstrengungen sind hierzulande praktisch im Sand verlaufen“, kommentiert Martin Bruckner, Chief Investment Officer der Allianz Gruppe in Österreich, die Ergebnisse des aktuellen Allianz Global Wealth Reports, der Geldvermögen und Verschuldung der privaten Haushalte in über 50 Ländern analysiert.

Im Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre erzielten die österreichischen Haushalte eine reale Rendite von weniger als 1 Prozent – dies ist mit Abstand der schlechteste Wert im gesamten Euroraum, wie in der Allianz Studie betont wird. Österreichs Haushalte konnten aber auch als Schuldner vom Zinsverfall nur wenig profitieren. Seit Beginn der geldpolitischen Lockerung steht ein dickes Minus von 14 Milliarden Euro bei den Nettozinseinkommen zu Buche. In Summe aller Sektoren (private Haushalte, Staat, nicht‐finanzielle Kapitalgesellschaften und finanzielle Kapitalgesellschaften) reduziert sich dieses Minus dank der heimischen Unternehmen allerdings auf 3 Mrd. Euro (knapp 1 Prozent des BIP). Mit 51,6 Prozent des BIP liegt Österreichs Schuldenstandquote so niedrig wie in keinem anderen Industrieland der Welt.

Im Durchschnitt knapp 54.000 Euro

Das Brutto‐Geldvermögen der Österreicher legte im Jahr 2017 um 3,3 Prozent zu, nur einen Hauch schneller als im Vorjahr. Gleichzeitig schwächte sich das Wachstum der Verbindlichkeiten auf 2 Prozent ab. Aufgrund des mäßigen Kreditwachstums beschleunigte sich 2017 das Wachstum des Netto‐Geldvermögens auf 3,8 Prozent. Mit einem Netto‐Geldvermögen von 53.980 Euro pro Kopf liegt Österreich in der Rangliste der 20 reichsten Länder unverändert auf dem 17. Platz, einen Rang vor Deutschland. An der Spitze thront – nach einem Jahr Pause – wieder die Schweiz. Auch sonst stehen die europäischen Länder 2017 insgesamt besser da als in den Vorjahren. Dies spiegle laut Allianz Report in erster Linie die Aufwertung des Euro im vergangenen Jahr wider. Global wuchs das Brutto‐Geldvermögen der privaten Haushalte kräftig um 7,7 Prozent und erreichte eine Gesamthöhe von 168 Billionen Euro.

Weltweit war 2017 trotz zunehmender politischer Spannungen ein nahezu perfektes Jahr für die Anleger. „Die wirtschaftliche Erholung nach der Finanzkrise fand ihren Höhepunkt in einem synchronen Aufschwung rund um den Globus und die Finanzmärkte zeigten eine starke Entwicklung, allen voran die Aktienmärkte“, erklärt Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz. Aber damit gehe die Post‐Krisen‐Ära unwiderruflich zu Ende. „Die Zeiten, in denen eine extrem expansive Geldpolitik für eine stetige und weitgehend schwankungsfreie Aufwärtsentwicklung an den Finanzmärkten sorgte, sind vorbei. Die Zeichen stehen auf Sturm: Höhere Zinsen, Handelskonflikte und eine zunehmend populistische Politik verursachen Spannungen und Turbulenzen. Die ersten Monate dieses Jahres haben darauf schon einen Vorgeschmack gegeben“, so Heise.

Renaissance des Wertpapiersparens

Im weltweiten Anlageverhalten kam es 2017 zu einer bemerkenswerten Wende: Nachdem die Sparer Aktien und Investmentfonds in den Nachkrisenjahren unterm Strich weitgehend ignorierten, flossen im vergangenen Jahr erstmals wieder frische Gelder im nennenswerten Umfang in diese Vermögensklasse. Mit knapp einem Fünftel lag ihr Anteil an der Neuanlage sogar höher als in den Vorkrisenjahren. Im Kontext der boomenden Börsen führte dies dazu, dass Wertpapiere im Vorjahr mit 12,2 Prozent das mit Abstand stärkste Wachstum aller Vermögensklassen zeigten. Insgesamt stieg ihr Anteil an den gesamten weltweiten Ersparnissen auf 42 Prozent. Spiegelbildlich zur Wiederentdeckung der Kapitalmärkte verloren die Bankeinlagen: Nur noch 42 Prozent der Neuanlage wurde zu den Banken gelenkt; im Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei 63 Prozent. Der „Liebesentzug“ für Bankeinlagen vor allem in den Industrieländern (ausgenommen Österreich) komme angesichts der zurückgekehrten Inflation keine Sekunde zu früh, heißt es im Global Wealth Report der Allianz.

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